US-Gefangene im Irak und in Afghanistan Pentagon veröffentlicht Fotos von Misshandlungen

Stand: 06.02.2016 10:05 Uhr

Jahrelang wurde über die Veröffentlichung gestritten: Nun muss das Pentagon Fotos von Gefangenen im Irak und in Afghanistan zeigen, die zum Teil von US-Soldaten misshandelt wurden. Darauf sind Aufnahmen von kleinen Wunden zu sehen. 65 Militärangehörige wurden bereits bestraft.

Das Pentagon hat fast 200 Fotos von Gefangenen im Irak und Afghanistan veröffentlicht, die zum Teil von US-Soldaten misshandelt worden sein sollen. Die Aufnahmen stammen aus den Jahren 2004 bis 2006. Die Identität der Gefangenen, die vor rund einem Jahrzehnt in US-Militärgefängnissen einsaßen, wurde nicht bekannt gemacht und nur wenig oder kein Kontext zu den Fotos veröffentlicht.

US-Verteidigungsministerium | Bildquelle: dpa
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Das US-Verteidigungsministerium konnte die Fotos jahrelang zurückhalten.

Fotos offenbar nicht aus Abu Ghraib

Die dunklen und unscharfen Bilder zeigen vor allem von Flecken und Schnittwunden übersäte Arme und Beine von Gefangenen. Sie wirken nicht so dramatisch wie die Fotos, die vor mehr als zehn Jahren nach Foltervorwürfen rund um das Gefängnis Abu Ghraib im Irak publik gemacht worden waren. Auf den Aufnahmen von damals waren zum Beispiel nackte Häftlinge zu sehen, die zu einer menschlichen Pyramide zusammengepfercht worden waren. Ein Foto zeigte einen Soldaten, der einen Häftling an einer Leine hält. Aus Abu Ghraib stammt offenbar keines der nun veröffentlichten Bilder. Woher sie sind, wollte das Pentagon nicht mitteilen.

"Die Ermittlungen bestätigten rund 14 der Vorwürfe, während rund 42 Vorwürfe des Fehlverhaltens nicht bestätigt wurden", sagte der Ministeriumssprecher. 65 Militärangehörige seien wegen Vergehen bestraft worden, wobei die Strafen von Ermahnungen bis zu lebenslanger Haft reichten.

Freigabe erst nach jahrelangem Rechtsstreit

Die Veröffentlichung ist die Folge eines Rechtsstreits mit der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (Aclu), die 2004 die Freigabe von rund 2000 Fotos verlangt hatte. Präsident Barack Obama wollte die Fotos bereits 2009 freigeben, doch beschloss der Kongress daraufhin ein Gesetz, das dem Verteidigungsministerium das Zurückhalten der Fotos erlaubt. Zur Begründung hieß es, die Veröffentlichung könne US-Bürger oder US-Militärpersonal in Gefahr bringen.

Im November 2015 entschied der jetzige Verteidigungsminister Ashton Carter, dass 198 Fotos veröffentlicht werden könnten, ohne dass die nationale Sicherheit bedroht werde. Aclu kritisierte am Freitag, dass die Regierung die anderen Fotos zurückhalte, und kündigte an, weiter auf ihre Freigabe zu dringen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Februar 2016 um 17:00 Uhr.

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