Nordkoreanische Rakete | Bildquelle: AP

Nordkoreas Raketentests Welche Rolle spielen Moskau und Peking?

Stand: 18.07.2017 04:42 Uhr

Nach den jüngsten Raketentests Nordkoreas hofft der Westen zunehmend auf einen mäßigenden Einfluss Russlands und Chinas. Das sei naiv, meint ein international anerkannter Waffenanalyst. Er warnt vor einem Doppelspiel der Regierungen in Moskau und Peking.

Von Klaus Scherer, NDR

"Feststoffraketen" sind laut Lexikon "Antriebssätze aus festem Material", also Raketen älteren Typs, die statt flüssigem Treibstoff noch festen verbrennen. Wer mit dem Rüstungsfachmann Robert Schmucker von der TU München telefoniert, erhält derzeit eine andere Definition. "Sie sind wie Brot", sagt der Experte für Raumfahrttechnik und meint damit, dass sie "verderblich" seien, also nicht ewig einsetzbar.

Klaus Scherer, NDR, über Nordkorea
tagesschau24 11:00 Uhr, 18.07.2017

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Wer solche Raketen noch in Arsenalen horte, wie beispielsweise China, müsse deshalb gelegentlich schauen, "ob sie noch gehen". Da die Machthaber in Peking sich mit derlei Tests aber nicht selbst blamieren wollten, hätten sie diese, leidlich getarnt, zuletzt immer mal wieder Nordkorea überlassen. Davon ist der Professor überzeugt.

alt NDR-Autor Klaus Scherer

Zum Autor

NDR-Autor Klaus Scherer hat Nordkorea als ARD-Fernostkorrespondent bis 2004 mehrfach bereist. Von 2007-2012 war er Korrespondent in Washington.

Sein Vorwurf hat es in sich, denn als ehemaliges Mitglied der UN-Inspektionsteams im Irak genießt er in der Fachwelt hohes Ansehen. Die Hoffnung des Westens, allen voran von US-Präsident Donald Trump, dass ausgerechnet Peking Nordkoreas zündelnden Diktator Kim Jong-un mäßigen würde, wäre damit eher naiv, meint Schmucker.

"Baugleich mit russischem Modell"

Auch Markus Schiller, einstiger Schüler Schmuckers und inzwischen ebenfalls ein international anerkannter Waffenanalyst, warnt vor einem Doppelspiel der Anrainer-Großmächte China und Russland. Mit Blick auf Moskau verweist er darauf, dass das Triebwerk der Anfang Juli mit schrillem Propagandagetöse getesteten Interkontinentalrakete "baugleich mit einem russischen Modell" sei. "Entweder es handelt sich um alte Bestände oder es gibt aktuellere Kontakte als wir glauben", sagte Schiller. Eigentlich seien Beobachter davon ausgegangen, dass Russlands Präsident Wladimir Putin auf Distanz zu Kim gegangen ist. Laut Schiller hat Moskau dem international vorgeblich so isolierten Nordkorea bei seinem reklamierten "historischen Durchbruch" aber womöglich noch geholfen.

Was die tatsächliche Leistungsfähigkeit der moderneren "Hwasong-14"-Rakete angeht, sind sich deutsche und US-amerikanische Experten indes uneins. Raumfahrtfachmann Schmucker geht davon aus, dass Kim Jong-uns Vorzeigerakete ohne nennenswerte Ladung geflogen sein muss und dass das Regime von einer ernsthaft einsetzbaren Langstrecken-Rakete mit 500-Kilo-Sprengkopf "noch viele Jahre entfernt" ist. Schiller gesteht zwar zu, dass die Trägerrakete mit 35 bis 40 Tonnen Startgewicht doppelt so groß gewesen sei wie vorherige Modelle - mit dem nötigen Sprengkopf könne sie aber kaum das angepeilte US-Festland erreichen.

Manche Forscherkollegen in den USA teilen die Ansicht. Andere, darunter John Schilling vom Washingtoner Institut "38North" - benannt nach dem innerkoreanischen Breitengrad - scheinen dagegen durchaus alarmiert. "Noch ein, zwei Jahre Entwicklung mit weiteren Tests", schrieb Schilling zuletzt, "dann könnte die 'Hwasong 14' mit einem einfachen nuklearen Sprengkopf durchaus Amerikas Westküste erreichen."

"Ungewöhnlich und gefährlich"

Die Diskussion darüber, wie weit Nordkoreas Säbelrasseln von tatsächlichem Drohpotenzial gedeckt ist, dürfte sich in den kommenden Jahren intensivieren. TU-Dozent Schmucker mahnt derweil, auch rhetorisch abzurüsten, während sein Junior-Kollege Schiller weiter Flugdaten auswertet - und alle verfügbaren Bilder aus Nordkorea. Eines davon, so listet seine Analyse auf, zeige Armeechef Kim Jong-un, locker eine Zigarette rauchend - dicht neben der angeblich startbereiten Waffe. "Im Vergleich zu westlichen oder auch früheren sowjetischen Abläufen wäre das sehr ungewöhnlich und gefährlich", hält er fest. Vermutlich sei die Rakete erst danach betankt worden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Juli 2017 um 11:00 Uhr in einem Schwerpunkt.

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