Wrackteil der Boing MH 17 in der Ostukraine (Foto vom 20.7.2014) | Bildquelle: dpa

Vorstellung des Abschlussberichts Was passierte mit MH17?

Stand: 13.10.2015 05:00 Uhr

Heute soll es endlich Antworten auf viele offene Fragen zu Flug MH17 geben. Die niederländischen Experten stellen ihren Untersuchungsbericht vor. Aber so viele Details sie auch klären - zu den Tätern werden sie nichts sagen. Doch die Angehörigen wollen Gewissheit.

Von Ludger Kazmierczak, WDR Den Haag

Die Rückkehr der Leichen in die Niederlande, die Identifizierung der Toten - und dann die Beerdigungen. Das waren wichtige Momente für die Hinterbliebenen der Opfer, um die Tragödie zu verarbeiten.

Heute sei wieder so ein bedeutender Tag, sagt Evert van Zijtveld. Er verlor bei dem Absturz der MH17 seine Tochter, seinen Sohn und seine Schwiegereltern. "Die Hinterbliebenen wollen wissen, was passiert ist. Vielleicht nicht alle, aber die meisten wollen endlich Tatsachen sehen“, sagt er.

Viele Fragen - auch viele Antworten?

Was genau ist passiert? Warum flog die malaysische Passagiermaschine überhaupt über ein Krisengebiet? Warum wurde die Passagierliste erst so spät veröffentlicht, und wie haben die fast 300 Fluggäste die letzten Minuten an Bord der MH17 erlebt?

Das sind die Fragen, die der niederländische Untersuchungsrat beantworten soll. Dafür setzten Techniker auf der Militärbasis Gilze Rijen im Süden des Landes Wrackstücke des Flugzeugs wie in einem gigantischen Drei-D-Puzzle so zusammen, dass Teile des Cockpits und der Business Class rekonstruiert werden konnten.

Für den Luftfahrtexperten Benno Baksteen ein wichtiger Bestandteil der Ermittlungen. Anhand der Munitionsreste, der Schäden und Einschusslöcher, die im und am Flugzeug gefunden wurden, könne man rekonstruieren, was passierte. Dabei spiele nicht nur eine Rolle, wo der Rumpf getroffen wurde, sondern auch wie und in welcher Reihenfolge Wrackteile zerstört wurden.

Es war wohl eine Buk-Rakete

15 Monate nach dem Absturz zweifelt kaum noch jemand daran, dass eine Buk-Rakete die Boeing traf. Selbst Russland scheint dem nicht mehr zu widersprechen, nachdem dort zu Beginn die Theorie verbreitet wurde, ein ukrainisches Kampfflugzeug habe die MH17 abgeschossen.

Offen bleibt, wer die Rakete abgefeuert hat: Waren es pro-russische Separatisten oder doch ukrainische Soldaten? In Kiew und Moskau, sagt der Sicherheitsexperte Marco Zannoni, werde das auch künftig, sehr unterschiedlich interpretiert. Er erwarte schon, dass dieser Bericht mehr Klarheit bringe. "Aber natürlich wird er den vielen Komplott-Theorien kein Ende machen", meint er. "Denn egal was dabei herauskommt, es gibt immer eine Seite, die ein Interesse daran hat, diese Ergebnisse zu bestreiten."

Vor der Vorstellung des MH17-Abschlussberichts
L. Kazmierczak, WDR Den Haag
13.10.2015 03:22 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Keine Aussage zu den Tätern

Zu möglichen Tätern wird sich die niederländische Kommission nicht äußern. Die strafrechtlichen Untersuchungen leitet die Staatsanwaltschaft, und die kündigte bereits an, dass die Ermittlungen noch länger andauern werden.

Für Evert van Zijtveld und die anderen Hinterbliebenen der Opfer ist der heutige Tag also nur eine weitere Etappe auf dem langen Weg zur Wahrheit. "Es wäre eine Schande, wenn sich niemand dafür verantworten müsste", findet er. Der nächste Schritt müsse sein, dass die Täter gefasst werden.

1/21

Passagierflugzeug der Malaysia Airlines über der Ukraine abgestürzt (17.07.2014)

Verkohlte und qualmende Wrackteile der Boeing 777 der Malaysia Airlines in der Ukraine

Im Osten der Ukraine ist am 17. Juli eine Passagiermaschine der Malaysia Airlines abgestürzt. Keiner der 298 Menschen an Bord überlebte das Unglück. | Bildquelle: REUTERS

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Oktober 2015 um 09:00 Uhr.

Korrespondent

Ludger Kazmierczak | Bildquelle: WDR/Herby Sachs Logo WDR

Ludger Kazmierczak, WDR

Darstellung: