Rohingyas aus Myanmar | Bildquelle: AP

Die Rohingya in Myanmar Ausgegrenzt, verfolgt, rechtlos

Stand: 24.05.2015 10:34 Uhr

Zu Zehntausenden machen sie sich auf den Weg - nur weg aus Myanmar. Doch auch in den Nachbarländern sind die muslimischen Rohingya nicht willkommen, Flüchtlingsboote werden abgewiesen. Die Lage der Minderheit ist katastrophal.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Singapur

Sie leben seit Jahren in Notunterkünften, in Zelten, immer in der Angst, wieder von radikalen Buddhisten überfallen zu werden - wie zuletzt 2012, als es mehr als 200 Tote gab. Die Rohingyas besitzen keine Staatsbürgerschaft, die Burmesen lehnen sie als Bengalis ab und wollen sie zurück nach Bangladesh schicken, obwohl sie schon seit Generationen im Land leben. Immer mehr wird ihnen die Lebensgrundlage entzogen - die Lage der rund eine Million Rohingyas in Myanmar ist katastrophal.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR stuft die muslimischen Rohingyas als die am meisten verfolgte Minderheit der Welt ein. Phil Robertson von Human Rights Watch in Bangkok: "Die Rohingyas sind staatenlos, sie werden von der Regierung furchtbar schlecht behandelt, es gibt einen verzweifelten Wunsch nach Verbesserung der Lage. Das ist ein Problem der ganzen Region und es braucht eine regionale Lösung."

Rohingyas in Myanmar | Bildquelle: AP
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Die Lage der Rohingya in Myanmar ist katastrophal.

Die buddhistische Mehrheit in Myanmar lehnt die Rohingyas strikt ab. Sie gesteht ihr auch nicht den Status einer ethnischen Minderheit zu. Deutlich wurde das bei der Volkszählung vor gut einem Jahr. Sämtliche Ethnien des Vielvölkerstaates Myanmar wurden abgefragt und konnten angekreuzt werden, Rohingyas gab es auf dem Formular nicht. Aung Pe ist Rohingya, er lebte damals in der Provinzhauptstadt Sittwe und sagte: "Wir sind mit der Volkszählung, so wie sie stattfindet, nicht einverstanden. Wir wollen ja eigentlich mitmachen, aber wenn wir sagen, dass wir Rohingyas sind, dann schreiben sie das nicht auf. Das verletzt uns."

Prügelnde Mönche

Die meisten Rohingyas leben in der Rakhine Provinz im Westen des Landes. Im Sommer 2012 fiel dort ein buddhistischer Mob über die muslimische Minderheit her. Prügelnde Mönche an der Spitze der Gewalttäter - die radikale Gruppe 969, angeführt von dem Agitator Wiratu in Mandalay, gab den rassistischen Ton vor. Am Ende wurden mehr als 200 Tote gezählt. "Die Buddhisten haben uns mit Messern angegriffen", erzählt Zomillah, die in einer Notunterkunft am Rande von Sittwe lebt. "Sie steckten unsere Häuser in Brand, wir hatten nichts mehr. Ich habe nur die Sachen, die ich jetzt trage. Nicht einmal mehr Schuhe sind mir geblieben."

Und Maung Maung, ebenfalls Angehöriger der muslimischen Minderheit, sagte: "Ich will nicht mehr in der Rakhine Provinz bleiben. Ich habe acht Familienmitglieder und drei sind bereits tot. Wie sollen wir hier leben? Wir haben nicht genug zu essen. Ich besitze zumindest noch Kleidung, andere haben auch das nicht mehr."

Erst spät schritten damals Polizei und Militär gegen die marodierenden buddhistische Mehrheit ein, grundsätzlich aber blieb und bleibt Präsident Thein Sein bei seiner harten Haltung: Die Rohingyas gehören nicht nach Myanmar.

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Die Rohingya leben überwiegend in der Rakhine Provinz.

Kein Geld, keine medizinische Hilfe

Die Regierung schränke die Bewegungsfreiheit der Rohingyas ein, berichtet Andrej Mahecic von Human Rights Watch. "Damit wird verhindert, dass die Rohingyas als Taxifahrer oder Marktbeschicker arbeiten können. Fischer dürfen nicht in die Lagune hinausfahren. Viele haben kaum Geld, medizinische Hilfe ist unerschwinglich und auch unerreichbar, schwangere Frauen können häufig in kein Krankenhaus gehen."

In Rangun, der Metropole Myanmars, zogen im vergangenen Jahr Tausende Demonstranten durch die Straßen, viele in der orangenen Kleidung der Mönche - sie protestierten nicht für mehr demokratische Rechte, sondern gegen die Rohingyas.

Von Wahlen ausgeschlossen

Niemand im Land nimmt Partei für die Rohingyas. Für die Regierung von Präsident Thein Sein gibt es kein Minderheitenproblem, nach seiner Auffassung gibt es keine Rohingyas. Und auch Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hält sich auffällig zurück. Auch sie ist Vertreterin der Zentralgewalt, der größten Ethnie der Bama, auch sie will ihre Chancen für die Parlamentswahl im kommenden November nicht schmälern. Und mit dem Eintreten für die muslimischen Rohingyas gewinnt man in Myanmar keine Wahlen.

"Der letzte Schlag gegen die Rohingyas war der Entzug der White Card durch die Regierung", sagt Robertson von Human Rights Watch. Ohne White Card können die Rohingyas auch nicht mehr an Wahlen teilnehmen.

Die Lage der Rohingyas in Myanmar
U. Schmidt, ARD Singapur
24.05.2015 04:52 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 23. Mai 2015 um 13:32 Uhr im Deutschlandfunk.

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