Rauch über Mossul | Bildquelle: AFP

Kampf gegen den IS im Irak Viele Zivilisten in Mossul getötet

Stand: 25.03.2017 16:47 Uhr

Bei Luftangriffen im Kampf gegen den IS in Mossul sind in den vergangenen Tagen Dutzende Zivilisten getötet worden. Viele wurden unter Trümmern begraben. Die irakischen Sicherheitskräfte unterbrachen eine Rückeroberung der Stadt und wollen ihre Pläne überarbeiten.

Bei Luftangriffen auf den Westen der irakischen Stadt Mossul, die von der Terrormiliz IS gehalten wird, sind in den vergangenen Tagen nach Angaben von Behördenvertretern zahlreiche Zivilisten getötet worden.

Über die genaue Zahl der Opfer gibt es jedoch Unklarheit. Dutzende Tote lägen unter Trümmern begraben, sagte der Vorsitzende des Provinzrates von Ninive, Baschkar al-Kiki. Der Gouverneur der Provinz, Nawfal Hammadi, nannte eine Zahl von mehr als 130 Toten. Ein Mitarbeiter des irakischen Zivilschutzes sagte der Nachrichtenagentur dpa, seit Beginn der Offensive im Westteil der Stadt im Februar seien mehr als 3000 Zivilisten ums Leben gekommen.

"Es ist an der Zeit, neue Offensivpläne und Taktiken zu erwägen", sagte der Sprecher der Sicherheitskräfte vor Ort. Es müsse sichergestellt werden, dass die Vertreibung des IS nicht zu unerwünscht hohen Opferzahlen unter der Bevölkerung führe. Nötig seien "chirurgisch präzise" Operationen gegen die IS-Kämpfer.

Mossul ist von irakischen Regierungstruppen und unterstützenden Kampfeinheiten umzingelt. Die von den USA angeführte Koalition will den IS aus der Großstadt verdrängen, die dort seit 2014 ihre Hochburg hat.

Die US-geführte Koalition räumte ein, dass sie am 17. März bei einem Angriff auf den IS ein Gebiet in West-Mossul traf, wo es zahlreiche zivile Opfer gab. Das US-Zentralkommando teilte mit, dass der Angriff auf Anfrage der irakischen Streitkräfte geflogen wurde. Es sei eine Untersuchung eingeleitet worden, um die Angaben zu den zivilen Opfern und die Fakten um den Angriff zu überprüfen.

Vormarschpläne sollen überarbeitet werden

Die irakischen Sicherheitskräfte unterbrachen wegen der hohen Zahl ziviler Opfer nach eigenen Angaben die Rückeroberung Mossuls. Die Vormarschpläne würden überarbeitet, sagte ein Sprecher der Polizeikräfte. "Zurzeit finden keine Kampfeinsätze statt."

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sollen sich noch 400.000 Menschen in West-Mossul aufhalten. Es gibt keinen sicheren Korridor für sie, durch den sie die Stadt verlassen könnten. Aus Angst vor Heckenschützen des IS trauen sich viele Menschen nicht zu flüchten. Auch missbrauchen IS-Kämpfer Einwohner als Schutzschilde.

Ein Mann, dem die Flucht aus Mossul gelungen war, berichtete: "Wir wurden von der Koalitionsluftwaffe angegriffen. Die Scharfschützen des IS gehen aufs Dach von Häusern, in denen unten Familien sind. Die Koalition beschießt diese Gebäude dann. Die Scharfschützen und alle in dem Haus kommen ums Leben."

Das Ministerium für Migration und Vertriebene in Bagdad teilte mit, seit dem Beginn des Sturms auf den Westteil Mossuls seien mehr als 200.000 Menschen aus der Stadt geflüchtet. Die Offensive auf Mossul begann im Oktober. Zunächst nahmen die Koalitionstruppen den Ostteil der Stadt ein, am 19. Februar begann die Offensive auf den Westteil.

Mit Informationen von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. März 2017 um 20:00 Uhr.

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