Irakische Soldaten zielen auf IS-Stellung in Mossul | Bildquelle: dpa

Mossul-Offensive IS vom Nachschub abgeschnitten

Stand: 23.11.2016 19:56 Uhr

Bei ihrer Offensive zur Rückeroberung Mossuls von der IS-Terrormiliz haben irakische Einheiten wichtige Erfolge erzielt. So seien nun alle Versorgungswege nach Mossul gekappt. Derweil wächst in der Bevölkerung die Angst vor religiösen Konflikten - Tausende Menschen fliehen.

Im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" hat die irakische Armee einen strategischen Erfolg vermeldet. Die IS-Kämpfer in Mossul seien jetzt von allen Nachschubwegen abgeschnitten, insbesondere von der Verbindung in ihre syrische Hochburg Raka, teilten die Regierungstruppen mit. Kämpfer der Hasched al-Schaabi, die sogenannten Volksmobilmachungseinheiten - einem Verbund regierungstreuer paramilitärischer Kräfte, hätten eine wichtige Straße nach Sindschar unter ihre Kontrolle gebracht. Nach eigenen Angaben sei man westlich von Mossul auf kurdische Einheiten getroffen und hätte somit den Belagerungsring um die irakische Millionenstadt geschlossen.

Auch innerhalb der Stadt wurden strategisch wichtige Posten getroffen: So bestätigte der IS, dass ein Luftangriff die vierte von fünf Tigris-Brücken unbenutzbar gemacht hat. Nach der Attacke sei dort die Flussüberquerung nicht mehr möglich, teilte das IS-Sprachrohr Amak mit. Ein Kommandeur des irakischen Militärs bestätigte, dass es vor Tagesanbruch einen Luftangriff dieser Art gegeben habe.

Der Irak hatte Mitte Oktober mit Verbündeten die Offensive zur Rückeroberung von Mossul gestartet und Anfang November im Osten des Stadtgebiets Fuß gefasst. Von dort aus versucht die Armee nun, weiter vorzurücken. Es war das zweite Mal in dieser Woche, dass eine Brücke Ziel eines Angriffs war. Zwei weitere Brücken waren bereits bei Luftangriffen im Oktober zerstört worden. Der Tigris teilt Mossul in zwei etwa gleich große Gebiete.

Tausende auf der Flucht

Gleichzeitig wächst in und um Mossul die Angst vor religiösen Konflikten und einem Kampf um eine Vorherrschaft regionaler Mächte durch den Vorstoß schiitischer Milizen. Tausende Zivilisten seien aus der nahen Stadt Tal Afar angesichts der Umzingelung durch die "Volksmobilmachungseinheiten" geflohen, sagte ein Vertreter der Stadt. Die Hälfte habe sich auf den Weg nach Syrien gemacht, die andere wolle kurdisch beherrschte Gebiete im Irak erreichen. Hilfsorganisationen sind besorgt, weil die Zivilisten zum Teil noch tiefer in das vom IS beherrschte Gebiet ziehen. Dort ist es schwerer, sie mit Hilfsgütern zu versorgen.

Die Türkei, die den Status einer Schutzmacht für die in Tal Afar lebenden Turkmenen beansprucht, hat bereits angekündigt, eine Eroberung Tal Afars durch die schiitischen Kämpfer nicht tatenlos hinzunehmen. Damit drohen gegensätzliche Interessen des Iran und der Türkei in der Region auch auf den Irak überzugreifen.

Darstellung: