Die USS-Arlington wird für das NATO-Mannöver entladen | Bildquelle: AFP

NATO-Manöver "Trident Juncture" Muskelspiel oder notwendiger Schutz?

Stand: 21.10.2015 09:36 Uhr

Panzer, Fregatten, Jets - heute beginnt das größte NATO-Manöver seit zehn Jahren. Schauplatz ist das Mittelmeer. Kritiker sehen darin eine unnötige Provokation gegen Russland. Die NATO meint, sie sei notwendig, um die Bürger zu schützen.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Brüssel

Panzer pflügen durch hohes Gras, Fregatten durchs Meer, Jets im Formationsflug bilden ein Muster am Himmel. Ein extra für die Großübung geschaffenes NATO-Video liefert die unvermeidlichen "Wir-sind-eine-starke-Truppe"-Bilder - und eine Begründung für das Manöver gleich mit: "Die NATO muss bereit, stark und leistungsfähig sein, um auf jede Bedrohung reagieren zu können", heißt es in dem Video. Die NATO zeigt also, dass sie Muskeln hat. Aber wem?

Von Russland fühlt sich das Bündnis sowohl im Osten – in der Ukraine – als auch im Süden – in Syrien und damit im Mittelmeer - herausgefordert. Die EU-Abgeordnete der Linkspartei, Sabine Lösing, vermutet: "Also denke ich, dass es um klare Signale Richtung Russland geht."

"Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis"

Hans-Lothar Domröse | Bildquelle: picture alliance / dpa
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General Domröse leitet das Manöver.

Der Oberkommandierende der größten NATO-Übung seit mehr als zehn Jahren, General Hans-Lothar Domröse, widerspricht dem Vorwurf, die Allianz provoziere Moskau unnötig. Auch mit dem Argument, das Manöver spiele sich ja ausschließlich in Mittelmeer-Staaten ab: "Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis. Und wir werden bezahlt, um den Schutz unserer Bürger zu gewährleisten. Außerdem: In Spanien, Italien, Portugal sind wir nun wirklich weit weg von der russischen Grenze."

Im Übrigen sei Russland ja eingeladen gewesen, sich das Manöver anzuschauen, erklärt Domröse im ARD-Hörfunk-Interview. "Wir müssen uns nicht entschuldigen, wir müssen trainieren", meint er.

Gepanzerte Fahrzeuge verlassen Luftkissentransporter am Strand von Pinheiro da Cruz. | Bildquelle: AFP
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Gepanzerte Fahrzeuge verlassen Luftkissentransporter am Strand von Pinheiro da Cruz.

Sicherheit vs. Spannungen

Vielleicht hat sich der General mit Absicht ein Übungsszenario ausgedacht, das irgendwo in Afrika spielt - um jeglichen Spekulationen Russland oder auch Syrien betreffend vorzubeugen: "Wir spielen kein syrisches Szenario durch, ich habe auch keinen Auftrag, mich auf Syrien vorzubereiten - das liegt nicht in der Luft. Wir kopieren auch weder Amerikaner noch Russen", betont der deutsche General in Diensten der Allianz. Derzeit vergeht nun kaum eine Woche, in der nicht irgendwo ein NATO-Manöver beginnt. Russland halte etwa zehnmal so viele Übungen ab, rechtfertigt sich das Bündnis. Man mache die Welt damit sicherer.

Die Verteidigungsexpertin der Linkspartei, Lösing, warnt dagegen, das alles wirke spannungsverschärfend: "Manöver - gerade in so hoher Zahl - sind immer auch ein Säbelrasseln. Und darauf reagiert natürlich auch wieder Russland."

Superschnelle Eingreiftruppe fit machen

Was die NATO mit ihrer Sonder-Trainingseinheit in Spanien, Italien, Portugal auf jeden Fall erreichen will, ist: die gerade im Aufbau befindliche "super-schnelle Eingreiftruppe" fit zu machen. Jene Kriseneinheit, die rasend schnell dahin verlegt werden soll, wo sie im Bedrohungsfall gebraucht wird.  Domröse betont: "Die Truppe ist gut. Nur jetzt müssen wir noch ein bisschen Gewürz reinbringen - Salz und Pfeffer - damit sie ein bisschen schärfer wird."  

Bis Juli kommenden Jahres soll die "super-schnelle" Einheit voll einsatzfähig sein. Für - oder vielmehr gegen - "jegliche Art von Bedrohung", betont die NATO immer wieder. Dass die derzeit vor allem im Osten und im Süden lauert, daran lässt sie genauso wenig Zweifel.    

Größte NATO-Übung seit über zehn Jahren beginnt
K. Küstner, NDR Brüssel
21.10.2015 09:32 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 21. Oktober 2015 um 06:10 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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