Martin McGuinness | Bildquelle: AFP

Martin McGuinness gestorben Vom IRA-Terroristen zum Friedensmacher

Stand: 21.03.2017 12:28 Uhr

Er war eine der prägenden politischen Figuren in Nordirland: der frühere IRA-Terrorist und spätere Vize-Regierungschef Martin McGuinness. Im Alter von 66 Jahren starb er nun an den Folgen einer Herzerkrankung.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Londonderry - oder Derry, wie Martin McGuinness sagen würde -, Anfang der 1970er-Jahre: Im Alter von nur 21 Jahren ist er in seiner nordirischen Heimatstadt die Nummer 2 in der Kommandostruktur der IRA - auch, als britische Soldaten am "Bloody Sunday" mehr als ein Dutzend Teilnehmer eines Marsches für Bürgerrechte töten. McGuinness setzt damals auf Gewalt, auf den bewaffneten Kampf, auf Bomben gegen die, wie er sagt, "britischen Besatzer".

Geboren 1950 in der Bogside, dem katholischen Viertel von Derry, wird McGuinness radikalisiert durch die Diskriminierung, die Katholiken in Nordirland erleben. Er sitzt eine Zeit lang im Gefängnis - und macht danach bei Sinn Fein Karriere, dem politischen Arm der republikanischen Bewegung. Doch er vertritt zunächst weiter die Haltung, dass nicht Wahlen den Iren die Freiheit bringen werden, sondern nur die Kampagne der IRA.

Vom Terrorist zum Friedensbefürworter

Seinen Traum eines wiedervereinigten Irland gibt McGuinness nicht auf, aber das Mittel der Gewalt: In den 1990er-Jahren propagiert er einen Waffenstillstand der IRA - und wird er zu einem der Chef-Unterhändler in den Gesprächen über das Karfreitagsabkommen, das 1998 den Friedensprozess besiegelt. Nach McGuinness' Tod gelte es zu würdigen, was dieser getan habe, um den blutigen Konflikt zu beenden, sagt Tony Blair, seinerzeit britischer Premierminister: "Wir müssen daran erinnern, was er für den Frieden getan hat, und seiner Rolle bei der Lösung eines der größten Konflikte der Welt gedenken."

An der Seite von Ian Paisley von der Großbritannien-treuen Protestanten-Partei DUP wird McGuinness 2007 schließlich zum Vize-Chef der Regionalregierung in Belfast: Die beiden sind ein ungleiches Paar, das die schwierige Vergangenheit und zugleich den Willen zur Aussöhnung verkörpert. Hoch symbolisch ist auch der erste Handschlag zwischen McGuinness und Königin Elisabeth II. im Jahr 2012, hatte doch die IRA 1979 den Onkel der Queen, Lord Mountbatten, ermordet.

McGuinness bei Staatsbankett auf Schloss Windsor

Später nimmt McGuinness sogar an einem Staatsbankett auf Schloss Windsor teil. Bei einer ihrer Begegnungen antwortet die Monarchin auf seine Frage, wie es ihr gehe, sie sei immerhin noch am Leben.

Martin McGuinness ist gestorben
S. Pieper, ARD London
21.03.2017 11:36 Uhr

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Die britische Premierministerin Theresa May erklärte, auch wenn sie niemals den Pfad billigen könne, den McGuinness früher in seinem Leben gewählt habe, so habe er schließlich doch einen historischen Beitrag geleistet auf Nordirlands Weg vom Konflikt zum Frieden. Sinn-Fein-Chef Gerry Adams sagte, sein Weggefährte habe Zeit seines Lebens Entschlossenheit, Würde und Demut gezeigt.

Es war ein langer Weg, so McGuinness kurz vor seinem Tod. Er habe mehr als ein Vierteljahrhundert daran gearbeitet, den Frieden aufzubauen, so der Ex-IRA-Kämpfer. Anfang des Jahres trat er als stellvertretender nordirischer Regierungschef zurück, bereits gezeichnet von seiner Herzkrankheit. Im Alter von 66 Jahren ist Martin McGuinness nun in der vergangenen Nacht gestorben.

Über dieses Thema berichteten am 21. März 2017 Inforadio um 10:22 Uhr und NDR Info ab 13:00 Uhr im "Mittagsecho".

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