Zaun mit Polizeiabsperrband in Parkland | Bildquelle: REUTERS

US-Schüler gedenken Eine Minute für jedes Parkland-Opfer

Stand: 14.03.2018 14:04 Uhr

Genau einen Monat nach dem Schulmassaker in Florida mit 17 Toten wollen in den USA landesweit Schüler der Opfer gedenken - doch diesmal soll es nicht nur bei Trauer bleiben.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Schüler und Studierende überall in den USA beteiligen sich heute an einer landesweiten Gedenk- und Protestaktion "National School Walkout". An Tausenden Schulen werden sie ihre Schulklassen verlassen, um der Opfer des Highschool-Massakers von Parkland in Florida zu gedenken.

Eine Schule, die mitmacht, ist die Wodrow-Wilson-Highschool in Washington. Claire Shaw und ihre Mitschülerinnen aus der Menschenrechts-AG hoffen, dass um kurz vor 10.00 Uhr möglichst viele Schüler und Lehrer die Klassenzimmer verlassen: Weil 17 Menschen an der Highschool in Parkland getötet wurden, kämen sie um 9.55 Uhr für 17 Minuten in der Aula zusammen. Jeweils eine Minute lang wird an jedes der Opfer von Parkland erinnert, die am 14. Februar getötet wurden.

Schülerinnen der Washingtoner Woodrow-Wilson-Highschool (Foto: Martin Ganslmeier/ARD)
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Schülerinnen der Washingtoner Woodrow-Wilson-Highschool (Foto: Martin Ganslmeier/ARD)

"Dann schmeißen wir die Politiker raus!"

Doch anders als nach früheren Schulmassakern soll es diesmal nicht bei Trauer bleiben. Die Schüler und Studierenden wollen anschließend die Politiker zu strengeren Waffengesetzen auffordern. Die meisten ihrer Mitschüler wollten endlich Taten sehen, sagt die Schülerin Ella Gantman: "So viele Kinder sterben." Allein bei dem Massaker von Sandy Hook seien 2012 20 Grundschüler gestorben - und nichts habe sich seitdem geändert. "Wenn die Politiker im Kongress sich nicht ändern, schmeißen wir sie raus!" Schließlich könne sie schon bei der nächsten Wahl selbst mitbestimmen, meint Ella.

Und ihre Freundin Surina Goel spürt, dass sich nach Parkland etwas verändert hat: Mutige Schüler in Florida wie Emma Gonzalez und David Hogg seien zu Wortführern einer Generation geworden, die Schulmassaker nicht länger hinnehmen will: "Es waren die Schüler, die nach dem Parkland-Massaker zu einem Katalysator für Veränderung wurden. Sie haben sich gegen die Politiker gewehrt und verlangt, dass endlich etwas getan wird", sagt sie. Daraus sei eine ganze Jugendbewegung entstanden.

Doch auch unter den Schülern gibt es unterschiedliche Meinungen, was getan werden muss. Deshalb wird der Gedenk- und Protesttag auch je nach Bundesstaat unterschiedlich ausfallen. In der Trump-Hochburg West Virginia verzichten viele Schulen auf Proteste und Diskussionen. Stattdessen lassen die Schüler 17 Luftballons aufsteigen. In Texas haben sogar mehrere Schulen die Teilnahme an der Aktion verboten. Wer es dennoch tut, kann für drei Schultage vom Unterricht ausgeschlossen werden.

Emma Gonzalez | Bildquelle: dpa
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Emma Gonzales gehört zu den Überlebenden des Parkland-Massakers. Sie wurde zum Gesicht des Protestes gegen die Waffenlobby.

Bier kaufen geht nicht - Sturmgewehr kaufen aber schon

An der Woodrow-Wilson-Highschool in Washington sei dagegen eine große Mehrheit für strengere Waffengesetze, sagt Ella: "Dass ein 18-Jähriger zwar keine Flasche Bier kaufen kann, aber ein Sturmgewehr, ist lächerlich!" Man habe auch in anderen Ländern gesehen: Wenn solche Waffen verboten werden, komme es zu einem enormen Rückgang von Schießereien.

Und auch wenn die Schüler und Studierenden heute aus Sicherheitsgründen unter sich und die Medien außen vor bleiben, die nächste große öffentliche Aktion ist schon fest geplant: Am 24. März wollen Hunderttausende junge US-Amerikaner in Washington protestieren. Unter dem Motto "March for Our Lives" - "Protestmarsch für unser Leben" - sollen die Politiker wachgerüttelt werden.

Ella ist auf jeden Fall dabei. Mit den sozialen Medien könne man viel Wandel bewirken. "Was mir Hoffnung macht, ist diese Welle von Solidarität im ganzen Land."

Gedenk- und Protesttag der US-Schüler
Martin Ganslmeier, ARD Washington
14.03.2018 17:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. März 2018 um 11:38 Uhr.

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