Trümmerfeld nach dem Absturz der Passagiermaschine MH17 über der Ostukraine | Bildquelle: REUTERS

Ein Jahr nach Absturz Putin lehnt UN-Tribunal zu MH17 ab

Stand: 16.07.2015 15:49 Uhr

Am Freitag jährt sich der Tag des Absturzes von Flug MH17 über dem Osten der Ukraine. Die Schuldfrage ist nach wie vor ungeklärt. Russlands Präsident Putin hat Forderungen nach einem UN-Tribunal jedoch eine Absage erteilt.

Kurz vor dem Jahrestag des Absturzes von Flug MH17 über der Ostukraine hat sich Russlands Staatschef Wladimir Putin gegen die Forderung nach einem Tribunal der Vereinten Nationen zur Aufklärung der Katastrophe ausgesprochen.

Die Initiative einiger Länder sei "voreilig und kontraproduktiv", sagte Putin nach Kremlangaben bei einem Telefonat mit dem niederländischen Ministerpräsident Mark Rutte. Die Niederlande leiten die Untersuchungen zu dem Absturz der Boeing vor einem Jahr am 17. Juli, weil die meisten der 298 Opfer aus dem EU-Land stammten.

Putin kritisiert Berichterstattung über den Absturz

In Den Haag bestätigte ein Regierungssprecher, dass Rutte mit Putin gesprochen habe. Er nannte aber keine Details. "Um über die gerichtlichen Mechanismen und die Bestrafung der Schuldigen bei diesem Verbrechen zu entscheiden, muss erst die aktive Arbeit der internationalen Ermittlungen abgeschlossen werden", teilte der Kreml weiter mit. Es sei nötig, den Absturz "sorgfältig und objektiv, unabhängig und umfassend" zu untersuchen - so wie in der UN-Resolution von 2014 vereinbart.

Kritik übte der Kreml daran, dass Medien zum Jahrestag verschiedene Versionen zum Hergang "mit offen politisierendem Charakter" streuten. Die Ukraine und Russland machen sich gegenseitig für den Abschuss verantwortlich. Die Niederlande haben mit Australien und Malaysia bei den Vereinten Nationen ein Tribunal beantragt. Die UN-Vetomacht Russland ist gegen ein solches Gericht.

Angehörige der Opfer verklagen Separatistenführer

Die Boeing der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH17 war in der Ostukraine über einem Gebiet in der Hand prorussischer Rebellen niedergegangen.

Die Ukraine und der Westen vermuten, dass prorussische Rebellen die Maschine mit einer Boden-Luft-Rakete abschossen. Die Moskauer Regierung macht einen Kampfjet der ukrainischen Luftwaffe für die Katastrophe verantwortlich.

Angehörige von 18 Opfern verklagten derweil einen russischen Separatistenführer auf etwa 826 Millionen Euro. Sie berufen sich dabei auf ein US-Gesetz zum Schutz vor Folter und außergerichtlicher Tötung, das gegen Ausländer angewendet werden kann. Es gehe den Klägern nicht um Geld, sondern darum, Antworten zu erhalten und Druck auf Russland auszuüben, zitierte der britische "Telegraph" den US-Anwalt Floyd Wisner.

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