Truppen der irakischen Streitkräfte | Bildquelle: dpa

Offensive gegen IS Erste irakische Truppen sollen in Mossul sein

Stand: 01.11.2016 16:19 Uhr

Vor zwei Wochen startete die irakische Armee ihre Offensive auf Mossul, nun meldeten die Truppen, erstmals in das Stadtgebiet vorgerückt zu sein. Mossul gilt als letzte Bastion des IS im Irak. Die UN erheben neue, schwerwiegende Vorwürfe gegen die Terrormiliz.

Zwei Wochen, nachdem die irakischen Streitkräfte ihre Offensive auf die Stadt Mossul begonnen haben, sind nach eigenen Angaben der Armee erste Eliteeinheiten in das Stadtgebiet eingedrungen. Die Truppen hätten die Stadtgrenze von Osten her überqueren können. "Wir haben nun die eigentliche Befreiung Mossuls begonnen", verkündete der Chef der irakischen Anti-Terror-Kräfte, Talib Schaghati, in einem Interview mit dem Staatssender Al-Iraqiya.

Bereits im Laufe des Tages hatte die irakische Armee mehrere Erfolge vermeldet: Zum einen konnten die Soldaten den Ort Godschali - ebenfalls am östlichen Rand Mossuls gelegen - und kurz darauf das Gebäude eines staatlichen TV-Senders einnehmen.

Mossul gilt bislang als letzte Bastion der Terrormiliz "Islamischer Staat" im Irak. An der Offensive beteiligen sich neben der Armee auch kurdische Peschmerga-Kämpfer und weitere verbündete Milizen. Zudem unterstützt die von den USA geführte Militärkoalition zum Kampf gegen den IS die Bodenoffensive mit Angriffen aus der Luft.

UN: IS nutzt menschliche Schutzschilde

Für ihren Einsatz im Irak erhielt die Militärkoalition nun lobende Worte von den Vereinten Nationen. Die Befürwortung der Luftangriffe durch das UN-Menschenrechtsbüro steht im Zusammenhang mit neuen, schweren Vorwürfen, die die UN gegen den IS erheben. Die Terrormiliz nutze Zivilisten als menschliche Schutzschilde, sagte die Sprecherin des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Ravina Shamdasani. Die UN hatten Ende der vergangenen Woche von bis zu 8000 Familien gesprochen, die zu diesem Zweck vom IS entführt worden seien.

Die Luftangriffe der Militärkoalition hätten allerdings den Missbrauch von etwa 25.000 Menschen als Schutzschilde verhindern können. Busse und Lastwagen, die die Anwohner ins Stadtinnere von Mossul bringen sollten, seien so zur Umkehr gezwungen worden, so die UN.

Die UN sprachen auch von weiteren Massenmorden, die der IS verübt haben soll. So hätten die Anhänger der Miliz am vergangenen Samstag 40 ehemalige Mitglieder der irakischen Armee getötet. Der IS versuche durch solche Massenmorde die Bevölkerung zum Gehorsam zu zwingen.

Türkei schickt Panzer an irakische Grenze

Unterdessen rüstet auch die Türkei an der Grenze zum Irak weiter auf. Die Regierung habe eine Panzerkolonne in den etwa 30 Kilometer von der Grenze gelegenen Ort Silopi geschickt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf Militärkreise. Der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik sprach "von wichtigen Entwicklungen" im Nachbarland. Die Türkei müsse auf jede Möglichkeit vorbereitet sein.

Die Türkei begründet ihre verstärkte militärische Präsenz im Grenzgebiet mit dem Kampf gegen den Terror. Peschmerga-Kämpfer und sunnitische Milizen, die sich an der Offensive auf Mossul beteiligen, wurden in der Türkei ausgebildet. Zudem sind in der irakischen Region Baschika nahe Mossuls auch türkische Soldaten stationiert - dies allerdings gegen den Willen Bagdads. Der Irak forderte mehrfach den Abzug der türkischen Truppen.

Über dieses Thema berichteten die tagesschau am 01. November 2016 um 15:00 Uhr und tagesschau24 um 15:30 Uhr.

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