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Vorwürfe lange vertuscht Missbrauchsskandal erschüttert US-Internat

Stand: 15.04.2017 11:49 Uhr

Ein Elite-Internat nahe New York wird von einem Missbrauchsskandal erschüttert. Der Untersuchungsbericht einer Anwaltskanzlei listet sexuelle Übergriffe durch zwölf Lehrer auf. Das Internat wusste von den Vorwürfen, informierte die Polizei aber nicht.

Jamie Lee Curtis, John F. Kennedy, Michael Douglas: Die Liste prominenter Absolventen des US-Internats "Choate Rosemary Hall" unweit von New York ist lang. In die Schlagzeilen ist die Bildungseinrichtung allerdings wegen eines Missbrauchsskandals geraten. In dem Bericht einer Anwaltskanzlei werden Missbrauchsfälle durch zwölf frühere Lehrer aufgelistet, die sich zwischen 1963 bis 2010 ereigneten. Demnach gab es die meisten Fälle in den 1980er-Jahren. Die Opfer seien sowohl Mädchen als auch Jungen gewesen.

Die traditionsreiche Bildungseinrichtung im Bundesstaat Connecticut hatte die Untersuchung selbst in Auftrag gegeben, nachdem Berichte über sexuellen Missbrauch an anderen Privatschulen öffentlich geworden waren. Die jetzige Leitung entschuldigte sich für die Vorfälle und betonte, dass gegen derzeit an der Schule tätige Mitarbeiter keine Vorwürfe vorlägen.

Versetzt oder weitergeschoben

Dem Bericht zufolge sagten ehemalige 24 Schüler aus, dass sie zu "intimen Küssen, intimen Berührungen und Geschlechtsverkehr" gezwungen wurden. Ein Kunstlehrer weigerte sich demnach Kondome zu benutzen und zwang eine Schülerin, die Pille zu nehmen.

Viele Missbrauchsfälle wurden der Schule erst Jahre später gemeldet, heißt es in dem Bericht. Das Internat sei aber auch dann nicht entschlossen gegen die Beschuldigten vorgegangen. Viele durften an der Schule bleiben oder kündigten. Letztere erhielten teils Empfehlungsschreiben und konnten ihre Lehrtätigkeit auch dadurch an anderen Schulen fortsetzen. Diese Praxis sei intern als "den Müll weitergeben" bezeichnet worden. Keiner der Fälle wurde der Polizei gemeldet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. April 2017 um 12:00 Uhr.

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