Grenzpolizei sichert das Gebiet um die Altstadt von Jerusalem, wo ein Palästinenser zwei Israelis mit einem Messer angegriffen hat. | Bildquelle: REUTERS

Gewalt im Nahen Osten Der Hass und die Angst wachsen

Stand: 10.10.2015 22:05 Uhr

Die Lage in Israel und den Palästinensergebieten ist weiterhin extrem angespannt: Erneut gab es Tote und Verletzte bei Messerattacken in Jerusalem und Unruhen im Grenzgebiet zu Gaza. Fünf Palästinenser wurden dabei erschossen.

Der Freitag war der Tag der bislang blutigsten Auseinandersetzungen im Gazastreifen seit gut einem Jahr: sieben Palästinenser wurden dabei getötet, etwa 100 verletzt. Und auch der Samstag verläuft alles andere als friedlich.

Zunächst gab es in Jerusalem erneut zwei Messerattacken durch Palästinenser. Sie ereigneten sich beim Damaskus-Tor am Eingang zur Altstadt. Dabei wurden zwei orthodoxe Juden und drei israelische Polizisten verletzt. Die beiden Angreifer, einer von ihnen 16 Jahre alt, wurden von Sicherheitskräften erschossen.

Zudem sei ein Palästinenser von der paramilitärischen Polizei getötet worden, nachdem er in einem Flüchtlingslager von Schuafat das Feuer auf Sicherheitskräfte eröffnet habe.

Wegen ähnlicher Attacken in den vergangenen Tagen verschärfte die Polizei ihre Präsenz am Damaskus-Tor massiv. In den vergangenen anderthalb Wochen waren bei Schuss- und Messerattacken in Israel und den besetzten Gebieten vier Israelis getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Die palästinensischen Angreifer wurden in fast allen Fällen getötet oder festgenommen.

Zwei Teenager am Gaza-Zaun erschossen

Am Nachmittag kam es dann zu Unruhen am Grenzzaun zwischen Israel und dem Gazastreifen. Palästinensischen Angaben zufolge wurden dabei ein 13- und ein 15-jähriger Palästinenser getötet. Israelische Soldaten feuerten demnach in eine Menge, die Steine warf, Reifen angezündet hatte und die Grenzanlage zu stürmen versuchte. Der Vorfall ereignete sich nahe Chan Junis im Süden des Gazastreifens. Acht weitere Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt.

In der Nacht war nach Militärangaben bereits eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete im Süden Israels niedergegangen. Das Geschoss schlug auf unbewohntem Gebiet ein, verletzt wurde niemand. Zwei weitere Raketen, die abgefeuert wurden, detonierten nach dem Start noch im Gazastreifen selbst.

Ein vermummter Palästinenser wirft Steine bei einer Straßenschlacht in Hebron im Westjordanland | Bildquelle: AFP
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Unruhen auch in Hebron im Westjordanland: Nach der Beerdigung zweier getöteter Palästinenser kam es zu Straßenschlachten mit der israelischen Armee.

Auch in Hebron und in Jatta im Westjordanland kam es zu Unruhen. Dort versammelten sich tausende Menschen zu den Beerdigungen von zwei Palästinensern, die von israelischen Sicherheitskräften erschossen worden waren.

Allein in den vergangenen elf Tagen sind 19 Palästinenser und vier Israelis ums Leben gekommen. Die jüngste Welle der Gewalt schürt Ängste vor einer dritten Intifada. Sie begann vor rund drei Wochen, als der lang währende Disput um den Tempelberg neu aufflammte. Dieser ist sowohl für Juden als auch Muslime heilig. Die Al-Aksa-Moschee und der Felsendom, die sich dort befinden, sind wichtige Heiligtümer der Muslime. Für die Juden hat die Klagemauer am Tempelberg Bedeutung - ein Überrest des zweiten jüdischen Tempels und heute wichtigster Gebetsort.

Immer wieder werfen Palästinenser Israel vor, dass es den Zugang auf das Plateau für Juden ausweiten, aber für Muslime einschränken wolle. Israel weist diese Vorwürfe zurück. Premier Benjamin Netanyahu untersagte vor kurzem erst allen Ministern und Abgeordneten bis auf Weiteres den Besuch des Tempelbergs, um Provokationen zu vermeiden.

Erneut Messerattacken in Jerusalem
C. Wagner, ARD Tel Aviv
10.10.2015 20:57 Uhr

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