Rosario Murillo und ihr Mann Daniel Oterga | Bildquelle: dpa

Wahlen in Nicaragua Vierte Amtszeit für Ortega - und seinen Clan

Stand: 11.01.2017 02:41 Uhr

Nach seiner umstrittenen Wiederwahl hat der nicaraguanische Präsident Ortega seine vierte Amtszeit angetreten. Der frühere Guerilla-Kommandeur wird das Land gemeinsam mit seiner Frau regieren. Falls der 71-Jährige sein Mandat nicht bis zum Ende ausüben könne, soll sie übernehmen.

Der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega hat seine vierte Amtszeit angetreten. Bei einer Massenkundgebung auf dem Platz der Revolution in der Hauptstadt Managua wurde der Staatschef vereidigt. Ortega hatte die Opposition vor seiner umstrittenen Wiederwahl im November vergangenen Jahres weitgehend ausgeschaltet, unabhängige Wahlbeobachter waren nicht zugelassen.

Neben Ortega wird seine Ehefrau Rosario Murillo als Vizepräsidentin die Regierungsgeschäfte führen. Sie galt bereits als Regierungssprecherin in der vergangen Amtszeit Ortegas als wichtige Strippenzieherin in Nicaragua.

Sieben Kinder an wichtigen Schaltstellen

Sollte Ortega sein Mandat nicht bis zum Ende ausüben können, würde seine Frau übernehmen. Der 71-Jährige soll schwer krank sei. Kritiker werfen dem Ortega-Clan vor, sich das Land zur Beute gemacht zu haben. Die Familie ist an zahlreichen Unternehmen beteiligt, kontrolliert die Öl-Importe aus dem befreundeten Venezuela und steuert eine Reihe von Fernsehsendern. Sieben ihrer Kinder haben Ortega und Murillo an Schaltstellen in Politik, Wirtschaft und Medien platziert.

Ortega hat sich in seinen vier Jahrzehnten in der Politik vom idealistischen Rebellen zum autoritären Alleinherrscher entwickelt. Ende der 1970er Jahre jagte er den Diktator Anastasio Somoza in die Flucht und machte Nicaragua zum Sehnsuchtsland der internationalen Linken. Mittlerweile hat er sich mit dem Großkapital verbündet und fährt einen neoliberalen Wirtschaftskurs.

Das ärmste Land Mittelamerikas steht allerdings vor einer Reihe von Problemen: Sollte der US-Senat den sogenannten "Nica Act" billigen, könnten Kredite internationaler Organisationen an Nicaragua auf Druck Washingtons gestoppt werden. Wegen des geplanten Baus des Nicaraguakanals werden zudem heftige Proteste von Bauern in der Region erwartet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Januar 2017 um 08:00 Uhr.

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