Kämpfer des Milizenbündnisses PMF im Westen von Mossul | Bildquelle: REUTERS

IS-Hochburg 100.000 Soldaten im Kampf um Mossul

Stand: 29.12.2016 12:27 Uhr

Es ist die größte Militäraktion seit der US-Invasion im Jahr 2003: Etwa 100.000 irakische Soldaten und ihre Verbündeten haben die Offensive auf die IS-Hochburg Mossul fortgesetzt. Je weiter die Einheiten vorrücken, desto schwieriger gestaltet sich der Kampf.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Die Kriegsmaschine rollt wieder: Etwa 100.000 irakische Soldaten, Spezialkräfte, kurdische Kämpfer und die Milizionäre der schiitischen Volksmobilisierungseinheiten setzen ihre Bodenoffensive auf die IS-Hochburg fort. Es ist größte Militäroperation im Irak seit dem Einmarsch der USA und ihrer Verbündeten im Jahr 2003.

"Gegen 6 Uhr heute Morgen hat die zweite und entscheidende Phase der Befreiung von Mossul begonnen", sagte Sabah al-Noamani, Sprecher der irakischen Anti-Terror-Einheiten. "Zurzeit rücken unsere Einheiten in Richtung der Viertel Al-Quds und Al-Karama im Osten der Stadt vor. Wir haben in den vergangenen Stunden die Hauptabwehrlinie des IS in diesen Vierteln zerstört."

US-Militärberater verstärkt an der Front

Während einer planmäßigen zweiwöchigen Pause hatten die Iraker ihre Kräfte neu geordnet. Bei der neuen Offensive gehen auch amerikanische Militärberater verstärkt mit an die Front, um die irakischen Einheiten zu unterstützen. Die mehr als 5000 US-Soldaten, die im Nordirak im Einsatz sind, hatten die Iraker bisher aus größerer Entfernung unterstützt; sie klärten auf - meist aus der Luft - und leiteten die gewonnenen Informationen dann weiter.

"Es verbessert unser Verständnis der Lage. Der Mann am Boden weiß am besten, was passiert", erklärt US-Oberstleutnant Stuart James die neue Rolle seiner Soldaten. "Sie können sich das auch mit einer Drohne ansehen, aber ich weiß dann nicht, wie das Terrain verläuft, ich höre die Schlacht nicht, ich spüre sie nicht. Wenn ich jemanden weit vorne habe, am Boden - der kann das dann."

Seit dem Start der Offensive am 17. Oktober haben die Angreifer etwa ein Viertel von Mossul befreit. Doch weitere Erfolgsmeldungen blieben zum Schluss aus. Der Widerstand des IS war heftig, das Wetter wurde schlecht - und je tiefer es in die Stadt hinein ging, desto mehr Rücksicht mussten die Truppen auf die Zivilbevölkerung nehmen.

Erbitterte Häuserkämpfe im Stadtgebiet

Aus Sicht der Amerikaner verläuft die Offensive bisher dennoch nach Plan. "Wir haben immer gesagt, dass die Kämpfe schwieriger werden, je näher wir an Mossul herankommen, und genau so war es auch", sagte Oberst Brett G. Sylvia. "Zuerst gab es schnelle Fortschritte, als wir Dörfer am Rand gesäubert haben und näher an die Stadt rückten. Aber als die städtische Bebauung dichter wurde, verlangsamten sich die Geländegewinne."

Bisher schenkte der IS den Angreifern im Stadtgebiet von Mossul nichts, es gab erbitterte Gefechte von Haus zu Haus, mit erheblichen Verlusten für die irakischen Soldaten - und Gefahren für die Zivilisten. Mehr als 100.000 Menschen flohen bisher vor den Kämpfen. Und womöglich harren noch anderthalb Millionen in Mossul aus. Mit jedem Tag werden ihre Lebensumstände unerträglicher.

Eigentlich hatte der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi das Ziel gesetzt, Mossul bis Ende des Jahres zu befreien. Vorgestern korrigierte er sich und gab einen neuen Zeitrahmen für die Vertreibung des IS aus dem Irak und aus Syrien vor: "Die Amerikaner waren sehr pessimistisch und sprachen da über lange Zeiträume", sagte al-Abadi. "Aber die Siege, die unsere heldenhaften und mutigen Kämpfer gegen den IS errungen haben, haben diesen Zeitraum auf zwei Jahre reduziert. Im Irak wird es vielleicht noch drei Monate dauern und in Syrien zwei Jahre. Das ist meine Einschätzung."

Zweite Phase des Sturms auf Mossul hat begonnen
C. Kühntopp, ARD Kairo
29.12.2016 11:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. Dezember 2016 um 11:40 Uhr

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