Viele Tote bei Hadsch-Gedränge | Bildquelle: REUTERS

Unglück in Mina Mehr als 450 Tote bei Hadsch-Gedränge

Stand: 24.09.2015 14:02 Uhr

Nach der Massenpanik während der islamischen Pilgerfahrt Hadsch in Saudi-Arabien hat der Zivilschutz die Zahl der Opfer weiter nach oben korrigiert. Mehr als 450 Gläubige kamen demnach ums Leben, mehr als 700 wurden verletzt.

Bei einer Massenpanik während der islamischen Wallfahrt Hadsch sind nahe Mekka neuen Angaben zufolge 450 Menschen zu Tode getrampelt worden. Mehr als 700 Gläubige seien verletzt worden, meldete das saudische Fernsehen unter Berufung auf die Zivilverwaltung. Die Opfer kamen aus unterschiedlichen Ländern. Mehr als 220 Krankenwagen und 4000 Rettungskräfte seien im Einsatz. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Zugangsstraßen wurden nach Angaben von Reuters-Korrespondenten abgeriegelt. Es werde alles unternommen, um große Menschenansammlungen zu vermeiden und die Pilger auf alternative Strecken umzuleiten, teilte der Zivilschutz mit.

Krankenwagen vor einem Krankenhaus in Mina | Bildquelle: AFP
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Krankenwagen vor einem Krankenhaus in Mina

Massenpanik trotz baulicher Veränderungen

Zu dem Unglück kam es demnach in der Nähe des Ortes Mina, wo die Gläubigen am dritten Tag der Wallfahrt symbolisch den Teufel steinigen. An einer Kreuzung habe es am Morgen plötzlich einen Stau gegeben, erläuterte die Zivilverteidigung. Dann sei eine Massenpanik ausgebrochen.

An der gleichen Stelle war bereits 2006 eine Massenpanik ausgebrochen. Damals waren 350 Gläubige ums Leben gekommen. Seitdem gab es mehrere Baumaßnahmen, die für einen reibungslosen Strom der Pilger sorgen und einen Massenandrang verhindern sollen. So werden die Pilger heute so geleitet, dass sich ihre Wege nicht mehr kreuzen. Außerdem ließen die Behörden ein fünfstöckiges Gebäude bauen, von dem aus die Pilger nach islamischem Glauben den Teufel steinigen können.

Sybille Müller, ARD Kairo, zur Massenpanik nahe Mekka
Mittagsmagazin, 24.09.2015

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Mehr als zwei Millionen Muslime in Mekka

Nach Angaben saudischer Medien haben sich in diesem Jahr mehr als zwei Millionen Menschen auf die Pilgerfahrt nach Mekka gemacht, darunter fast 1,4 Millionen Gläubige aus anderen Ländern. Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften sollte für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Immer wieder kommt es in Mekka während der Pilgerfahrt zu Unglücken. Erst wenige Tage vor Beginn der diesjährigen Wallfahrt waren mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen, als ein Kran bei einem schweren Unwetter auf die Große Moschee stürzte.

Hadsch

Der Hadsch ist die jährliche Pilgerfahrt gläubiger Muslime nach Mekka. Nach den Vorschriften des Korans soll jeder Muslim einmal in seinem Leben an einem Hadsch teilnehmen.

Die Pilger umrunden mehrmals die Kaaba, ein schwarzes, fensterloses Gebäude im Innenhof der Großen Moschee von Mekka. Bei ihren täglichen Gebeten richten sich Muslime in aller Welt auf die Kaaba aus.

Mit einem Morgengebet am Berg Arafat, rund 20 Kilometer südwestlich von Mekka, wird die Wallfahrt fortgesetzt. Auf dem Berg Arafat hat der Prophet Mohammed der Überlieferung zufolge im Jahr 632 n.Chr. drei Monate vor seinem Tod seine letzte Predigt gehalten. Vor den Toren von Mekka werfen die Gläubigen anschließend Steine auf drei Säulen - eine symbolische Steinigung der Versuchungen durch den Teufel.

Nach dem Ritual gehen sie zurück nach Mekka, um dort zum Abschluss des Hadsch ein weiteres Mal die heilige Kaaba zu umrunden. Anschließend beginnt das Opferfest Eid al-Adha. Die Pilger und Muslime auf der ganzen Welt schlachten Kühe, Schafe, Ziegen oder Kamele und teilen das Fleisch mit der armen Bevölkerung.

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