Ein Flüchtling wird aus dem Mittelmeer gerettet | Bildquelle: REUTERS

Bootsflüchtlinge im Mittelmeer Hoffnung für vermisste Flüchtlinge schwindet

Stand: 12.08.2015 15:35 Uhr

Noch immer fehlt jede Spur von Dutzenden Flüchtlingen, deren Schlauchboot vor der libyschen Küste gekentert war. Auch auf Kos spitzt sich die Lage weiter zu. ARD-Korrespondentin Anna Tillack berichtet von katastrophalen Zuständen auf der griechischen Insel.

Vor der Küste Libyens schwindet die Hoffnung, Dutzende vermisste Bootsflüchtlinge lebend zu finden. Dennoch geht die Suche der Rettungskräfte weiter. Das völlig überfüllte Schlauchboot, in dem die Flüchtlinge unterwegs waren, war am Dienstag auf dem Meer gekentert, während die italienische Marine die Flüchtlinge zu retten versuchte. Mindestens 54 Menschen konnten inzwischen in Sicherheit gebracht werden.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) und das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR berichteten unter Berufung auf Überlebende, es seien rund 120 Menschen an Bord gewesen. UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming schrieb auf Twitter, insgesamt 66 Menschen würden noch vermisst.

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Unglück mit etwa 50 vermissten #Flüchtlingen: Video der Militärmarine @ItalianNavy zeigt Rettung durch Hubschrauber. http://t.co/NBeW4KvlwI

Hubschrauber entdeckte die Flüchtlinge

Die Migranten an Bord stammten demnach vor allem aus Mali, dem Senegal, Nigeria und Gambia. Ihr Boot war am Montag in Libyen gestartet, kurz darauf geriet es in Seenot. Ein Hubschrauber der Marine hatte das Boot am Dienstag entdeckt.

Die Einsatzkräfte warfen Rettungsinseln ab. Wenig später eilte ein Schiff der Marine den Menschen zu Hilfe und nahm 52 von ihnen auf. Ein Hubschrauber entdeckte später noch zwei weitere Flüchtlinge, die sich im Meer an einem Fass festklammerten und ebenfalls gerettet werden konnten. Die Überlebenden wurden auf die italienische Insel Lampedusa gebracht.

Touristen liegen am Strand, als Flüchtlinge aus Syrien und Afrika auf einem Dingi die griechische Insel Kos erreichen. | Bildquelle: REUTERS
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Touristen liegen am Strand, als Flüchtlinge auf einem Dingi die Insel Kos erreichen.

Erneut Flüchtlinge auf Kos gestrandet

Auch auf der griechischen Urlaubsinsel Kos spitzt sich die Lage weiter zu. Erneut setzten mindestens zwei Schlauchboote mit Dutzenden Flüchtlingen an Bord auf die Insel über. Zudem brachte ein Schiff der italienischen Küstenwache weitere 50 Menschen an Land, die auf See gerettet worden waren. Die meisten der Hilfesuchenden stammen aus dem Bürgerkriegsland Syrien - sie setzten von der Türkei aus nach Psalidi nahe der Inselhauptstadt Kos über.

Tausende Hilfesuchende sitzen auf der Insel fest

Auf der Insel campieren bereits etwa 5000 Flüchtlinge unter bedenklichen Umständen. ARD-Korrespondentin Anna Tillack berichtete in der tagesschau, die Lage auf der Ferieninsel sei "absurd". Auf der einen Seite flanierten Touristen an der Strandpromenade, unmittelbar daneben sei die Promenade gesäumt von Flüchtlingen. Sie können die Insel aber erst verlassen, wenn sie registriert sind. "Damit sind die Behörden hier völlig überfordert", so Tillack.

Um die Flüchtlinge von der Straße wegzubekommen, wurden sie in ein Stadion auf Kos gebracht. Dort gebe es kein Wasser, Sanitäreinrichtungen fehlten. Immer mehr Sicherheitskräfte werden nach Tillacks Angaben eingesetzt. Am Nachmittag hätten sie Tränengas eingesetzt.

Anna Tillack, ARD Athen, zzt. Kos, zur Flüchtlingssituation
tagesschau 15:00 Uhr, 12.08.2015

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Das von der Wirtschaftskrise gebeutelte Griechenland hat sich zu Europas größtem Anlaufhafen für Bootsflüchtlinge entwickelt, seit die Alternativroute über Libyen nach Italien wegen der Kämpfe in dem nordafrikanischen Land immer gefährlicher geworden ist. Allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres haben nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks etwa 124.000 Flüchtlinge und Migranten Griechenland per Schiff erreicht. Das sei ein Anstieg von 750 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2014, hieß es.

Etliche Flüchtlinge stehen hinter einem Zaun auf der Insel Kos, davor steht Sicherheitspersonal. | Bildquelle: AP
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Lange Schlangen vor der Registrierungsstelle auf Kos.

60 Vermisste nach erneutem Bootsunglück im Mittelmeer
T. Kleinjung, ARD Rom
12.08.2015 16:10 Uhr

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