Bombardiertes Flüchtlingslager  | Bildquelle: AFP

Bombe trifft Flüchtlinge Ein Irrtum führt zur Katastrophe

Stand: 18.01.2017 05:57 Uhr

Auch wenn die nigerianische Regierung Boko Haram immer wieder für "technisch besiegt" erklärt - die Armee kämpft im Nordosten des Landes gegen die Terror-Miliz. Das führte nun zur Katastrophe, als eine Bombe Menschen traf, die in einem Lager Schutz vor Boko Haram gesucht hatten.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Rabat

Fotos aus dem Flüchtlingslager im nigerianischen Bundesstaat liefern ein Bild des Schreckens. Ein Mann, der einen verletzten kleinen Jungen trägt. Ein schwer verletzter, blutender Mann, der auf einem Handkarren transportiert wird. Rauchende Trümmer dessen, was bis Dienstagvormittag Teil eines Lagers war, in dem Menschen Schutz suchten.

Generalmajor Irajor, der Kommandierende der nigerianischen Armee in diesem Gebiet, versucht zu erklären, wie es zu dem katastrophalen Bomben-Abwurf kommen konnte: "Wir bekamen Nachrichten, dass sich Boko-Haram-Terroristen an einem Ort versammelten. Wir erhielten die Koordinaten und ich beorderte ein Flugzeug dorthin, um dieses Problem anzugehen."

Die Koordinaten waren offensichtlich falsch. Der Pilot warf eine Bombe und traf damit einen Teil eines Flüchtlingslagers. Menschen, die durch die Kämpfe zwischen Boko Haram und dem Militär aus ihren Heimatdörfern geflohen waren und Schutz suchten. Generalmajor Irakor drückte es so aus: "Unglücklicherweise wurde der Luftschlag ausgeführt, traf aber die lokale Bevölkerung."

Bombardiertes Flüchtlingslager | Bildquelle: AFP
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Es sollte ein Einsatz gegen Boko Haram werden, stattdessen traf die Bombe ein Flüchtlingslager.

Zahl der Opfer noch immer unklar

Die Angaben über die Opfer dieses Luftangriffes sind noch nicht präzise. Ein Regierungsvertreter sprach von mehr als 100 Opfern. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen berichtete, ihre Mitarbeiter in dem Vertriebenen-Lager hätten 52 Todesopfer und mindestens 120 Verletzte gezählt. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz teilte mit, dass sechs Mitarbeiter des lokalen Roten Kreuzes in dem Camp getötet worden sind. 13 weitere seien verletzt. Die Helfer waren dort, um Lebensmittel an die Flüchtlinge zu verteilen.

Ein Sprecher des nigerianischen Militärs sagte, man habe Hubschrauber bereit gestellt, um Schwerverletzte in Krankenhäuser in den umliegenden Städten zu bringen. Ob das tatsächlich geschah und wie viele Verletzte evakuiert werden konnten, blieb unklar.

Der Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen wurde in einer Pressemitteilung der Hilfsorganisation so zitiert: "Dieser groß angelegte Angriff auf verletzliche Menschen, die bereits vor extremer Gewalt geflohen sind, ist schockierend und inakzeptabel."

Viele Tote bei Bombardierung von nigerianischem Flüchtlingslager
tagesschau24 13:00 Uhr, 18.01.2017, Shafagh Laghai, ARD Nairobi

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Erstmals informiert Militär über fehlerhafte Aktion

Bereits in der Vergangenheit hatte es immer wieder Berichte über zivile Opfer bei Luftangriffen des nigerianischen Militärs gegen Boko Haram gegeben. Neu waren diesmal zum einen die hohen Opferzahlen und zum anderen, dass die Militärs selbst über den katastrophalen Fehler berichteten. Der nigerianische Präsident Buhari ließ mitteilen, er empfinde eine tiefe Traurigkeit über diesen bedauernswerten Fehler im Einsatz.

Auch Generalmajor Irakor versuchte, sein Bedauern auszudrücken. Der versehentliche Angriff auf das Flüchtlingslager sei letztlich auf die Wirren dieses lange andauernden Konfliktes zurückzuführen: "Das ist unglücklich und es ist ein Grund, warum dieser Krieg zu Ende gehen muss."

Das dürfte allerdings noch einige Zeit dauern. Trotz aller militärischen Erfolge des nigerianischen Militärs gegen Boko Haram gehen die Angriffe und Anschläge der Terror-Miliz weiter. Betroffen davon sind immer wieder die verarmten ländlichen Regionen im Nordosten Nigerias.

Falscher Bomben-Abwurf: Nigerianische Armee tötet Flüchtlinge und Helfer
J. Borchers, ARD Rabat
18.01.2017 07:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 17. Januar 2017 um 00:30 Uhr.

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