Ein Soldat des Niger steht Wache  | Bildquelle: AFP

EU-Unterstützung für westafrikanischen Staat Warum Niger ein Schlüsselstaat ist

Stand: 10.10.2016 13:22 Uhr

Kampf gegen den Terrorismus und zunehmende Migration: Das westafrikanische Niger, eines der ärmsten Länder der Welt, ist für die EU strategisch wichtig geworden. Die Hilfszusagen haben dabei ihren Preis.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Rabat

Die Nordostgrenze zu Libyen ist etwa 80 Kilometer entfernt. Französische Soldaten patrouillieren an einer Sandpiste im Wüstengebiet von Niger. Frankreich hat hier in der Siedlung Madama einen Militärstützpunkt eingerichtet. "Wir sollen hier nach Terroristen suchen, die möglicherweise nach Niger hineinkommen“, sagt ein Soldat dem französischen Fernsehsender France2.

Die Grenze zwischen Niger und Libyen ist für Europa wichtig geworden. Aus dem Süden Libyens werden Waffen in Richtung Niger, Nigeria und Mali transportiert. Auf den gleichen Wüstenrouten fahren die Schleusertransporte für Migranten nach Libyen. Viele Westafrikaner wollen von dort aus ans Mittelmeer kommen. Ihr Ziel: Europa.

Niger im Visier der EU

Die Europäische Union versucht gegenzusteuern. Federica Mogherini, Außenbeauftragte der EU, beschreibt diese Aufgabe so: "Wir wissen sehr gut, dass etwa 80 Prozent der Migranten, die Richtung Libyen reisen, durch die Stadt Agadez im Norden von Niger kommen. Ich habe selbst mit den lokalen Verantwortlichen dort diskutiert, wie wir Alternativen zu diesem kriminellen Wirtschaften der Schleuser schaffen können. Und wie sich das Staatsgebiet besser kontrollieren lässt."

Die Sorge um Terrorismus, zunehmende Migration und die Folgen des Klimawandels haben Niger, eines der ärmsten Länder der Welt, ins Visier der Europäischen Union gerückt.

Soldaten des Niger | Bildquelle: REUTERS
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Soldaten des Niger bewachen die Grenze - hier zum Nachbarland Nigeria.

Die Bundeswehr betreibt auf dem militärischen Teil des Flughafens der Hauptstadt von Niger einen Lufttransportstützpunkt. Etwa 40 Soldaten und zwei Transall-Flugzeuge sorgen in Niamey dafür, dass die Transportkette ins Nachbarland Mali funktioniert. Denn dort sind zurzeit 570 Bundeswehrangehörige stationiert, um die Friedenstruppe der Vereinten Nationen in Mali zu unterstützen.

Basis für Aufklärungsdrohnen

Und die US-Regierung gab gerade bekannt, dass sie neben dem Flughafen der Stadt Agadez eine Basis für Aufklärungsdrohnen baut. Kostenpunkt: Etwa 100 Millionen US-Dollar. Damit soll der Anti-Terror-Kampf beispielsweise gegen Boko Haram im benachbarten Nigeria oder gegen Dschihadisten in Mali unterstützt werden.

Nigers Staatspräsident Mahamadou Issoufou zeigt sich bisher bei all diesen Projekten als williger Kooperationspartner. Issoufou betont allerdings bei jeder Gelegenheit auch den Bedarf an Entwicklungshilfe: "Die Entwicklung der Staaten - das ist die wahre Lösung, die strukturelle Lösung für das Migrationsproblem. Denn eine der Hauptursachen für Migration ist die Armut, das sind die Ungleichheiten. Dagegen muss man angehen."

Deutschland und die Europäische Union versprechen, Staaten wie Niger dabei mehr als bisher zu unterstützen. Immer vorausgesetzt, sie arbeiten in der Migrationspolitik und im Anti-Terror-Kampf intensiv mit.

Warum Niger für den Westen plötzlich wichtig ist
J. Borchers, ARD Rabat
10.10.2016 11:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 10. Oktober 2016 um 13:19 Uhr.

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