Papst Franziskus segnet ein Kind auf dem Weg zur Basilika von Guadalupe. | Bildquelle: dpa

Franziskus in Mexiko Gewalt, Drogen - der Papst wird konkret

Stand: 14.02.2016 11:37 Uhr

Schon am ersten Tag seines Besuchs in Mexiko hat Papst Franziskus die Missstände des Landes benannt. Er prangerte Gewalt und Korruption an und fand tröstende Worte für alle, die ihre Kinder durch Verbrechen verloren haben.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Hörfunkstudio Mexiko

Die Glocken der Kathedrale von Mexiko-Stadt klingen über den zentralen Platz, den Zócalo, als Papst Franziskus seine Ansprache an den Klerus beendet. "Geht hinaus zu den Menschen", hatte er sie aufgefordert. Damit meinte er auch die allein gelassenen Priester auf dem Land, die unter der Gewalt leiden. Denn das organisierte Verbrechen macht vor der katholischen Kirche nicht Halt: Allein in den zweieinhalb Regierungsjahren von Präsident Enrique Peña Nieto wurden zehn Priester ermordet.

Papst prangert Gewalt und Korruption in Mexiko an
tagesschau 20:00 Uhr, 14.02.2016

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Franziskus warnte davor, die Auswirkungen des Drogenhandels auf die mexikanische Gesellschaft zu unterschätzen:

"Das Ausmaß des Drogenhandels, seine Ursachen, seine Ausbreitung wie Metastasen und seine alles zersetzende Gewalt erlaubt es uns Hirten der Kirche nicht, in allgemeine Verurteilungen zu flüchten. Damit uns diese Bedrohung nicht besiegt, müssen wir dazu beitragen, das Gefüge der menschlichen Beziehungen zu stärken. Wir müssen mit den Familien beginnen, die in den Randgebieten leben, müssen in die trostlosen Ecken unserer Städte gehen. Wir müssen mit den Pfarrgemeinden, Schulen, zivilen und politischen Einrichtungen, den Sicherheitskräften zusammenarbeiten. Nur so können wir uns von den Fluten befreien, in denen so viele Menschen ertrinken."

Ein Papst, der konkret wird

Die Gläubigen auf dem Zócalo hören aufmerksam zu. Dieser Papst wird konkret, nannte schon zuvor bei seinem Höflichkeitsbesuch im Nationalpalast die Probleme Mexikos beim Namen: Korruption, Drogenhandel, Gewalt, Ausgrenzung von Indigenen - all das gedeihe besonders gut in einer Gesellschaft, die das Gemeinwohl nicht fördere.

Für die 20-jährige Philosophiestudentin Catalina Solís war das die wichtigste Botschaft, weil sie auch an die Jugendlichen gerichtet war: "Er hat erklärt, dass die Hälfte der Mexikaner jung ist. Und dass wir diejenigen sind, die etwas ändern können. Gut, dass er Themen wie Gewalt und Drogen angesprochen hat. Ich bin sehr begeistert!"

Stefanie Merz (links) mit ihrer Mutter | Bildquelle: Anne-Katrin Mellmann
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Stefanie Merz (links) wartet mit ihrer Mutter auf den Papst.

Die 18-jährige Deutsch-Mexikanerin Stephanie Merz ist mit ihrer Mutter extra die 150 Kilometer aus Puebla angereist. Sie will den Papst unbedingt sehen, hält es dafür stundenlang in der brennenden Mittagssonne aus, obwohl ihr der politische Franziskus nicht so sehr zusagt: "Ich glaube, die eine Sache ist die Politik und die andere die Religion. Und ich denke, das darf sich nicht so viel mischen. Das sind zwei sehr unabhängige Dinge."

"Gott steht den Müttern bei"

Beeindruckend sei, dass Franziskus in seinem Alter noch so viel reise. Einen anstrengenden ersten Besuchstag mit drei Stationen hat der 79-Jährige absolviert: Politik, Klerus und zum Abschluss ein stundenlanger Gottesdienst in der Basilika der Jungfrau von Guadalupe, dem größten Marienheiligtum der Welt. In seiner Predigt dort tröstete er die Angehörigen von Gewaltopfern: "Gott steht den Müttern, Vätern und Großeltern bei, die erleben müssen, wie ihre Kinder fortgehen, verloren gehen oder ihnen von Kriminellen entrissen werden."

Eine Botschaft, die sich auch an die Angehörigen der 43 verschwundenen Studenten von Ayotzinapa richten könnte - unangenehm für die politisch Verantwortlichen. 

Und das war nur der Auftakt des Besuchs. Schon am ersten Tag benannte Franziskus die Missstände des Landes. Außerhalb von Mexiko-Stadt, in den Bundesstaaten, dort, wo er ihnen hautnah begegnen wird, dürften seine Worte noch deutlicher und unangenehmer werden.

Papst in Mexiko - Franziskus gegen Korruption, Gewalt und Drogen
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko-Stadt
14.02.2016 10:33 Uhr

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