Papst Franziskus wird vom griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras auf Lesbos begrüßt. Hinter den beiden gehen weitere Geistliche.

Papst zu Besuch auf Lesbos "Dies ist eine traurige Reise"

Stand: 16.04.2016 10:48 Uhr

Der Papst ist zu Besuch auf der griechischen Insel Lesbos, wo besonders viele Flüchtlinge unter zum Teil katastrophalen Zuständen leben. Mit deutlichen Worten prangerte das Kirchenoberhaupt die Situation an - und nahm sich zehn Flüchtlingen vor Ort in besonderem Maße an.

Von seiner Reise auf die griechische Ägäis-Insel Lesbos will Papst Franziskus zehn Flüchtlinge und Migranten mit nach Rom nehmen. Bei den Menschen handelt es sich um acht syrische und zwei afghanische Staatsbürger, wie das griechische Staatsfernsehen berichtete. Sie sollen bereits in Griechenland angekommen sein, bevor der EU-Flüchtlingspakt mit der Türkei in Kraft getreten ist. Deshalb werden die Schutzsuchenden nicht in die Türkei zurückgeführt. Kommentatoren werten die Geste als Zeichen der Unterstützung von Griechenland und als Kritik an einer Politik der Abgrenzung und geschlossenen Grenzen in Europa.

Diese Kritik wird auch während der heutigen Reise nach Lesbos deutlich wobesonders viele Flüchtlinge leben. "Dies ist eine von Traurigkeit gezeichnete Reise, eine traurige Reise", sagte der Papst auf dem Flug aus Rom. Mit seiner Reise will das Kirchenoberhaupt für mehr Solidarität gegenüber den Flüchtlingen plädieren.

"Schlimmste humanitäre Katastrophe"

"Wir erleben die schlimmste humanitäre Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg. Wir werden so viele Menschen sehen, die leiden, die fliehen und nicht wissen wohin", sagte das katholische Kirchenoberhaupt während des Fluges. "Und wir gehen auch zu einem Friedhof, dem Meer. So viele Menschen kommen niemals an."

Papst Franziskus @Pontifex_de
Die Flüchtlinge sind keine Zahlen, sie sind Personen: Sie sind Gesichter, Namen, Geschichten – und als solche müssen sie behandelt werden.

Menschenunwürdiges Flüchtlingszentrum

Auf der Überfahrt vom türkischen Festland auf die griechischen Ägäis-Inseln ertrinken jede Woche Flüchtlinge. Der Papst will auf Lesbos zusammen mit dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I., dem griechisch-orthodoxen Erzbischof von Athen und ganz Griechenland, Hieronymus, und dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras das Flüchtlingszentrum Moria besuchen. Hilfsorganisationen nennen die Unterbringung der rund 3000 Flüchtlinge in dem sogenannten Hotspot menschenunwürdig.

Jeder dritte Ankömmling ist ein Kind

Mehr als eine halbe Million Flüchtlinge waren vergangenes Jahr über Lesbos nach Griechenland eingereist. Seit Beginn des Jahres trafen nach UN-Angaben bereits knapp 90.000 Menschen auf der Ägäis-Insel ein, ein Drittel von ihnen Kinder.

Laut dem Flüchtlingspakt mit der Türkei werden seit dem 20. März aber sämtliche Flüchtlinge in die Türkei zurückgeschickt, deren Asylantrag in Griechenland nicht angenommen wurde. Im Gegenzug für die Rücknahme der Flüchtlinge haben die EU-Länder zugesagt, für jeden zurückgeschickten Syrer auf legalem Wege einen anderen syrischen Flüchtling aus der Türkei aufzunehmen - bis zu einer Obergrenze von 72.000.

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