Mateusz Morawiecki | Bildquelle: REUTERS

Mateusz Morawiecki Der selbstbewusste Außenseiter

Stand: 08.12.2017 04:22 Uhr

Mateusz Morawiecki wird wohl neuer polnischer Regierungschef - und größer könnte der Kontrast zwischen dem weltgewandten Ökonomen und seiner auf Volksnähe bedachten Vorgängerin kaum sein. Will die Regierungspartei PiS mit der Personalie die EU beschwichtigen?

Von Jan Pallokat, ARD-Studio Warschau

Beata Szydlo | Bildquelle: REUTERS
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Beata Szydlo, die polnische Noch-Premierministerin

Sollte Mateusz Morawiecki tatsächlich nächste Woche zum neuen polnischen Premierminister gewählt werden - die Regierung seines Landes erhielte im doppelten Wortsinne ein neues Gesicht. Denn Morawiecki ist in vielerlei Hinsicht das Gegenteil seiner bärbeißigen, meist grimmig dreinschauenden Vorgängerin Beata Szydlo aus dem schlesischen Kohlenpott: ein weltgewandter, groß gewachsener Dissidenten-Spross und Ökonom, der sich nicht nur auf Finanzen, sondern auch auf Marketing versteht - und der nicht zuletzt von ausländischen Investoren in Polen als der "bessere Teil" der Regierung beschrieben wird, den man immer ansprechen könne.

Morawiecki ist in der Kader-Partei PiS ein Außenseiter; erst letztes Jahr trat er in sie ein. Ob mit seinem Aufstieg aber auch ein Politikwechsel verbunden ist, darf bezweifelt werden. Darüber wache immer noch der eigentliche Strippenzieher, PiS-Parteichef Jaroslaw Kaczynski, heißt es in Warschau.

Parteisprecherin Mazurek erklärt den Wechsel an der Regierungsspitze so: "Die internationale Situation und auch die im Inneren bedingen, dass vor uns nun andere Herausforderungen und Aufgaben liegen. Das erfordert nicht nur einen Wechsel von Ministern, sondern auch der Führung der Regierung."

Ein Regierungschef fürs Image?

Über einen Kabinettswechsel wird bereits seit Wochen spekuliert. Oft fiel dabei der Name des Wirtschafts- und Finanzministers, der im Glanze einer anhaltend guten Wirtschaftsentwicklung steht - wobei umstritten ist, inwieweit der vielzitierte Morawiecki-Plan zur wirtschaftlichen Entwicklung wirklich Vater des nicht enden wollenden Wirtschaftsbooms ist, der keineswegs erst mit dem Wahlsieg der PiS begann.

Kommentatoren in Warschau reichen verschiedene Erklärungen herum, warum Kaczynski sein Team ausgerechnet jetzt auswechseln lässt. Eine lautet, es gehe darum, vom viel kritisierten Justizumbau abzulenken, der sich just dieser Tage auf der Zielgerade befindet und womöglich noch vor der Wahl Morawieckis besiegelt werden könnte.

Eine andere These besagt, nach dem Radikalumbau des Staates sei der PiS nun daran gelegen, das Image des Landes im Ausland zu verbessern, die Wogen in der EU zu glätten und zu verhindern, dass die Union ihre Finanzunterstützung kappt. Gemessen an seiner Biographie wäre Morawiecki dafür der wohl beste Kandidat. Neben seiner Wirtschaftsausbildung hat er sich auf Europa spezialisiert; er praktizierte bei der Bundesbank und studierte in Hamburg europäische Integration. Auch ist er Co-Autor eines polnischen Handbuches zum Europa-Recht. Ab 2010 gehörte er zum Beraterstab des früheren Premiers und jetzigen EU-Ratspräsidenten Donald Tusk.

Olaf Bock, ARD Warschau, zum Rücktritt von Regierungschefin Szydlo
tagesthemen 22:15 Uhr, 07.12.2017

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Nicht nur Freunde in der PiS

Seine Vorgängerin steht hingegen eher fürs Volksnahe und Soziale, vor allem für das Kindergeldprogramm 500+, von dem viele kinderreiche arme Familien im Land profitieren. Anlässlich eines Misstrauensvotums, das sie unmittelbar vor ihrem Rücktrittsangebot überstand, sagte Beata Szydlo an die Adresse der Opposition gerichtet: "Wir repräsentieren diejenigen, die all die Jahre, als ihr regiert habt, von euch gedemütigt und vergessen wurden. Wir haben den Menschen das Gefühl der Würde zurückgegeben. Wir sorgen für die Sicherheit Polens. Und heute gehen wir in Brüssel nicht auf die Knie, um demütig umzusetzen, was andere wollen."

Volksnähe dürfte kaum Morawieckis Markenzeichen werden, der Vorstandschef einer der größten polnischen Banken war. Überhaupt scheint neben der Frage, wie das Facelifting der polnischen Regierung im Ausland ankommt, ebenso wichtig, welche Rückwirkungen der Personalwechsel intern verursacht. Aus der PiS ist jedenfalls zu hören, dass der selbstbewusste Außenseiter dort nicht nur Freunde hat.

Facelift in Polens Regierung - Morawiecki ersetzt Szydlo
Jan Pallokat, ARD Warschau
07.12.2017 23:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Dezember 2017 um 04:55 Uhr.

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