Junge Abtreibungsgegnerinnen beim "March of life" | Bildquelle: AFP

"March for Life" in den USA Abtreibungsgegner im Aufwind

Stand: 28.01.2017 02:29 Uhr

Seit den 1970er-Jahren gehen beim jährlichen "March for Life"-Abtreibungsgegner in Washington D.C. auf die Straße. Mit dem neuen US-Präsidenten Trump keimt für sie die Hoffnung auf, dass Abtreibungen verboten werden.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Katy hat ihren 18 Monate alten Sohn mitgebracht, und ihren Bruder Patrick. Sie sind aus Baltimore nach Washington gekommen, zum "Marsch für das Leben". Sie erzählt, ihre Mutter brachte sie schon mit, als sie klein war. Patrick sagt: "Wir machen das schon eine lange Zeit, ich glaube, es ist die größte friedliche Demonstration in Washington D.C., jedes Jahr."

Den Marsch gibt es seit 1974. Jedes Jahr kommen zehntausende Abtreibungsgegner nach Washington. Kirchengemeinden und Jugendgruppen, aus dem ganzen Land. Chrissie aus Florida verteilt Protestschilder: Sie glaube einfach, ein Land, das seine eigenen Kinder töte, habe keine Zukunft.

Linda aus Missouri ergänzt, es gehe um ein Leben. Gott habe Leben geschaffen, das "sehr emotional, sehr besonders" sei.

Eine Demonstration von Abtreibungsgegnern in Washington | Bildquelle: AP
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Wie viele Demonstranten genau zusammenkamen, ist noch nicht klar.

Anfang der 1970er wurden Abtreibungen legalisiert

Anlass für den "Marsch für das Leben" war eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes: Anfang der 1970er-Jahre erlaubte er Abtreibungen. Ein Erfolg für die Frauenrechtsbewegung - eine Fehlentscheidung für die Abtreibungsgegner. Sie kämpfen seitdem dafür, dass das Verbot wieder eingeführt wird.

Nach der Wahl haben sie neue Hoffnung: Für den neuen US-Vize-Präsidenten Mike Pence ist die Demonstration ein Heimspiel. Er ist konservativ, tief religiös, der erste Vize-Präsident, der beim "Marsch für das Leben" auftritt: "Ich glaube seit langem, dass eine Gesellschaft danach bewertet werden kann, wie wir für die Verletzbarsten sorgen. Die Alten, Gebrechlichen und die Ungeborenen", so Pence.

Trump-Beraterin Conway spricht auf einer Kundegebung von Abtreibungsgegnern | Bildquelle: AFP
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Die neue Regierung unterstützt die Abtreibungsgegner: Trump-Beraterin Conway sprach wie US-Vizepräsident zu den Demonstranten.

Aus seiner Sicht ist es ein guter Tag für den Marsch, vielleicht der beste überhaupt. US-Präsident Donald Trump und er wollen mit dem Kongress dafür sorgen, dass die Anbieter von Abtreibungen keine Bundesmittel mehr bekommen. Entscheidend auch: Der Oberste Gerichtshof. Dort ist ein Richtersitz vakant.

Pence verspricht neuen konservativen Richter

Pence verspricht: "Präsident Trump wird einen Kandidaten für den Obersten Gerichtshof ernennen, der die gottgegebenen Freiheiten hochhalten wird, bewahrt in unserer Verfassung, in der Tradition des großen Richters Antonin Scalia." Scalia war konservativ und Abtreibungsgegner.

Abtreibung spaltet die Amerikaner: Laut einer Umfrage des Pew-Centers sind knapp 60 Prozent dafür, dass Abtreibungen erlaubt werden, fast 40 Prozent dafür, dass sie verboten werden. Die Gegner von Abtreibungen finden sich besonders bei den Republikanern.

Die Wahl von Donald Trump ist für die Teilnehmer beim "Marsch für das Leben" ein Hoffnungszeichen, so wie für Jim aus New Jersey: "Das Volk hat gesprochen, in dem es Donald Trump gewählt hat und nicht Hillary Clinton. Wir wollen was anderes, nicht dieses barbarische Verhalten, unsere Kinder zu töten."

Allerdings war Trump nicht immer strikt gegen Abtreibung - im Wahlkampf änderte er seine Position mehrmals, bevor er sich schließlich zum Abtreibungsgegner erklärte. Greg aus Wisconsin räumt ein, es habe etwas gedauert. Aber nun ist er mit Trumps Haltung einverstanden. Sie hoffen, dass das Letzte, was er gesagt hat, das Beste sei.

Abtreibungsgegner demonstrieren beim March for Life in Washington
Jan Bösche, ARD Washington
28.01.2017 00:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Januar 2017 um 10:00 Uhr.

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