US-Panzer in Bremerhaven | Bildquelle: dpa

NATO-Operation "Atlantic Resolve" US-Militärgerät auf dem Weg nach Osteuropa

Stand: 07.01.2017 05:44 Uhr

Die US-Armee hat mit der Verlegung einer Kampfbrigade nach Osteuropa begonnnen und nutzt Bremerhaven als logistische Drehscheibe. Soldaten, Fahrzeuge und schweres Gerät werden nach Polen gebracht, da die östlichen NATO-Staaten um mehr Schutz gebeten hatten.

Die US-Operation "Atlantic Resolve" zur Stärkung der Nato-Ostflanke ist logistisch nun auch in Deutschland angelaufen. Das erste US-Militärgerät wurde in Bremerhaven von einem Militärschiff entladen. 4000 Mann, 87 Panzer, Lkw, Anhänger und Gefechtsfahrzeuge werden in den kommenden zwölf Tagen zunächst nach Polen transportiert. Von dort werden sie im Februar auf ost- und mitteleuropäische Länder verteilt.

"Atlantic Resolve" ist Teil der von US-Präsident Barack Obama nach der russischen Annexion der Krim 2014 angeschobenen Initiative zur Rückversicherung der Verbündeten. Im Rahmen von "Atlantic Resolve" werden Truppenbewegungen ausgeführt und Streitkräftemanöver durchgeführt.

Alle neun Monate wird die Brigade in voller Stärke ausgetauscht. "Eine Brigade geht, eine kommt", fasst US-Generalmajor Duane A. Gamble zusammen. Die Truppen rotieren also und werden nicht fest stationiert. So soll auch das schnelle Verlegen großer Truppenteile geübt werden.

Kritik von Friedensaktivisten

Die jetzt eingetroffene Brigade kommt aus Fort Carson im US-Bundesstaat Colorado. Die Einheiten der Brigade werden nach der Entladung in Bremerhaven mit logistischer Hilfe der Bundeswehr per Bahn- und Straßentransport zu Sammelzonen bei Zagan und Drawsko Pomorskie in Westpolen transportiert. Von dort werden sie später für Manöver teils in die baltischen Staaten sowie nach Bulgarien und Rumänien fahren.

"Es ist ein Zeichen des fortgesetzten US-Engagements für den Kontinent Europa, um Frieden und Wohlstand zu sichern", sagt US-Generalmajor Timothy P. McGuire.

Der Oberbefehlshaber der US-Landstreitkräfte in Europa, Generalmajor Timothy P. McGuire | Bildquelle: dpa
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Der Oberbefehlshaber der US-Landstreitkräfte in Europa, Generalmajor Timothy P. McGuire, (links) erläutert die Verlegung der Brigade nach Polen.

Die Aktion stößt auf Kritik bei Friedensaktivisten und Linken. So plant in Bremerhaven am Samstag ein Bündnis aus über zwei Dutzend Gruppen eine Demonstration. Das Motto: "Nein zum Säbelrasseln - Truppenverlegung stoppen".

Rückversicherungsinitiative für Europa

Die Operation "Atlantic Resolve" ist wiederum Teil der "European Reassurance Initiative" (Initiative zur Rückversicherung Europas), für welche die US-Regierung 2017 rund 3,4 Milliarden US-Dollar (3,2 Milliarden Euro) ausgeben will - mehr als vier Mal so viel wie im Vorjahr.

Die USA unterstützen im Rahmen der Rückversicherungsinitiative auch den Ausbau von Flughäfen und Übungsgeländen in Europa, damit im Konfliktfall die nötige militärische Infrastruktur bereitsteht.

Außerdem zieht die US-Armee Ausrüstung und Nachschub für zusätzliche schwere Kampfverbände zusammen, die in drei zentralen Depots in Deutschland, den Niederlanden und Belgien ständig einsatzfähig bereitstehen soll. Im Konfliktfall müsste die US-Armee nur noch die Soldaten einfliegen und könnte schnell weitere Einheiten ins Gefecht führen. Im niederländischen Eygelshoven nahm im Dezember ein erstes dieser Lager mit Panzern und Material für eine Brigade den Betrieb auf, im nordrhein-westfälischen Dülmen soll ein weiteres folgen.

Glaubwürdigkeit der NATO stärken

Dass die NATO in den östlichen Mitgliedsstaaten Militär stationiert, ist nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Klaus Segbers nachvollziehbar. "In Europa gibt es seit zwei Jahren eine völlig veränderte Sicherheitslage", sagte der Leiter der Abteilung Politik am Osteuropa-Institut an der Freien Universität Berlin.

Bei den aktuellen Truppenverlegungen gehe es nicht um eine Ausdehnung der NATO nach Osten. "Es geht vielmehr nach den ukrainischen Erfahrungen darum, die Funktionsfähigkeit und die Glaubwürdigkeit der NATO-Beistandsklausel etwa im Falle Estlands zu stützen und zu stabilisieren, und das auch in der Wahrnehmung Moskaus", sagte Segbers mit Bezug auf die Annexion der Krim und den Krieg in der Ostukraine.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Januar 2017 um 15:00 Uhr.

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