Nigerianische Geldscheine | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Kampf gegen Korruption Nigerias plötzlicher Geldsegen

Stand: 26.04.2017 01:53 Uhr

Wer in Nigeria Korruption aufdeckt, erhält bis zu fünf Prozent des Geldes als Belohung. Das neue Gesetz scheint zu wirken, denn immer häufiger "finden" die Fahnder riesige Bargeld-Summen.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Rabat

Als die Fahnder in die Luxuswohnung in Lagos eindrangen, staunten sie nicht schlecht: In Wandschränken fanden sie - fein säuberlich in Plastikfolie gewickelt - massenweise Bargeld. Insgesamt mehr als 45 Millionen Euro in US-Dollar, britischen Pfund und nigerianischen Naira. Die Fahnder hatten einen Tipp bekommen. Diejenigen, die den Hinweis gaben, könnten nun bis zu fünf Prozent der Summe als Belohnung bekommen. In diesem Fall also mehr als zwei Millionen Euro.

Hinweise solcher Informanten führten allein in den vergangenen vier Monaten dazu, dass Korruptions-Fahnder in Nigeria mehr als 200 Millionen Euro Bargeld sicherstellen konnten. Das sagt die Regierung. Garba Abari ist Chef der Behörde, die unter anderem dieses neue Instrument der Belohnung für Informanten bekannt machen soll. Er feiert es als großen Fortschritt: "Die Nigerianer haben das freudig aufgenommen", sagt Abari, "Sie wenden es an und wir sehen die Erfolge."

Kolawale Banwo setzt sich bei einer Nichtregierungsorganisation seit langem für den Kampf gegen die grassierende Korruption in Nigeria ein. Belohnungen und Schutz für Informanten? Super, meint Banwo: "Wir setzen uns schon lange dafür ein, dass diese Strategie in einem Gesetz festgeschrieben wird. Nur dann kann man sie nicht ohne weiteres wieder aussetzen."

Blick über die Hafenstadt Lagos
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Blick über die Hafenstadt Lagos - hier fanden Ermittler mehr als zwei Millionen Euro

Unangenehme Fragen

Das klingt so, als würde es wirklich vorangehen im Anti-Korruptions-Kampf in Nigeria. Das wäre auch dringend nötig. Denn der amtierende Präsident Muhammadu Buhari sagt selbst, sein Land sei sehr korrupt. Deshalb startete er einen Feldzug gegen Bestechlichkeit und Betrug in Politik, Wirtschaft und Öffentlichem Dienst. Die Spitze der Anti-Korruptions-Agentur wurde neu besetzt, prominente Politiker festgenommen, Geld und Immobilien beschlagnahmt.

Dann allerdings kamen Vorwürfe auf: Die Anti-Korruptionsfahnder zielten nur auf Oppositionspolitiker, hieß es. Die Ermittlungsbehörde für Wirtschafts- und Finanzkriminalität (EFCC) arbeite nicht sauber. Daraufhin lud deren Chef zu einem Anti-Korruptions-Gipfel in die nigerianische Hauptstadt ein. Experten, Rechtsanwälte, Ermittler, Politiker - sie alle sollten Ideen zur Korruptionsbekämpfung zusammentragen. Und sie sollten ganz offen sagen, was die Ermittler gut und was sie nicht gut machen.

Wie viel wurde beschlagnahmt?

Das taten einige dann auch. Ein Rechtsanwalt und Anti-Korruptionsaktivist knöpfte sich die Ermittlungsbehörde selbst vor und fragte, was sie eigentlich mit all dem beschlagnahmten Geld macht. Der Experte stellte lauter unangenehme Fragen: Wie viel wurde beschlagnahmt? Wo liegt dieses Geld? Wofür soll es verwendet werden?

Buhari | Bildquelle: AP
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Nigerias Präsident Buhari zog erste personelle Konsequenzen nach Korruptionsvorwürfen.

Die Korruptionsermittler und mit ihr die Regierung haben darauf bisher keine konkreten Antworten geben können. Schlimmer noch: Vor einigen Tagen musste Präsident Buhari einen seiner ranghöchsten Mitarbeiter suspendieren. Dem Mann wird vorgeworfen, sich an Geldern bereichert zu haben, mit denen eigentlich die Hungerkrise im Nordosten Nigerias bekämpft werden soll.

Geheimdienstchef musste gehen

Und der Präsident stellte auch den Chef des Auslandsgeheimdienstes vorläufig außer Dienst. Der Grund: Der Geheimdienstchef hatte Anspruch auf eben jene mehr als 45 Millionen Euro Bargeld erhoben, die Korruptions-Fahnder in der Luxuswohnung in Lagos gefunden hatten. Die Vorwürfe gegen die beiden Spitzen-Bediensteten sollen jetzt möglichst rasch geklärt werden. Der Anti-Korruptions-Feldzug des Präsidenten hat allerdings schon jetzt ein Glaubwürdigkeitsproblem. 

Nigeria – Wer Korrupte anzeigt, kann reich belohnt werden
J. Borchers, ARD Rabat
25.04.2017 21:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. April 2017 um 11:38 Uhr.

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