Ein norwegisches Kampfflugzeug eskortiert einen russischen Tupolew-Bomber.  | Bildquelle: dpa

Luftmanöver über Nord- und Ostsee Russische Jets lösen NATO-Alarm aus

Stand: 30.10.2014 03:10 Uhr

Russische Militärflugzeuge haben außergewöhnlich umfangreiche Manöver über Europa geflogen. Beteiligt waren Bomber und Kampfjets. Die NATO kritisierte, dass es keinen Funkkontakt gegeben habe. Die Flugpläne seien nicht bekannt gewesen.

Von Kai Küstner, NDR, ARD-Hörfunkstudio Brüssel

Von einer "großangelegten russischen Luftaktivität" in Europa spricht die NATO - und führt zum Beleg gleich vier verschiedene Beispiele an: sowohl Langstrecken-Bomber als auch Kampfjets seien in die Manöver verwickelt gewesen. Abgespielt hätten sie sich innerhalb von nur zwei Tagen.

Russische Jets fliegen bis Portugal

Ausführlich schildert die NATO etwa die Ereignisse über der Nordsee: Acht russische Flugzeuge im Formationsflug seien auf dem Radar erschienen. Sie hätten sich über der Norwegischen See in internationalem Luftraum befunden. Ein Sprecher betonte, dass der NATO-Luftraum nicht verletzt worden sei.

Als norwegische Jets diese abfingen, hätten sich sechs davon auf den Weg zurück nach Russland gemacht. Die übrigen zwei jedoch seien weiter Richtung Südwesten geflogen. Was dann auch britische Kampfflugzeuge auf den Plan rief. Letztlich umgedreht seien sie dann erst westlich von Portugal über dem Atlantik, als die portugiesische Luftwaffe ihrerseits F-16-Jets aufsteigen ließ. Insgesamt lesen sich die NATO-Schilderungen wie ein Film-Drehbuch aus dem Kalten Krieg.

Bei einem anderen Vorfall wurden laut NATO russische Kampfflugzeuge im internationalen Luftraum über dem Baltikum entdeckt. Dort seien sie von deutschen Jets abgefangen worden. Die Bundeswehr ist in dem Gebiet gerade mit der Luftraum-Überwachung betraut. Angesichts der Ukraine-Krise hatte die NATO unter anderem die Zahl ihrer Aufklärungs-Flüge in Osteuropa deutlich erhöht. Auch über dem Schwarzen Meer stiegen türkische Kampfflugzeuge auf, um je zwei russische Kampfflugzeuge und zwei Bomber abzufangen.

Test von Russland?

Die Entsendung von Kampfjets ist ein Standardverfahren, wenn sich nicht identifizierte Flugzeuge dem NATO-Luftraum nähern. Experten gehen davon aus, dass die russischen Streitkräfte herauszufinden versuchen, wie schnell und wie genau das westliche Bündnis auf Luftraum-Verletzungen reagiert.

Die NATO wirft Russland vor, mit seinen Aktivitäten die zivile Luftfahrt zu gefährden: für die Manöver seien teilweise keine Flugpläne übermittelt worden, Funkkontakt mit den Jets sei unmöglich gewesen. Unangekündigte Flüge seien eine Gefahr für Linienflüge. Mehr als 100 Mal habe man in diesem Jahr bereits russische Flieger abgefangen, erklärt das westliche Militärbündnis. Das seien schon jetzt drei Mal so viele wie im gesamten Jahr 2013.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Oktober 2014 um 15:15 Uhr.

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