Otto Warmbier Nordkorea | Bildquelle: AP

Nach Tod Warmbiers Nordkorea dementiert Foltervorwürfe

Stand: 23.06.2017 11:18 Uhr

Erstmals hat Nordkorea auf den Tod Otto Warmbiers reagiert und Foltervorwürfe zurückgewiesen. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur des Landes sei mit dem US-Studenten während seiner Haft gemäß internationalen Standards umgegangen worden.

Nordkorea hat Vorwürfe zurückgewiesen, den gestorbenen US-Studenten Otto Warmbier während seiner Haftzeit brutal behandelt oder gefoltert zu haben. Die nordkoreanischen Behörden seien mit Warmbier gemäß nationalem Recht und internationalen Standards umgegangen, hieß es in einem Artikel der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA.

Es ist die erste offizielle Reaktion des abgeschotteten Landes auf den Tod des jungen Amerikaners. Zuvor hatte US-Präsident Trump "das brutale Regime" in Nordkorea für die schweren Hirnschäden verantwortlich gemacht, an denen Warmbier gestorben war.

Otto Warmbier bittet im Frühjahr 2016 auf einer Pressekonferenz in Nordkorea unter Tränen um Verzeihung und Gnade. | Bildquelle: AFP
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Otto Warmbier bittet im Frühjahr 2016 auf einer Pressekonferenz in Nordkorea unter Tränen um Verzeihung und Gnade.

Eltern von Warmbier gehen von Folter aus

Die Familie des Verstorbenen geht davon aus, dass er gefoltert wurde: Die Eltern Fred und Cindy Warmbier sagten, das Regime habe den jungen Mann misshandelt und terrorisiert. Wenige Tage nach seiner Rückkehr in die USA hatten Mediziner in Ohio festgestellt, dass der Student schwere Hirnschäden davongetragen hat.

Die Version der Nordkoreaner, er sei während seiner Haft an der Lebensmittelvergiftung Botulismus erkrankt und nach Einnahme einer Schlaftablette nicht mehr aufgewacht, konnten Mediziner bei Untersuchungen in den USA nicht bestätigen.

Familie wollte keine Obduktion

Wahrscheinlicher sei ein Sauerstoffverlust im Hirn. Dieser kann etwa durch einen Herzstillstand hervorgerufen werden. Die Leiche Warmbiers wurde auf Wunsch der Eltern nicht obduziert. Damit kann eine genaue Todesursache nicht festgestellt werden.

Der Student war während einer Reise nach Nordkorea festgenommen worden, weil er ein Propagandaplakat gestohlen haben soll. Im März 2016 wurde er zu 15 Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt. Nordkorea hatte ihn vergangene Woche freigelassen.

Trauerfeier für Otto Warmbier | Bildquelle: AFP
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Trauerfeier für den nach seiner Freilassung aus nordkoreanischer Haft verstorbenen Studenten Otto Warmbier im US-Bundesstaat Ohio.

Dies sei aus humanitären Gründen geschehen, hatte Pjöngjang mitgeteilt. Anfang dieser Woche starb Warmbier im Krankenhaus, nachdem er nach Angaben seiner Eltern schon seit Längerem im Koma gelegen hatte. Gestern nahmen bei Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio mehrere tausend Menschen an einer Trauerfeier für ihn teil.

Über dieses Thema berichteten am 23. Juni 2017 tagesschau24 um 12:00 und 13:00 Uhr jeweils in den "Hundert Sekunden" sowie Deutschlandfunk um 13:00 Uhr in den Nachrichten.

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