Leichen in den Straßen von Mina | Bildquelle: dpa

Massenpanik in Mina Tödliche Pilgerreise

Stand: 25.09.2015 04:15 Uhr

Die Katastrophe in Mina ist das schlimmste Unglück bei der Hadsch seit 25 Jahren. Wie es zu der Massenpanik mit mehr als 700 Toten kam, ist unklar. Saudi-Arabien sucht die Schuld bei den Pilgern, während der Iran die Regierung in Riad verantwortlich macht.

Bei einer Massenpanik während der islamischen Wallfahrt Hadsch sind nahe Mekka neuen Angaben zufolge 717 Menschen zu Tode getrampelt worden. Mindestens 805 Gläubige seien verletzt worden, teilte die Zivilverwaltung Saudi-Arabiens mit. Die Opfer kamen aus unterschiedlichen Ländern. Mehr als 220 Krankenwagen und 4000 Rettungskräfte seien im Einsatz. Bundespräsident Joachim Gauck und Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprachen ihr Beileid aus.

Mehr als 700 Pilger sterben bei Massenpanik nahe Mekka
tagesthemen 22:15 Uhr, 24.09.2015, Sybille Müller, ARD Kairo

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Massenpanik trotz baulicher Veränderungen

Auslöser des Unglücks war den Behörden zufolge, dass sich zwei Gruppen am Morgen auf dem Weg vom und zum Steinigungsort in die Quere kamen.

Der saudi-arabische Gesundheitsminister machte fehlende Disziplin bei den Pilgern für das Unglück verantwortlich. Zahlreiche Pilger würden sich "in Bewegung setzen, ohne die Uhrzeiten zu respektieren", die ihnen von den Organisatoren vorgegeben werden, sagte Chaled al-Faleh im Fernsehen. Der Minister kündigte eine rasche und transparente Untersuchung an.

Iran beschuldigt Saudi-Arabien

Der Iran warf Saudi-Arabien schwere Fehler bei den Sicherheitsvorkehrungen vor. Nach Angaben des iranischen Hadsch-Organisators Said Ohadi wurden aus "unbekannten Gründen" zwei der fünf Wege zu dem Steinigungsort gesperrt. "Das löste diesen tragischen Vorfall aus", sagte er dem iranischen Staatsfernsehen. Auch Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei sprach von "schlechter Organisation" und "ungeeigneten Maßnahmen" der saudiarabischen Behörden und forderte Riad auf, sich seiner "enormen Verantwortung für die Katastrophe" zu stellen, wie die Nachrichtenagentur Irna berichtete. Mindestens 90 der Todesopfer kamen aus dem Iran, 60 weitere iranische Pilger wurden verletzt.

König Salman drückt Bedauern aus

Der saudische König Salman drückte sein Bedauern über das Unglück aus. Seine Regierung werde das Unglück rasch aufklären, versprach der Monarch in einer Rede. Außerdem habe er eine Überprüfung der bisherigen Sicherheitsvorkehrungen angeordnet, um die Pilgerströme in Zukunft besser zu kontrollieren.

Massenpanik am gleichen Ort bereits 2006

An der gleichen Stelle war bereits 2006 eine Massenpanik ausgebrochen. Damals waren 350 Gläubige ums Leben gekommen. Seitdem gab es mehrere Baumaßnahmen, die für einen reibungslosen Strom der Pilger sorgen und einen Massenandrang verhindern sollen. So werden die Pilger heute so geleitet, dass sich ihre Wege nicht mehr kreuzen. Außerdem ließen die Behörden ein fünfstöckiges Gebäude bauen, von dem aus die Pilger nach islamischem Glauben den Teufel steinigen können.

1990 ereignete sich die bislang schlimmste Katastrophe im Zuge der Hadsch-Festlichkeiten. Damals kam es in einem überfüllten Fußgängertunnel zu den heiligen Stätten in Mekka ebenfalls zu einer Massenpanik. 1426 Pilger kamen ums Leben.

Krankenwagen vor einem Krankenhaus in Mina | Bildquelle: AFP
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Krankenwagen vor einem Krankenhaus in Mina

Mehr als zwei Millionen Muslime in Mekka

Nach Angaben saudischer Medien haben sich in diesem Jahr mehr als zwei Millionen Menschen auf die Pilgerfahrt nach Mekka gemacht, darunter fast 1,4 Millionen Gläubige aus anderen Ländern. Ein Großaufgebot von etwa 100.000 Sicherheitskräften sollte für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Immer wieder kommt es in Mekka während der Pilgerfahrt zu Unglücken. Erst wenige Tage vor Beginn der diesjährigen Wallfahrt waren mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen, als ein Kran bei einem schweren Unwetter auf die Große Moschee stürzte.

Hadsch

Der Hadsch ist die jährliche Pilgerfahrt gläubiger Muslime nach Mekka. Nach den Vorschriften des Korans soll jeder Muslim einmal in seinem Leben an einem Hadsch teilnehmen.

Die Pilger umrunden mehrmals die Kaaba, ein schwarzes, fensterloses Gebäude im Innenhof der Großen Moschee von Mekka. Bei ihren täglichen Gebeten richten sich Muslime in aller Welt auf die Kaaba aus.

Mit einem Morgengebet am Berg Arafat, rund 20 Kilometer südwestlich von Mekka, wird die Wallfahrt fortgesetzt. Auf dem Berg Arafat hat der Prophet Mohammed der Überlieferung zufolge im Jahr 632 n.Chr. drei Monate vor seinem Tod seine letzte Predigt gehalten. Vor den Toren von Mekka werfen die Gläubigen anschließend Steine auf drei Säulen - eine symbolische Steinigung der Versuchungen durch den Teufel.

Nach dem Ritual gehen sie zurück nach Mekka, um dort zum Abschluss des Hadsch ein weiteres Mal die heilige Kaaba zu umrunden. Anschließend beginnt das Opferfest Eid al-Adha. Die Pilger und Muslime auf der ganzen Welt schlachten Kühe, Schafe, Ziegen oder Kamele und teilen das Fleisch mit der armen Bevölkerung.

Hunderte Pilger sterben bei Massenpanik nahe Mekka
B. Blaschke, ARD Kairo
25.09.2015 10:56 Uhr

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