Aung San Suu Kyi mit dem Parteivorsitzenden Tin Oo. Die NDL hat wohl die Wahl in Myanmar gewonnen. | Bildquelle: AP

Wahl in Myanmar Aung San Suu Kyi rechnet mit 70 Prozent

Stand: 09.11.2015 16:31 Uhr

Die Regierungspartei gestand bereits ihre Niederlage ein: Freiheitskämpferin Aung San Suu Kyi hat wohl die ersten freien Wahlen in Myanmar seit 25 Jahren gewonnen. Nach eigenen Hochrechnungen kommt sie auf 70 Prozent - das reicht laut Verfassung gerade für die einfache Mehrheit.

Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi liegt nach den historischen Parlamentswahlen in Myanmar mit ihrer Oppositionspartei NLD vorne. Die militärnahe Regierungspartei USDP räumte starke Verluste und damit ihre Niederlage ein.

Erste Angaben der Wahlkommission bestätigten den Trend. Demnach gingen in der Hafenstadt Rangun fast alle Sitze für das nationale und regionale Parlament an Suu Kyis NLD. Ein offizielles Endergebnis liegt noch nicht vor.

Vermutliche Wahlsiegerin Aung San Suu Kyi in der Menschenmenge: Zehntausend Beobachter hatten den Ablauf der Wahl geprüft | Bildquelle: dpa
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Die vermutliche Wahlsiegerin Aung San Suu Kyi in der Menschenmenge: Zehntausend Beobachter hatten den Ablauf der Wahl geprüft

67 Prozent reichen für einfache Mehrheit

Nach eigenen Hochrechnungen kam die NLD auf mehr als 70 Prozent. Dieses Resultat beruhe auf Ergebnissen einzelner Wahllokale im ganzen Land. Sollten die Berechnungen stimmen, könnte die Partei von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi eine Regierung bilden. Um eine einfache Mehrheit zu haben, braucht eine Partei in Myanmar 67 Prozent, denn ein Viertel der 664 Sitze in zwei Kammern ist laut Verfassung für das Militär reserviert.

Suu Kyi könnte jedoch auch bei einem Sieg nicht Präsidentin werden, da laut der noch von der Militärjunta verabschiedeten Verfassung niemand die Position innehaben darf, der einen ausländischen Partner oder Kinder hat. Suu Kyis Ehemann war Brite. Vor der Wahl hatte sie jedoch mehrfach betont, Staatsoberhaupt werden zu wollen.

Deutlicher Sieg für Aung San Suu Kyi zeichnet sich ab
tagesschau 12:00 Uhr, 09.11.2015, Melanie Buth, NDR

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Militär will Sieg der Opposition anerkennen

Präsident Thein Sein und der Oberbefehlshaber Min Aung Hlaing hatten vor der Wahl versichert, sie würden das Ergebnis diesmal anerkennen, wie auch immer es ausgehe. Nur der Wille des Volkes zähle. "Landesweit gab es mehr Niederlagen als Siege", räumte USDP-Vorsitzende Htay Oo inzwischen ein. "Wir haben sämtliche Sitze in der Region des Irrawaddy-Deltas verloren", sagte Oo. Das Delta galt als eine Machtbasis der Regierungspartei. Auch der Parteichef verlor seinen Sitz, ebenso wie Parlamentspräsident Shwe Mann.

Das Militär hat Myanmar fast 50 Jahre lang diktatorisch regiert. Bei den letzten freien Wahlen 1990 gewann Suu Kyis Partei 80 Prozent der Sitze, das Militär erkannte das Wahlergebnis jedoch nie an. Die Freiheitskämpferin wurde daraufhin zu 15 Jahren Hausarrest verurteilt. Die Junta hielt 2010 umstrittene Wahlen ab, bei der die militärnahe neu gegründete USDP die absolute Mehrheit gewann. Die NLP nahm an den als unfair bezeichneten Wahlen nicht teil.

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Aung San Suu Kyi: Vom Widerstand zum Wahlsieg

Vom Widerstand zum Wahlsieg

Aung San Suu Kyi

Aung San Suu Kyi am Tag nach der Wahl. Die Nationale Liga für Demokratie geht von einem Wahlsieg auf. Am 13. November ist es sicher: Die NLP hat die absolute Mehrheit im Parlament von Myanmar errungen. | Bildquelle: AP

Beschwerden trotz Wahlbeobachtern

Obwohl Wahlbeobachter im Land waren und die Abstimmung als fair bezeichneten, protestieren mehrere Parteien wegen möglicher Manipulationen mit Wahlzetteln von Wählern, die schon vor dem Wahltag abstimmten. Nach offiziellen Angaben lag die Wahlbeteiligung bei 80 Prozent. Rund 30 Millionen Menschen waren als Wähler registriert.

Myanmars Opposition spricht von großer Mehrheit
Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Singapur
09.11.2015 11:15 Uhr

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