Alexander Van der Bellen | Bildquelle: AFP

Porträt Van der Bellen "Ich habe wundervolle Lungen"

Stand: 04.12.2016 21:22 Uhr

Er raucht leidenschaftlich und schnorrt Zigaretten von FPÖ-Chef Strache - viel mehr ist vom Privatleben Van der Bellens nicht bekannt. Politisch ist das ehemalige Flüchtlingskind ein Mann der leisen Töne, des zurückhaltenden Humors - und überzeugter Europäer.

Er ist zurückhaltend, sachlich, nachdenklich. Alexander Van der Bellen, 72 Jahre, war früher elf Jahre lang Parteichef der Grünen. Ähnlich wie Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg hat er als Grüner auch im bürgerlichen Lager viele Anhänger.

Van der Bellen war selber ein Flüchtlingskind

Van der Bellen wusste, dass er die breite Mitte für einen Wahlsieg braucht. Er plakatierte deshalb groß den Begriff Heimat, daneben war er etwa mit seinem Hund im heimischen Kaunertal zu sehen: "Es ist kein Privileg irgendeiner Partei, Heimat für sich zu vereinnahmen", sagte er. "Wie Sie wissen, bin ich auch ein Flüchtlingskind. Österreich hat mir Heimat gegeben, zuerst Tirol, dann ganz Österreich - das ist mir wichtig." Aus seiner Familiengeschichte erklärt sich auch die offene Haltung gegenüber heutigen Flüchtlingen: "Bei Menschen, die vor Krieg und Tod flüchten, sollten wir die Menschenrechte, die entsprechenden europarechtlichen Verpflichtungen, einhalten."

Seine Eltern, ein russischer Aristokrat und eine Estin, waren vor dem Stalinismus nach Tirol geflohen, wo Van der Bellen nach eigenen Angaben eine "idyllische Kindheit" verbrachte. Er studierte Ökonomie an der Universität Innsbruck und legte 1970 seine Doktorprüfung ab. Zwei Jahrzehnte später krönte Van der Bellen seine akademische Karriere mit dem Posten des Dekans der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Wiener Universität.

Der 72-Jährige ist überzeugter Europäer

Van der Bellen ist überzeugter Europäer. Trotz der EU-Skepsis, die sich in Umfragen in Österreich immer wieder zeigt, will er als Bundespräsident für die EU werben. Er will "jede Gelegenheit nutzen, darauf hinzuweisen, dass Frieden, Freiheit, Wohlstand und Sicherheit für die Mitgliedstaaten der Europäischen Union im Gemeinsamen weit besser aufgehoben sind, als wenn jeder Nationalstaat das alleine für sich versuchen würde".

Passionierter Raucher

Van der Bellen ist passionierter Raucher. Vor seiner Wahl ins höchste Staatsamt vertraute der Grüne den Medien an, dass er und FPÖ-Chef Strache schon mal voneinander Zigaretten schnorren, wenn einem von beiden die Rauchware ausgeht. Sorgen um die Gesundheit des zweitältesten Präsidenten in der Geschichte Österreichs wies Van der Bellen zurück: Sein Arzt habe ihm "wundervolle Lungen" bescheinigt.

Sonst hält Van der Bellen sein Privatleben aber lieber fern der Öffentlichkeit. Seine zweite Frau, die er kurz vor Beginn des Wahlkampfs heiratete, hält sich stark zurück, gibt keine Interviews. Nur in einem Wahlkampf-Video warb Doris Schmidauer, Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion im Parlament, öffentlich für ihren Mann: "Ich glaube, dass mein Mann jemand ist, der einfach gut zuhören kann und der nichts verspricht, was er nicht halten kann."

"Es fehlt ihm gelegentlich der Biss"

Die Schwäche, die Van der Bellen im Wahlkampf zeigte: Er ließ sich vom rhetorisch versierten FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer immer wieder in die Ecke drängen. Die Kommunikationsexpertin Ingrid Amon formulierte es so: "Es fehlt gelegentlich ein bisschen der Biss, er dürfte eine Spur dynamischer sein. Manches Mal sind seine Pausen so lang, dass man das Gefühl haben könnte, er hat den Faden verloren. In Wirklichkeit denkt er natürlich wahrscheinlich nur nach."

Am Ende dieses Dauerwahlkampfs wirkte Van der Bellen tatsächlich auch etwas müde und erschöpft. Er hatte eine Menge prominente Unterstützer aus Kultur und Politik, von André Heller bis zu Bundeskanzler Christian Kern. Nun fiel sein Sieg deutlicher aus, als erwartet.

Mit Material von Ralf Borchard, ARD-Studio Wien

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Dezember 2016 um 20:00 Uhr.

Darstellung: