Sanitäter in Saudi Arabien | Bildquelle: AFP

Unglück in Mina Mehr als 700 Tote bei Massenpanik

Stand: 24.09.2015 21:01 Uhr

Nach der Massenpanik während der islamischen Pilgerfahrt Hadsch in Saudi-Arabien hat der Zivilschutz die Zahl der Opfer drastisch nach oben korrigiert. Mehr als 700 Gläubige kamen demnach ums Leben, mindestens 805 wurden verletzt.

Bei einer Massenpanik während der islamischen Wallfahrt Hadsch sind nahe Mekka neuen Angaben zufolge 717 Menschen zu Tode getrampelt worden. Mindestens 805 Gläubige seien verletzt worden, teilte die Zivilverwaltung Saudi-Arabiens mit. Die Opfer kamen aus unterschiedlichen Ländern. Mehr als 220 Krankenwagen und 4000 Rettungskräfte seien im Einsatz. Bundespräsident Joachim Gauck und Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprachen ihr Beileid aus.

Mehr als 700 Pilger sterben bei Massenpanik nahe Mekka
tagesthemen 22:15 Uhr, 24.09.2015, Sybille Müller, ARD Kairo

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Massenpanik trotz baulicher Veränderungen

Zu dem Unglück kam es demnach in der Nähe des Ortes Mina, wo die Gläubigen am dritten Tag der Wallfahrt symbolisch den Teufel steinigen. An einer Kreuzung habe es am Morgen plötzlich einen Stau gegeben, erläuterte die Zivilverteidigung. Dann sei eine Massenpanik ausgebrochen.

Nach Ansicht der Regierung Saudi-Arabiens ist das Unglück auf fehlende Disziplin bei den Pilgern zurückzuführen. Viele würden sich "in Bewegung setzen, ohne die Uhrzeiten zu respektieren", die ihnen von den Verantwortlichen vorgegeben worden seien, sagte Gesundheitsminister Chaled al-Faleh. Nach bisherigen Erkenntnissen war eine Menschenmenge auf eine andere Menge aus der Gegenrichtung getroffen, was zu einer Massenpanik führte. Der Minister kündigte eine rasche und transparente Untersuchung an.

Der oberste Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, machte die Behörden in Saudi-Arabien für das Unglück verantwortlich. Sie sollten sich dazu bekennen, dass sie Fehler gemacht hätten, sagte er. Der schiitisch dominierte Iran und das sunnitische Königshaus in Saudi-Arabien sind erbitterte Rivalen in der Region.

König Salman drückt Bedauern aus

Der saudische König Salman drückte sein Bedauern über das Unglück aus. Seine Regierung werde das Unglück rasch aufklären, versprach der Monarch in einer Rede. Außerdem habe er eine Überprüfung der bisherigen Sicherheitsvorkehrungen angeordnet, um die Pilgerströme in Zukunft besser zu kontrollieren.

Massenpanik am gleichen Ort bereits 2006

An der gleichen Stelle war bereits 2006 eine Massenpanik ausgebrochen. Damals waren 350 Gläubige ums Leben gekommen. Seitdem gab es mehrere Baumaßnahmen, die für einen reibungslosen Strom der Pilger sorgen und einen Massenandrang verhindern sollen. So werden die Pilger heute so geleitet, dass sich ihre Wege nicht mehr kreuzen. Außerdem ließen die Behörden ein fünfstöckiges Gebäude bauen, von dem aus die Pilger nach islamischem Glauben den Teufel steinigen können.

1990 ereignete sich die bislang schlimmste Katastrophe im Zuge der Hadsch-Festlichkeiten. Damals kam es in einem überfüllten Fußgängertunnel zu den heiligen Stätten in Mekka ebenfalls zu einer Massenpanik. 1426 Pilger kamen ums Leben.

Krankenwagen vor einem Krankenhaus in Mina | Bildquelle: AFP
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Krankenwagen vor einem Krankenhaus in Mina

Mehr als zwei Millionen Muslime in Mekka

Nach Angaben saudischer Medien haben sich in diesem Jahr mehr als zwei Millionen Menschen auf die Pilgerfahrt nach Mekka gemacht, darunter fast 1,4 Millionen Gläubige aus anderen Ländern. Ein Großaufgebot von etwa 100.000 Sicherheitskräften sollte für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Immer wieder kommt es in Mekka während der Pilgerfahrt zu Unglücken. Erst wenige Tage vor Beginn der diesjährigen Wallfahrt waren mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen, als ein Kran bei einem schweren Unwetter auf die Große Moschee stürzte.

Hadsch

Der Hadsch ist die jährliche Pilgerfahrt gläubiger Muslime nach Mekka. Nach den Vorschriften des Korans soll jeder Muslim einmal in seinem Leben an einem Hadsch teilnehmen.

Die Pilger umrunden mehrmals die Kaaba, ein schwarzes, fensterloses Gebäude im Innenhof der Großen Moschee von Mekka. Bei ihren täglichen Gebeten richten sich Muslime in aller Welt auf die Kaaba aus.

Mit einem Morgengebet am Berg Arafat, rund 20 Kilometer südwestlich von Mekka, wird die Wallfahrt fortgesetzt. Auf dem Berg Arafat hat der Prophet Mohammed der Überlieferung zufolge im Jahr 632 n.Chr. drei Monate vor seinem Tod seine letzte Predigt gehalten. Vor den Toren von Mekka werfen die Gläubigen anschließend Steine auf drei Säulen - eine symbolische Steinigung der Versuchungen durch den Teufel.

Nach dem Ritual gehen sie zurück nach Mekka, um dort zum Abschluss des Hadsch ein weiteres Mal die heilige Kaaba zu umrunden. Anschließend beginnt das Opferfest Eid al-Adha. Die Pilger und Muslime auf der ganzen Welt schlachten Kühe, Schafe, Ziegen oder Kamele und teilen das Fleisch mit der armen Bevölkerung.

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