Vergoldete Oscar-Statuen | Bildquelle: dpa

Akadamie verkündet "historische Maßnahmen" Oscar-Jury wird bunter besetzt

Stand: 23.01.2016 13:53 Uhr

Die diesjährigen Oscar-Nominierungen haben für Boykott-Drohungen schwarzer Schauspieler und Regisseure gesorgt. Die Academy hat jetzt Veränderungen angekündigt: In Zukunft sollen mehr Frauen und ethnischen Minderheiten über die Preise entscheiden.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Studio Los Angeles

Es klingt erst mal gut: Bis 2020 will die Academy, der einflussreiche Verband der Filmschaffenden in Hollywood, die Zahl ihrer Mitglieder aus ethnischen Minderheiten verdoppeln - ebenso wie die Zahl der weiblichen Mitglieder. Es wurde aber auch höchste Zeit: Die Academy gilt als männlich, weiß und überaltert.

Der Verband selbst nennt keine Zahlen zur Struktur seiner mehr als 6200 Mitglieder - allerdings hat die LA Times 2012 akribisch recherchiert und Erstaunliches zu Tage gefördert: Zu 94 Prozent war das Oscar-Wahlgremium damals weiß, zu 77 Prozent männlich. Schwarze machten nur zwei Prozent der Mitglieder aus, Latinos weniger als zwei Prozent. Academy-Mitglieder werden auf Lebenszeit berufen - das Durchschnittsalter lag bei 62 Jahren, und nur 14 Prozent der Mitglieder waren jünger als 50. Die genauen Zahlen haben sich, wenn sie denn damals stimmten, inzwischen sicher verändert, aber die ungefähren Größenordnungen dürften weiter gelten.

Ramplings Äußerungen sorgen für Aufruhr

Die britische Schauspielerin Charlotte Rampling hat sich in einem Radio-Interview zu der Rassismus-Debatte bei den Oscars geäußert. "'Man wird es niemals wissen, aber vielleicht haben es die schwarzen Schauspieler einfach nicht verdient, in die letzte Auswahl zu kommen", sagte sie dem französischen Radiosender Europe 1. Die scharfe Reaktion einiger schwarzer Schauspieler auf die Nominierungen sei sogar "Rassismus gegen Weiße". Damit löste sie heftige Reaktionen in sozialen Netzwerken aus. Rampling erklärte dazu, dass sie falsch interpretiert worden sei. Eigentlich hätte sie gemeint, dass jede Leistung gleiche Chancen bei der Bewertung haben müsse. Die 69-Jährige ist in diesem Jahr zum ersten Mal bei den Oscars als beste weibliche Hauptdarstellerin nominiert.

Die Kardinäle von Los Angeles

Insofern wäre eine Verdoppelung der Zahl der nicht-weißen Mitglieder gar keine große Hilfe - von sechs auf zwölf Prozent - davon werden die Oscars wohl nicht weniger weiß werden. Denn genau das ist das Problem: Während sich Hollywood selbst zunehmend einem recht jungen Publikum zuwendet, gehen Ältere einfach nicht so oft ins Kino. Das Fernsehen ist längst deutlich weiter in Sachen Gleichberechtigung und ethnische Vielfalt. Die Oscars gelten als veraltet, nicht nur konservativ, sondern erz-konservativ - als würden die Kardinäle in Rom darüber entscheiden, welche Lieder bei einem deutschen Jugendgottesdienst gesungen werden.

Dass jemand selbst weiß ist, muss ja nicht heißen, dass er auch nur für weiße Preisträger stimmt - doch bei den Oscars lässt sich genau diese Haltung faktisch nachweisen. Seit 1929 werden die Preise vergeben, und erst 2001 gewann Halle Berry als erste Schwarze den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle. In 88 Jahren wurden erst drei schwarze Regisseure überhaupt nominiert - gewonnen hat noch kein einziger.

Karteileichen sollen verschwinden

Nun hofft die Leitung der Academy, dass eine deutliche Verjüngungskur der Mitglieder Abhilfe schaffen könnte. Die Idee ist, Karteileichen zu entfernen: Wer zehn Jahre keinen Film gedreht hat, ob vor oder hinter der Kamera, soll künftig sein Stimmrecht verlieren, auch wenn die Mitgliedschaft weiter auf Lebenszeit gilt. Nur Oscarpreisträger, Nominierte und 30 Jahre nachweislich Aktive dürfen lebenslang wählen.

1/12

Die wichtigsten Oscar-Nominierungen (14.01.2016)

Oscar-Nominierungen

Noch vor dem Morgengrauen gegen 5.30 Uhr Ortszeit verkündeten der Schauspieler John Krasinki und Cheryl Boone Isaacs, Vorsitzende der Akademie, Nominierungen für die Oscars 2016. Die Verleihung der Preise wird am 28. Februar im Dolby-Theater in Hollywood stattfinden. | Bildquelle: AFP

Außerdem soll es eine Kampagne geben, um neue Mitglieder bewusst aus verschiedenen Ethnien zu finden. Die Academy-Präsidentin Cheryl Boone-Isaacs, selbst schwarz, hatte sich viel vorgenommen, als sie 2013 ins Amt kam. Doch sie hat eingesehen, dass sie mit Trippelschritten nicht voran kommt.

Im Januar 2017, bei den nächsten Nominierungen, wird sich zeigen, ob dieser etwas größere Schritt den erhofften Wandel bringt - entweder in der Zusammensetzung oder, was noch besser wäre, in den Köpfen der aktuellen Mitglieder der Academy.

#oscarssowhite: Academy will mehr ethnische Vielfalt
W. Stuflesser, ARD Los Angeles
23.01.2016 01:42 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: