Vereidigung der neuen Staatsspitze in Myanmar | Bildquelle: dpa

Htin Kyaw vereidigt Myanmar hat wieder einen zivilen Präsidenten

Stand: 30.03.2016 09:19 Uhr

Es ist ein historischer Machtwechsel: Erstmals seit mehr als 50 Jahren hat Myanmar keine militärgestützte Regierung mehr. Der bisherige Präsident Thein Sein übergab die Macht an seinen Nachfolger Htin Kyaw. Doch der Einfluss des Militärs im Land bleibt groß

Von Udo Schmidt, ARD-Studio Singapur

Htin Kyaw ist ein enger Vertrauter der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Die 70-Jährige selber darf nicht Präsidentin werden, die noch von den Militärs geschriebene Verfassung schließt sie vom höchsten Staatsamt des Landes aus.

Htin Kyaw gilt bei allen in Myanmar als respektabler Präsident. Klar ist jedoch, dass er ein Stellvertreter Suu Kyis ist, die im Hintergrund die Fäden ziehen wird. Sie wird neben dem Amt der Außenministerin auch das Bildungs- sowie das Energieministerium führen.

Präsident Htin Kyaw in Myanmar vereidigt
tagesschau 17:00 Uhr, 30.03.2016, Philipp Abresch, ARD Singapur

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Freundschaft, die Jahrzehnte zurückreicht

Bo Bo U ist einer der neuen Parlamentarier der Nationalen Liga für Demokratie, 20 Jahre saß er während der Militärdiktatur im Gefängnis. Bo Bo U hält viel von Htin Kyaw, schließlich komme der "aus einer guten Familie, aus einem guten Umfeld". Der 69-jährige Htin Kyaw hat lange die Wohltätigkeitstiftung Suu Kyis geleitet, die beiden kennen sich schon aus Schulzeiten.

Htin Kyaw gilt als belesen, aber öffentlichkeitsscheu. Ein Charakterzug, den er als Präsident wird ablegen müssen. Denn der nette Präsident wird sich auf lange Sicht emanzipieren müssen, meint Myat Thu, der die "Yangon School of Political Science" leitet: "Die ersten ein, zwei Jahre kann er Suu Kyi folgen, doch dann muss er zeigen, dass er auch über eigene Führungseigenschaften verfügt, dass er in der Lage ist und die Kenntnisse besitzt, aus eigenen Stücken das Land zu regieren."

Das Militär bleibt präsent

Morgen übernimmt die neue Regierung der Nationalen Liga offiziell die Amtsgeschäfte. Sie ist in ihren Gestaltungsmöglichkeiten jedoch eingeschränkt. Das Militär hält weiterhin 25 Prozent der Mandate im Parlament und besetzt drei Schlüsselministerien.

Eine der wichtigsten Aufgaben des neuen Präsidenten wird die Fortführung des Friedensprozesses mit den ethnischen Minderheiten Myanmars sein. Htin Kyaw ist dabei auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Militär angewiesen.

Die Erwartungen an die neue Regierung, vor allem an Suu Kyi sind groß. Myanmar braucht mehr Investitionen aus dem Ausland, das Bildungssystem muss drastisch verbessert werden, die Menschen erwarten mehr und besser bezahlte Arbeit - und die ethnischen und religiösen Konflikte im Land sind bisher völlig ungelöst.

Myanmars - Erster ziviler Präsident im Amt vereidigt
U. Schmidt, ARD Singapur
30.03.2016 09:41 Uhr

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