Alexander Van der Bellen | Bildquelle: dpa

Österreich Europa hat die Wahl mitentschieden

Stand: 05.12.2016 15:51 Uhr

Am Ende war es mehr als deutlich: Der Grüne Van der Bellen wird nächster Präsident Österreichs. Der Grund: Sein Team konnte besser mobilisieren - und vielen Österreichern bereitete der europakritische Kurs von FPÖ-Kandidat Hofer dann wohl doch Sorge.

Von Andrea Beer, ARD-Studio Wien

Der 72 Jahre alte Alexander Van der Bellen hat es also geschafft: Ende Januar wird der frühere Grünenchef zum neuen österreichischen Bundespräsidenten gewählt und damit Nachfolger von Heinz Fischer. Die aufgehobene Stichwahl am 22. Mai hatte Van der Bellen nur sehr knapp gewonnen, doch diesmal ist der Vorsprung des 72-jährigen Van der Bellen ist so klar, dass die Briefwahlstimmen keinen gravierenden Einfluss mehr haben.

Sie werden seit neun Uhr ausgezählt. Akribisch genau, denn wegen schlampig und regelwidrig ausgezählter Briefwahlstimmen musste die Stichwahl ja überhaupt wiederholt werden. Damals hatte Van der Bellen nur eine hauchdünne Mehrheit, jetzt liegt er mit rund 300.000 Stimmen vor dem FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer.

Grünen-Kandidat Van der Bellen führt bei Wahl des österreichische Präsidenten
tagesschau 20:00 Uhr, 05.12.2016, Michael Mandlik, ARD Wien

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Lieber keinen Bruch mit Brüssel

Das Van-der-Bellen-Team habe viel besser mobilisiert als das Hofer-Lager, analysiert Günther Orgis vom Meinungsforschungsinstituts Sora: "Der starke Zuwachs an Stimmen für Van der Bellen ist durch die Mobilisierung von Nichtwählern gelungen. Es war ja relativ beeindruckend, dass die Wahlbeteiligung noch einmal gestiegen ist, obwohl die Wahl wiederholt werden musste."

Europa sei ein wahlentscheidendes Thema gewesen, meint der Politologe Anton Pelinka. Eine Mehrheit in Österreich wolle offenbar keinen Streit oder gar Bruch mit der EU riskieren: "Auch wenn Hofer im Wahlkampf ja eher vorsichtig war, ist das Image geblieben: Bei Hofer kann man nicht sicher sein, ob ein Wahlsieg nicht trotzdem als Signal weg von der Europäischen Union verstanden wird."

Alexander Van der Bellen | Bildquelle: dpa
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Alexander Van der Bellen hat die Präsidentschaftswahl in Österreich überraschend klar gewonnen.

Erfolgreich auch bei katholischen Wählern

Mit dem EU-Thema konnte Van der Bellen auch in vielen Gemeinden quer durch Österreich punkten, vor allem bei der konservativen Klientel. In mehr als 280 Gemeinden drehte Van der Bellen das Ergebnis sogar im Vergleich zum Mai zu seinen Gunsten. Frauen, Bürger mit Abitur oder Uniabschluss, Angestellte und Beschäftigte im öffentlichen Dienst wählten Van der Bellen, männliche Arbeiter vor allem Hofer.

Dieser erkannte seine Niederlage noch am Abend an, die FPÖ will die Wahl nicht anfechten: "Das tut natürlich sehr weh, das muss ich ehrlich zugeben. Ich möchte auch sagen, dass ich meine Wähler nicht im Stich lassen werde. Ich werde bei der Nationalratswahl antreten - und wer weiß, was in sechs Jahren ist. Vielleicht darf ich dann noch einmal bei einer Präsidentschaftswahl antreten", sagt Hofer.

Norbert Hofer und Heinz-Christian Strache
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Norbert Hofer (links) könnte FPÖ-Chef Strache beerben.

Hofer auf dem Weg zum FPÖ-Chef?

Hofer hat verloren, doch parteiintern könnte er nun Parteichef Heinz Christian Strache gefährlich werden. Der Politologe Peter Filzmaier meint, allein die Debatte schade der FPÖ. Filzmaier sieht jedoch eher nach einer Parlamentswahl Probleme: "Ich sehe eher Streitpunkte nach der Wahl - wenn das Ergebnis durchwachsen ausfallen sollte und man dann in den Regierungsverhandlungen für eine Koalition werben muss. Dann könnte der als gemäßigt geltenden Hofer - obwohl er das jetzt im Wahlkampf nicht immer war - vielleicht als bessere Führungsperson gesehen werden."

In Umfragen liegt die FPÖ regelmäßig bei mehr als 30 Prozent. Regulär wird erst 2018 ein neues Parlament gewählt. Beobachter halten es aber für möglich, dass die Große Koalition unter SPÖ-Kanzler Christian Kern vorher auseinanderbrechen könnte.

Unterm Strich hat der lange und teilweise aggressive Wahlkampf beiden Kandidaten geschadet. Van der Bellen und Hofer verloren seit Mai rund zehn Prozent ihrer Glaubwürdigkeit. Querbeet kamen heute trotzdem Gratulationen an Van der Bellen. Von Wirtschaftsverbänden, von der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien oder der türkischen  Kulturgemeinde in Österreich. Grundsätzlich betonten alle sinngemäß, Van der Bellen werde ein Präsident, der Österreich glaubwürdig und weltoffenen in Europa verkörpern könne.

Österreich: Van der Bellen konnte besser mobilisieren
A. Beer, ARD Wien
05.12.2016 15:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Dezember 2016 um 12:25 Uhr

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