Nach der Hinrichtung Qadris demonstrierten Pakistaner für den früheren Bodyguard. | Bildquelle: AP

Attentäter fünf Jahre nach der Tat hingerichtet Ein Mörder - für einige ein Held

Stand: 29.02.2016 16:55 Uhr

Vor fünf Jahren hatte der pakistanische Leibwächter Qadri seinen Schützling ermordet. Der liberale Gouverneur hatte sich für religiöse Minderheiten eingesetzt. Jetzt wurde Qadri hingerichtet. Sein Tod löste Proteste aus.

Von Sandra Petersmann, ARD-Studio Neu-Delhi

Als sich die Nachricht der Hinrichtung verbreitete, kam es in mehreren pakistanischen Städten zu gewaltsamen Protesten. Die Demonstranten blockierten Straßen, verbrannten Autoreifen und Bilder des Premierministers Nawaz Sharif. Islamistische Politiker machten Stimmung gegen den Staat.

Ein Demonstrant erklärt: "Die Vollstreckung der Todesstrafe verletzt die Gefühle aller Muslime. Für uns Muslime war Mumtaz Qadri ein Held, der den Islam verteidigt hat. Er hat einen Mann in die Hölle geschickt, der den Propheten beleidigt hat. Qadri hat den Koran und die Lehre des Propheten befolgt."

"Die Verfassung dieses Landes sagt, dass kein Gesetz dem Islam widersprechen darf. Die Regierung hat sich den Zorn Gottes zugezogen. Sie wird ihre Strafe zu spüren bekommen," meint ein weiterer Kritiker der Todesstrafe für den Ex-Leibwächter.

Der Leibwächter erschoss den Gouverneur

Qadri wurde in den frühen Morgenstunden für ein Verbrechen gehängt, das er im Januar 2011 begangen hatte. Qadri war damals einer der Leibwächter des Gouverneurs Salman Taseer. Er erschoss ihn mit seiner Dienstwaffe. Qadri feuerte fast 30 Mal auf Taseer. Und wurde anschließend dafür von religiös-konservativen Pakistanern als Held gefeiert. Vor Gericht wurde er von Anhängern mit Rosenblättern überschüttet.

Sein Opfer, Salman Taseer, war ein liberaler Politiker, der sich für die verfolgten religiösen Minderheiten in Pakistan eingesetzt hatte. Zum Beispiel für die Christin Asia Bibi, die wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilt wurde und bis heute im Gefängnis sitzt. Taseer hatte die Frau an seinem Todestag im Gefängnis besucht. Für Attentäter Qadri war der Besuch der Christin der Grund, den Mann zu erschießen, den er schützen sollte. Er sah seine Todesschüsse als religiöse Pflichterfüllung an, wie er später vor Gericht aussagte.

Unterstützer des hingerichteten Ex-Leibwächters Quadri | Bildquelle: AFP
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Unterstützer des hingerichteten Ex-Leibwächters Quadri

Tod wegen Gotteslästerung

Wer in Pakistan den Propheten beleidigt, muss sterben. Das schreiben die strengen Blasphemie-Gesetze des Landes vor. Sie werden aber oft missbraucht, um politischen oder privaten Feinden zu schaden. Rund 100 Menschen werden jedes Jahr wegen mutmaßlicher Gotteslästerung angeklagt, darunter viele Christen. Im Mai 2011, nur wenige Monate nach der Ermordung von Gouverneur Taseer, wurde damals auch der einzige christliche Minister im Kabinett ermordet. Und im August des selben Jahres wurde Taseers Sohn entführt. Er ist bis heute verschwunden.

Dass die Todesstrafe gegen Taseers Attentäter jetzt vollstreckt wurde, ist auf den veränderten Umgang mit Extremisten zurückzuführen. Die Sicherheitskräfte greifen härter durch, seit die pakistanischen Taliban im Dezember 2014 eine öffentliche Armeeschule in Peschawar überfielen und mehr als 130 Kinder ermordeten. Das Militär gilt als eigentlicher Machthaber im Pakistan und steht im Verdacht, ausgewählte Extremisten zu fördern, um dem benachbarten Erzfeind Indien zu schaden. 

Pakistan richtet Attentäter von Salman Taseer hin
S. Petersmann, ARD Neu-Delhi
29.02.2016 15:44 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 29. Februar 2016 um 23:30 Uhr im Deutschlandfunk.

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