Das Parlamentsgebäude in Belfast | Bildquelle: AFP

Regierung in Nordirland Koalitionsgespräche in Belfast gescheitert

Stand: 27.03.2017 14:45 Uhr

Die Koalitionsverhandlungen in Nordirland sind noch vor Ablauf der Frist geplatzt. Damit drohen der Provinz zum dritten Mal innerhalb eines Jahres Neuwahlen. Oder London könnte die direkte Kontrolle übernehmen.

Die Regierungsbildung in Nordirland ist gescheitert, nun wird über das Schicksal der britischen Provinz in London entschieden. Bereits vor Ablauf der Frist heute Nachmittag um 16 Uhr erklärten die beiden größten Parteien Sinn Fein und Democratic Unionist Party (DUP) die Verhandlungen für gescheitert.

Der Politiker James Brokenshire | Bildquelle: REUTERS
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Der britische Nordirland-Minister Brokenshire muss entscheiden, ob die Verhandlungen weitergehen.

Der britische Nordirland-Minister James Brokenshire kündigte für Dienstag einen Erklärung im Parlament in London an. Er könnte die dritten Neuwahlen innerhalb von zwölf Monaten ansetzen. Es könnte aber auch sein, dass Brokenshire den Parteien mehr Zeit für Verhandlungen gibt oder die Provinz zum ersten Mal seit 2007 wieder unter direkte britische Verwaltung stellt.

Kommt die Vereinigung mit Irland?

Bei der jüngsten Wahl Anfang März kam die insbesondere von Katholiken unterstützte Sinn Fein bis auf einen Sitz an die DUP heran. Damit haben die probritischen Vertreter zum ersten Mal seit der Teilung der Insel 1921 keine Mehrheit mehr. Beide großen Parteien machen sich gegenseitig für die gescheiterten Verhandlungen verantwortlich. DUP-Vizechef Nigel Dodds warf Sinn Fein vor, auf Zeit zu spielen. Das starke Abschneiden der proirischen Partei hat sie ermuntert, mit Nachdruck ein Referendum über einen Austritt aus Großbritannien und eine Vereinigung mit Irland zu fordern.

Zwar zeigen Umfragen unter den 1,8 Millionen Nordiren bislang nur eine begrenzte Zustimmung zu dem Schritt. Allerdings könnten ihn zwei Faktoren begünstigen: die demografische Entwicklung, die innerhalb einer Generation dazu führen könnte, dass die Katholiken die Mehrheit stellen. Zudem würde Nordirland nach einem Austritt Großbritanniens aus der EU durch eine EU-Außengrenze doppelt von Irland im Süden getrennt werden. Die Nordiren und die Schotten hatte mehrheitlich gegen einen Brexit gestimmt.

Regierungsbildung in Nordirland gescheitert
T. Spickhofen, ARD London
27.03.2017 17:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. März 2017 um 23:00 Uhr in den Nachrichten.

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