Oprah Winfrey 2007 bei einer Wahlkampfveranstaltung für Barack Obama in Des Moines, Iowa. | Bildquelle: REUTERS

US-Präsidentschaftskandidatur? "Oprah hat es"

Stand: 09.01.2018 05:24 Uhr

Die flammende Rede von Oprah Winfrey bei den Globes begeisterte - so sehr, dass Medien und Zuschauer nun spekulieren, ob die Ex-Talkshow-Gastgeberin Ambitionen für das US-Präsidentschaftsamt hegt. Nicht wenige glauben, dass sie das Zeug dazu hätte.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

In Hollywood wird bei der Verleihung der Golden Globes eine Rede gehalten -  kurze Zeit später ist sie Grund für Breaking News bei CNN: Oprah Winfrey könne sich vorstellen, sich für die Präsidentschaft zu bewerben, berichtet der Kabelsender, das habe das Umfeld von Winfrey bestätigt. Die 63-Jährige war in Los Angeles mit einem Sonderpreis für ihre Verdienste im Entertainment-Bereich geehrt worden und lieferte eine Rede ab, die bei vielen Zuschauern und Experten wie eine Bewerbung für das höchste Amt im Land klang.

Winfrey schlug in den knapp zehn Minuten einen hoffnungsvollen und versöhnenden Ton an. Sie erzählte, wie sie als Zehnjährige zu Hause auf dem Linoleumfußboden sitzend am Fernsehgerät verfolgte, wie Sidney Poitier 1964 als erster schwarzer Mann einen Oscar als Bester Hauptdarsteller bekam. Und sie sei sich darüber im Klaren, dass möglicherweise irgendwo in diesem Moment Mädchen sehen, wie sie, Winfrey, als erste schwarze Frau den Ehrenpreis bei den Golden Globes entgegen nehme. Die 63-Jährige machte sich stark für eine freie Presse, streifte das Thema Bürgerrechte und verwob es mit ihrem eigenen Werdegang.

Stehende Ovationen bei den Globes

Sie begann als Fernsehreporterin und wurde zu einer der erfolgreichsten Unternehmerinnen der USA. Winfrey ist Milliardärin, besitzt einen eigenen Fernsehkanal, arbeitet als Produzentin und auch Schauspielerin. 25 Jahre lang moderierte sie eine tägliche Talk-Show. Sie habe über die Jahre Menschen interviewt, die Schreckliches erlebt hätten, sagte sie auf der Bühne der Golden Globes, aber alle hätten sich Hoffnung auf bessere Zeiten bewahrt.

Stehende Ovationen erhielt sie, als sie sich zur #MeToo-Bewegung äußerte, die sexuelle Übergriffe gegenüber Frauen anprangert. Sie selbst wurde als Kind missbraucht und vergewaltigt. Zu lange sei Frauen nicht zugehört oder geglaubt worden, so Winfrey, wenn sie es wagten, die Wahrheit über die Macht dieser Männer auszusprechen. Doch die Zeit dieser Männer sei abgelaufen.

Kurz darauf machte der Hashtag #Oprah2020 die Runde auf Twitter - warum nicht?, fragte auch die konservative Kommentatorin Mary Katherine Ham: "Es war eine gute Rede und anders als üblich in Hollywood attackierte sie nicht den Teil Amerikas, der vielleicht nicht einer Meinung ist mit ihr. Das ist selten. Es war eine erhebende, vereinende, bewegende Rede."

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Mehrere Prominente liebäugeln mit Kandidatur für 2020

In der Vergangenheit hatte Winfrey immer wieder abgewunken, wenn es um die Frage ging, ob sie an einer politischen Karriere Interesse habe. Sie unterstützt die Demokraten, ist mit den Obamas eng befreundet. Ihr Lebensgefährte sagte nun gegenüber der "Los Angeles Times" zu einer möglichen politischen Laufbahn: "Es liegt an den Menschen - sie würde es machen." NBC titelte: "Oprah schafft es zu inspirieren, wie es Hillary nie gelang."

Auch andere Prominente liebäugeln mit dem Versuch, 2020 ins Weiße Haus einzuziehen, wie der Besitzer der Dallas Mavericks Marc Cuban oder Starbucks-Milliardär Howard Schulz. Dazu sagte Journalistin April Ryan auf CNN: "Das Gefüge hat sich verschoben: Wir sind eine Nation, die nicht mehr nur einen Politiker sucht, sondern einen Rockstar, einen mit dem besonderen Extra. Oprah hat es. Politik muss für uns aufregend sein."

Oprah for President? Spekulationen nach Rede bei Golden Globes
Nicole Markwald, ARD Los Angeles
09.01.2018 08:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Januar 2018 um 08:38 Uhr.

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