Die Assouna-Moschee in der marokkanischen Hauptstadt Rabat | Bildquelle: AFP

Energiewende in Marokko Predigt unter Solarzellen

Stand: 07.11.2016 13:18 Uhr

Marokko hat ambitionierte Pläne für eine Energiewende. Bis 2030 soll mehr als die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Dafür hat sich das Königreich nun an ganz besondere Gebäude gewagt: Moscheen. Innerhalb der kommenden Jahre soll ein Großteil der 55.000 Moscheen im Land "grün" werden. Dafür werden die Gebäude umgebaut. Aber das soll nur der Anfang sein.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Rabat

Marokko, in der Hauptstadt Rabat. Wie jeden Tag ruft der Muezzin in der Assounna-Moschee die Gläubigen zum Gebet. Was viele von ihnen nicht wissen: Ihre Moschee ist die erste grüne Moschee des Landes, umweltfreundlich und energieeffizient. An den Kronleuchtern in den Gebetsräumen leuchten LED-Lampen; auf dem Dach brummen Solaranlagen, erzeugen Strom und Warmwasser. Die "grünen Moscheen" sind Teil eines landesweiten Projekts, sagt Jan-Christoph Kuntze von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die an dem Projekt beteiligt ist: "Ich glaube, dass dieses Projekt ein ganz wichtiger Teil der marokkanischen Energiewende ist. Dieses Vorhaben versucht auf verschiedenen Ebenen, die marokkanische Bevölkerung zu sensibilisieren und das auch über Multiplikatoren wie beispielsweise über Imame und Lehrkräfte in Koranschulen."

Das Modell einer Moschee mit Solarzellen auf dem Dach | Bildquelle: Dunja Sadaqi
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Wie dieses Modell sollen künftig Tausende Moscheen in Marokko aussehen.

Mythen werden entkräftet

Die Imame lernten dabei, Predigten "grüner" zu machen - etwa, indem sie Erzählungen aus dem Koran mit Umweltthemen verbinden. Außerdem wollen sie so mit Gläubigen ins Gespräch kommen und erklären, wie sie selbst zu Hause zum Beispiel Strom sparen könnten. Trotz Energiewende muss Marokko immer noch Energie importieren. Bei der teuren Stromrechnung zu sparen, sei für viele Marokkaner daher attraktiv, meint Jan-Christoph Kuntze von der GIZ. Auch viele Unternehmen seien daran interessiert, Energie zu sparen. Sie wüssten aber oftmals nicht, an wen sie sich wenden können. Zudem mangele es an Fachkräften.

Dass für das Projekt Umbauarbeiten an religiösen Gebäuden vorgenommen werden, war im mehrheitlich islamisch-konservativen Marokko nicht unumstritten. Doch Ahmed Bouzid von der staatlichen Energieinvestitionsgesellschaft SIE sagt: "Durch das Programm entkräften wir Mythen gegenüber erneuerbaren Energien. Das Licht in der Moschee ändert sich nicht, weil wir für die LED-Lampen die gleiche Farbe verwenden. Von außen kann man die Installationen nicht sehen. Wenn die Leute dann die Ergebnisse sehen, wollen sie diese Technologie auch für sich zuhause. Weil sie zuverlässig funktioniert, nicht teuer und rentabel ist."

Ministerium spart ordentlich

Der Solarpark Noor 1 in Marokko
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Nicht nur auf Moscheen: Marokko hat riesige Solarparks angelegt wie hier bei Ouarzazate.

Bald sollen grüne Moscheen mit Schildern ausgestattet sein, die anzeigen, wie viel Energie die Moschee erzeugt. Das Projekt wurde vom marokkanischen Energie- und Religionsministerium initiiert - denn das zahlt die Strom- und Wasserrechnungen der rund 55.000 Moscheen im Land. Die Assounna-Moschee sei ein Beispiel dafür, dass sich der Umbau lohne, sagt Ahmed Bouzid von SIE: "Im vergangenen Monat lag die Strom- und Wasserrechnung bei etwa 80 bis 100 Euro. Im Vorjahr waren es noch 600 Euro! Die erneuerbaren Energien haben also extrem wichtige Einsparungen gebracht."

Und nicht nur günstiger soll es werden. Die Projektpartner wollen durch die Ausbildung von Fachkräften die Nachfrage nach erneuerbaren Energien ankurbeln. Viele Firmen und Privatleute haben aber Zweifel: Sie sorgen sich, dass die Geräte zur Energiegewinnung nicht zuverlässig funktionieren und ohne richtige Wartung schnell kaputt gehen. Installateure wiederum fürchten falsche Handhabung durch unwissende Kunden. Das Vertrauen muss erst noch gefestigt werden. Dafür sind die grünen Moscheen ein Anfang. Bisher wurden rund 40 grüne Moscheen im Land aufgerüstet. Zehntausende sollen folgen.

Predigt unter Solarzellen
D. Sadaqi, ARD Rabat
07.11.2016 12:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. November 2016 um 08:52 Uhr

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