US-Präsident Obama in Havanna. | Bildquelle: AFP

Obama in Kuba "Sí se puede"

Stand: 22.03.2016 17:41 Uhr

"Sí se puede", also "Yes, we can", verkündet US-Präsident Obama den Kubanern. Der Kalte Krieg sei zu Ende, das Handelsembargo müsse aufgehoben werden. Mit einer Rede auf der Bühne des Theaters in Havanna beendet Obama seinen historischen Kuba-Besuch.

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington, zzt. Havanna

Die Altstadt von Havanna war weiträumig gesperrt, Tausende Bürger, die nicht ins Gran Teatro de La Habana hineinkamen, säumten die Straßen. Kubanische und US-amerikanische Fahnen schmückten Balkone und Fenster. Immerhin bekamen die Menschen einen Blick auf die imposante Wagenkolonne und Obama hinter dunklen Scheiben zu erheischen.

Gebannt verfolgten sie dann die Ansprache an das kubanische Volk, Übertragen im kubanischen Fernsehen. Sie erlebten eine rednerische Sternstunde des US-Präsidenten. Aber Obama begann mit einem Kommentar zu den Anschlägen von Brüssel. Angesichts der abscheulichen Angriffe müsse die Welt gegen die Geißel des Terrorismus vereint sein.

Im Gran Teatro de la Habana hörten die Kubaner einen engagierten US-Präsidenten, der sich an Familien, Freunde und Partner wandte - und immer wieder spanische Sätze in seine Rede einstreute: "Todos somos Americanos, wir sind alle Amerikaner." Er sei gekommen, um das letzte Überbleibsel des Kalten Krieges auf dem amerikanischen Kontinent zu Grabe zu tragen. Die Zukunft Kubas liege in der Hand der Kubaner.

Obama wirbt bei Besuch in Kuba um weitere Annäherung
tagesschau 20:00 Uhr, 22.03.2016, Peter Sonnenberg, ARD Mexico-City, zzt. Havanna

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Werbung für Demokratie

Obama warb offensiv für die Demokratie. Er glaube, jeder Mensch müsse gleich vor dem Gesetz sein, freie Meinungsäußerung müsse so möglich sein wie öffentlicher Protest, freie öffentliche Glaubensausübung, freie Wahlen gehörten ebenfalls dazu. Menschenrechte seien universell. Demokratie sei der Weg. Eine Provokation Castros, der am Ende der Rede wenig bewegt aus seiner Loge grüßte.

Es sollte einfacher sein, ein Unternehmen zu gründen, zwei Währungen seien schädlich, es sollte Internet für alle Kubaner geben, so Obama. "Es liegt an Ihnen", rief er in den Saal. Freier und offener Austausch von Ideen: Das sei das Rezept für Erfolg im 21. Jahrhundert. Und er zitierte Martin Luther King: Wir sollten Veränderungen nicht fürchten, sondern sie begrüßen.

Präsidenten Obama und Castro nach ihrer Pressekonferenz in Havanna | Bildquelle: AP
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Obama und Castro: Neuanfang mit Dissonanzen

Appell an den US-Kongress

Seit der Verabredung zwischen Castro und Obama von 2014, die Beziehungen zu normalisieren, sei viel passiert, sagte Obama. "Bald wird es Direktflüge geben, die Post funktioniert wieder, der Seeverkehr, die US-Wirtschaft beginnt in Kuba aktiv zu werden." Träger des Wandels, so Obama sollte nicht die kubanische Regierung sein, sondern das kubanische Volk. Er glaube an das kubanische Volk, rief Obama, erneut auf Spanisch. Es sei Zeit, das Embargo aufzuheben, rief Obama sicherlich auch an die Adresse des republikanisch geführten US-Kongresses, der sich bislang weigert, den Handel beider Länder wieder freizugeben.

Obama hielt eine bewegende Rede, auch mit selbstkritischen Tönen über die nicht ganz überwundene Rassentrennung in den USA, die Unterschiede zwischen Arm und Reich, die unzureichende Gesundheitsversorgung. Die auch von Raul Castro formulierte Kritik nehme er auf. Das Signal Obamas an die Kubaner lautete: Wenn sie die Veränderung wollen, sollte sich das Regime nicht sträuben, dann kann es die neue Zeit nicht aufhalten. Und er endete mit Worten, an die sich wohl die ganze Welt aus dem Jahr 2008 erinnert: "Si se puede. Si se puede - Yes we can."

Obamas Rede an das kubanische Volk
A. Horchler, ARD Washington
22.03.2016 17:29 Uhr

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