Migranten schlafen an Bord eines Rettungsschiffs. | Bildquelle: dpa

Malta und Italien Wieder Streit über Boot mit Migranten

Stand: 14.07.2018 04:32 Uhr

Wieder einmal streiten Italien und Malta über die Aufnahme eines Schiffs mit Migranten an Bord. Unklar ist, um was für ein Boot es sich handelt. Denn private Seenotretter sind im Mittelmeer derzeit nicht im Einsatz.

Italien und Malta streiten erneut über die Zuständigkeit für ein Schiff mit Migranten im Mittelmeer. Italiens Innenminister und Vize-Regierungschef Matteo Salvini sagte am Freitag, er werde dem Schiff mit mehr als 400 Menschen an Bord nicht erlauben, in einem italienischen Hafen anzulegen.

"Malta, die Schleuser und die Gutmenschen sollen wissen, dass dieses Schiff hier nicht anlegen wird", schrieb der Chef der rechtsextremen Partei Lega in den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter. "Wir haben schon gegeben, verstanden." Damit spielte Salvini offenbar auf rund 600.000 Migranten an, die in den vergangenen Jahren auf hoher See gerettet und nach Italien gebracht wurden.

Notruf ging Freitagfrüh in Rom ein

Die Regierung in Valetta behauptete, das Schiff befände sich 53 Seemeilen vor Lampedusa und 110 Seemeilen von Malta entfernt. Man habe keine Befugnis, Anweisungen zu geben. Zudem würden die Menschen an Bord lieber nach Italien einreisen. Italienische Medien berichteten, dass das große Fischerboot nun Richtung der italienischen Insel Lampedusa fahre.

Nach Angaben des italienischen Außenministeriums hatte das Boot die Behörden in Rom Freitagfrüh alarmiert, dass es Minderjährige an Bord habe, die "dringend Hilfe benötigen". Das Schiff habe sich zu diesem Zeitpunkt allerdings in maltesischen Gewässern befunden.

Unklar, wer das Schiff steuert

Unklar war, um was für ein Boot es sich genau handelt und wer es steuerte. Laut Medien handelt es sich um ein zweistöckiges Holzschiff. Das wäre eine neue Entwicklung, denn seit langem legten vor allem Schlauchboote in Libyen ab, mit denen es nicht möglich gewesen wäre, eigenständig in Italien anzukommen.

Italien und Malta haben in den vergangenen Wochen wiederholt über die Zuständigkeit für Flüchtlingsschiffe gestritten. Im vergangenen Monat hatte Malta nach längerem Zögern die "Lifeline" mit 234 Menschen an Bord anlegen lassen.

Italien sperrt Häfen für Hilfsorganisationen

Tage zuvor hatten Italien und Malta das Rettungsschiff "Aquarius" mit 630 Flüchtlingen an Bord zurückgewiesen. Am Ende erklärte sich Spanien bereit, das Schiff anlegen zu lassen und die Migranten aufzunehmen. 

Italien verwehrt inzwischen generell Hilfsorganisationen die Einfahrt in die Häfen des Landes. Auch die Insel Malta sieht sich nicht für die Aufnahme zuständig. Derzeit sind keine privaten Seenotretter auf dem Mittelmeer unterwegs. Ihnen wird vorgeworfen, indirekt den Schleppern in die Hände zu spielen, indem sie die Migranten von den schrottreifen Booten retteten und nach Italien bringen.

Über dieses Thema berichteten am 14. Juli 2018 NDR Info um 04:00 Uhr und Deutschlandfunk um 05:00 Uhr.

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