US-Präsident Obama vor der Afrikanischen Union. | Bildquelle: AP

Rede vor Afrikanischer Union Obama kritisiert Langzeitherrscher

Stand: 28.07.2015 19:19 Uhr

Präsident Obamas Rede vor der Afrikanischen Union - die erste eines US-Staatsoberhauptes dort - glich einer Gratwanderung: Er lobte zwar die Leistungen des Kontinents. Zugleich aber kritisiert er Demokratiedefizite und die Langzeitherrscher des Kontinents.

Von Linda Staude, ARD-Hörfunkstudio Nairobi

"Ich stehe vor ihnen als stolzer Amerikaner, aber auch als der Sohn eines Afrikaners." Mit diesen Worten betonte US-Präsident Barack Obama bei der ersten Rede eines amerikanischen Präsidenten vor der Afrikanischen Union seine Wurzeln auf dem afrikanischen Kontinent. Und verwies auf weitere, historische Verbindungen: "Afrika und seine Bevölkerung haben geholfen, Amerika zu der großen Nation zu machen, die es ist. Und sie haben mich mit geformt und die Art, wie ich die Welt sehe."

Den anwesenden Vertretern aller 54 Länder auf dem Kontinent versicherte Obama, dass die USA Afrika nicht länger als bloßen Empfänger von Entwicklungshilfe betrachten. Viele Afrikaner hätten ihm gesagt, dass sie nicht nur Hilfe wollten, sondern Handel, der voranbringe: "Wir wollen, sagten sie mir, keine Gönner, sondern Partner, die uns dabei helfen, unsere eigenen Wachstumsmöglichkeiten zu fördern."

Obama mahnte grundsätzliche Reformen an

Als Partner und Freund, wie der Präsident unterstrich, drängte er die afrikanischen Staaten aber auch zu grundsätzlichen Reformen: Zum Kampf gegen Korruption und Diskriminierung sowie zu mehr Demokratie. Demokratie, betonte Obama, bedeute nicht nur formelle Wahlen. "Wenn Journalisten dafür ins Gefängnis gesteckt werden, dass sie ihren Job erledigen, oder Aktivisten von der Regierung bedroht werden, dann ist das vielleicht dem Namen nach Demokratie, aber sie ist ohne Inhalt."

Appell an afrikanische Langzeitherrscher

Mit Blick auf einige Langzeitherrscher auf dem Kontinent betonte der US-Präsident, zur Demokratie gehöre auch, dass Regierungschefs ihren Sessel räumen, wenn ihre Amtszeit abgelaufen sei. "Ich liebe meine Arbeit. Aber laut unserer Verfassung kann ich nicht noch einmal kandidieren. Ich denke wirklich, ich bin ein ziemlich guter Präsident und könnte wieder gewinnen. Aber ich kann nicht."

Obama zitierte Burundi als Beispiel, dass ein Festhalten an der Macht um jeden Preis zu Gewalt und Instabilität führt. In dem ostafrikanischen Land war Staatsoberhaupt Pierre Nkurunziza in der vergangenen Woche trotz monatelanger Proteste und entgegen der Verfassung für eine dritte Amtszeit angetreten.

In einem bewegenden Appell setzte Obama sich dann auch für mehr Gleichberechtigung und die Einhaltung der Menschenrechte ein: "Jeder einzelne von uns ist gleich, jeder hat Wert, jeder ist von Bedeutung. Und wenn wir die Freiheit anderer respektieren, egal, welche Hautfarbe sie haben, zu wem sie beten, wer sie sind oder wen sie lieben, dann sind wir alle freier."

Seitenhieb in Richtung China

Dazu gehöre auch die Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen, auch wenn die Traditionen in vielen afrikanischen Ländern anders seien. Allen jungen Leuten eine Ausbildung und einen Job zu verschaffen sei eine der wichtigsten Herausforderungen für den Kontinent mit seiner schnell wachsenden Bevölkerung: "Ich weiß, dass es Länder gibt, die nichts zu all dem sagen. Das mag für die Regierungen hier einfacher sein. Aber Sie sitzen irgendwie mit uns fest. Wir glauben an diese Dinge, und wir werden weiter über sie reden."

Obama nannte China zwar nicht ausdrücklich beim Namen, aber dieser Seitenhieb war ganz klar auf die wirtschaftliche Konkurrenz der USA aus Peking gezielt. Der US-Präsident sagte den afrikanischen Partnern die Solidarität der USA zu: "Wenn Sie das Afrika aufbauen, an das Sie glauben, werden Sie keinen besseren Partner und keinen besseren Freund haben als die USA. Gott segne Afrika, Gott segne die USA."

Präsident Obama hält Rede vor der Afrikanischen Union
Linda Staude, ARD Nairobi
28.07.2015 19:26 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 28. Juli 2015 um 18:38 Uhr im Deutschlandfunk.

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