US-Republikaner Moore | Bildquelle: AP

Belästigungsvorwürfe US-Republikaner Moore unter Druck

Stand: 14.11.2017 06:36 Uhr

Roy Moore ist noch nicht gewählt, da stürzt er seine Partei, die Republikaner, in eine Krise. Denn: Mehrere Frauen beschuldigen den Mann, dass er sie sexuell belästigt habe als sie noch minderjährig waren.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Mitch McConnell | Bildquelle: REUTERS
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Mitch McConnell forderte Moore auf, seinen Wahlkampf zu beenden: "Er sollte abtreten. Ich glaube den Frauen!"

Die US-Amerikaner blicken nach Alabama. Kurz vor einer wichtigen Senatswahl wächst der Wirbel um Vorwürfe sexueller Belästigung gegen den republikanischen Kandidaten Roy Moore. Ranghohe Parteikollegen wenden sich bereits von ihm ab und fordern ihn auf, seine Kandidatur zurückzuziehen.

Manche denken auch darüber nach, wie man den umstrittenen Republikaner vom Senat ausschließen könnte, sollte er in einem Monat gewählt werden. Der Fraktionschef der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, forderte Moore auf, seinen Wahlkampf zu beenden: "Er sollte abtreten. Ich glaube den Frauen!"

Unsittliche Berührung?

Beverly Young Nelson | Bildquelle: REUTERS
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Beverly Young Nelson wirft Roy Moore vor, sie belästigt zu haben.

Fünf Frauen haben Moore inzwischen vorgeworfen, sie belästigt zu haben. Eine Frau sagte, der damals 32-Jährige habe sie in den 1970er-Jahren unsittlich berührt. Sie war damals 14 Jahre alt.

Beverly Young Nelson war 16, als sie in einem Restaurant gearbeitet hat, in dem Moore regelmäßig Gast war. An einem Abend habe der damalige Bezirksstaatsanwalt angeboten, sie nach Hause zu fahren. Ihre Erinnerungen an das, was passiert sei, erzählte die heute 55-Jährige unter Tränen bei einer Pressekonferenz:

"Er hat mich betascht, meine Brüste angefasst. Ich habe versucht, aus dem Auto zu kommen. Er hat sich herüber gebeugt und die Tür verriegelt, so dass ich nicht raus konnte. Ich habe versucht, ihn abzuwehren und habe gesagt, er sollte aufhören. Er hat versucht meinen Kopf in seinen Schoß zu drücken. Ich hatte Angst."

Keine Erinnerung

Moore wies die Vorwürfe zurück. Er schloss nicht aus, dass er Teenager gedatet habe. An die Begegnungen erinnere er sich aber nicht. Seinen Wahlkampf will der Mann, der gegen Muslime und Homosexuelle ist und der für ein uneingeschränktes Waffenrecht eintritt, nicht beenden. Er drohte stattdessen: "Die Anschuldigungen sind falsch und unwahr. Ich werde dagegen klagen."

Diejenigen, die Moore weiter verteidigen, fragen, warum die Frauen bisher nichts über ihre Erlebnisse gesagt hätten. Beverly Young Nelson, eine Trump-Wählerin, gab darauf die Antwort: "Er hat irgendwann aufgehört und mich angesehen und gesagt: Du bist nur ein Kind und ich bin der Bezirksstaatsanwalt. Wenn du irgendjemand von all dem erzählst, wird dir niemand glauben."

Die rechtspopulistische Webseite Breitbart News unter der Leitung von Steve Bannon hat mehrere Reporter nach Alabama geschickt, um die Aussagen der Frauen in Zweifel zu ziehen. Für die Republikaner steht viel auf dem Spiel. Schließlich verfügen sie im Senat nur über eine Mehrheit von zwei Stimmen.

Anbahnung im Shoppingcenter

Mehrere Zeitungen berichten, dass Moores unangebrachtes Verhalten über Jahre ein offenes Geheimnis gewesen sei. Anna Claire Vollers von den "Birmingham News" erzählte bei CNN: "Ich habe mit Leuten geredet, die als Teenager in der Gadsden Mall rumgehangen haben. Die haben gesagt, dass Roy Moore da rumgelaufen ist und Mädels angequatscht hat. Das scheint allgemein bekannt gewesen zu sein."

In Alabama hat Donald Trump fast doppelt so viele Stimmen bekommen wie Hillary Clinton. Einige Beobachter halten es durchaus für möglich, dass Moore letztlich trotz allem gewählt wird - entgegen aller Anschuldigungen. Die Antwort gibt es am 12. Dezember an den Wahlurnen in Alabama.

Vorwürfe sexueller Belästigung: Roy Moore stürzt Republikaner in die Krise
Martina Buttler, ARD Washington
14.11.2017 06:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR in der Sendung Morgenecho am 14. November 2017 um 06:46 Uhr.

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