gemeinsame Militärübung der USA und Südkorea | Bildquelle: dpa

Nach Nordkoreas Raketentest US-Raketen als Antwort auf Kims "Geschenk"

Stand: 05.07.2017 07:25 Uhr

Die USA setzen nach dem Test einer Interkontinentalrakete durch Nordkorea auf schärfere Sanktionen und eine militärische Antwort. Als Warnung hielten sie gemeinsam mit Südkorea eine Militärübung ab. Umgekehrt drohte Nordkorea mit weiteren Waffentests.

Von Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington

Zufall oder Absicht? Nordkorea vollführte seine Machtdemonstration am 4. Juli, dem Nationalfeiertag der Amerikaner. Traditionell feiern diese an diesem Tag ihre Unabhängigkeit von den Engländern mit einem großen Feuerwerk. Doch die Rakete, die gestern in Nordkorea gezündet wurde, hatte nichts mit einem Freudenfest zu tun. Sie legte laut Nordkorea eine Flugstrecke von 2800 Kilometer zurück und landete zwischen Südkorea und Japan im Meer. Bis eine solche Rakete die USA erreicht hätte, ist es noch ein weiter Weg. Hawaii zum Beispiel ist 7800 Kilometer von Pjöngjang entfernt.

Dennoch nimmt man in Washington das Muskelspiel des kommunistischen Machthabers Kim Jong Un sehr ernst. US-Präsident Donald Trump reagierte auf seine Weise. Er twitterte: "Nordkorea hat gerade eine neue Rakete gestartet. Weiß dieser Kerl nichts Besseres mit seinem Leben anzufangen? Vielleicht wird China diesen Unsinn ein für alle Mal beenden." Trump feierte am Abend den Unabhängigkeitstag der Amerikaner im Weißen Haus gemeinsam mit seiner Familie.

Trump am Unabhängigkeitstag bei einem Picknick von Militärangehörigen | Bildquelle: REUTERS
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Trump empfing am Unabhängigkeitstag zunächst Familien des Militärs zu einem Picknick - die Kommunikation zu Nordkorea übernahm der Außenminister.

"Eskalation der Bedrohung"

Außenminister Rex Tillerson übernahm die Kommunikation. In einer schriftlichen Erklärung bestätigte das amerikanische Außenministerium, dass es sich um eine Interkontinentalrakete handelte: "Der erfolgreiche Start einer Langstreckenrakete stellt eine neue Eskalation der Bedrohung für die USA dar. Es ist eine globale Reaktion gefragt, um auf diese globale Bedrohung durch Nordkorea zu reagieren."

Das kommunistische Land, das die USA hasst, hat seine erste Langstreckenrakete erfolgreich getestet. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur soll Kim Jong Un die Rakete als "Geschenk für die amerikanischen Bastarde zum Unabhängigkeitstage" bezeichnet haben. Es ist der neunte Raketentest seit Präsident Trump im Amt ist.

Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates beantragt

US-Außenminister Tillerson beantragte eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates: "Wir werden niemals eine Atommacht Nordkorea akzeptieren", schrieb er. Auch amerikanische Politiker fordern eine härtere Haltung gegenüber Pjöngjang: "Wir müssen mehr Druck auf Nordkorea und seine Schutzmächte Russland und China ausüben, aber wir dürfen uns keine Hoffnung machen, dass sie den Job für uns übernehmen", so der Republikaner Deb Fischer.

Die Hoffnung ist, dass Russland und China mäßigend auf den 33-jährigen Machthaber einwirken können. Doch bislang gibt es dafür wenig Anzeichen. Das Thema wird jetzt wohl auch auf dem G20-Gipfel in Hamburg auftauchen, wo Russen, Chinesen und Amerikaner aufeinander treffen.

Ein Militärmanöver als Antwort

Die Provokationen aus Nordkorea gegenüber den USA haben seit der Trump-Regierung nicht nachgelassen. Vor wenigen Wochen starb der amerikanische Student Otto Warmbier nach einem Gefängnisaufenthalt in Nordkorea. Sein Vergehen: Er hatte ein politisches Plakat gestohlen.

Beim Besuch des südkoreanischen Staatspräsidenten vergangene Woche sagte Trump: "Die Ära strategischer Geduld mit Nordkorea ist gescheitert und ehrlich gesagt, diese Geduld ist vorbei."

Allerdings ist nicht klar, was der Präsident jetzt vor hat. Einen Alleingang ohne China soll es wohl nicht geben. Gemeinsam mit Südkorea haben die Amerikaner nach dem erneuten Raketentest eine Militärübung durchgeführt. Die Militärstrategie gegenüber Nordkorea soll noch einmal überarbeitet worden sein. Es scheint, als ob den Amerikanern keine friedliche Antwort mehr einfällt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Juli 2017 um 05:07 Uhr.

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