Migranten versuchen, den Grenzzaun von Ceuta zu überwinden. | Bildquelle: REUTERS

Vor Außengrenze der EU Marokko geht gegen illegale Migration vor

Stand: 12.08.2018 17:43 Uhr

Die Zahl der Menschen, die über Marokko nach Spanien illegal einreisen, stieg zuletzt wieder an. Nun gehen marokkanische Sicherheitsbehörden offenbar verstärkt gegen Migranten im Grenzgebiet vor.

Immer mehr Migranten versuchen, mit dem Boot nach Spanien oder über die Zäune in die Exklaven zu gelangen: Jetzt sollen marokkanische Sicherheitsbehörden mehrere hundert Migranten aus den nördlichen Küstenregionen ins Landesinnere gebracht haben.

Ein Behördenvertreter in der Hafenstadt Tanger sprach im Interveiw mit der Nachrichtenagentur AFP von einem "Einsatz im Rahmen des Kampfes gegen illegale Migration". 1600 bis 1800 Migranten seien in Orte gebracht worden, "in denen bessere Lebensbedingungen herrschen". Nichtregierungsorganisationen vermuten, dass sie dadurch von der Überfahrt über das Mittelmeer nach Europa abgehalten werden sollen.

Migranten klettern über einen Zaun der spanischen Exklave Melilla
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Migranten klettern über einen Zaun der spanischen Exklave Melilla - auf der marokkanischen Seite bei Nador gehen die Behörden offenbar gegen Migranten vor. (Archivbild)

Menschenrechtler berichten von Razzien

Der Marokkanische Verband für Menschenrechte (AMDH) berichtet, dass es seit Mitte vergangener Woche unter anderem in den Städten Nador und Tanger verstärkt zu Razzien und Festnahmen von Migranten gekommen sei. Mehrere Zeltlager in den Wäldern nahe der spanischen Exklave Melilla seien zudem zerstört worden.

Allein im marokkanischen Nador schätzt der Verband die Zahl der festgenommenen Migranten auf mehr als 600. In Bussen seien die vor allem aus Ländern südlich der Sahara stammenden Menschen in Richtung Süden gebracht worden. Teilweise seien die Flüchtlinge in den Bussen mit Handschellen aneinandergekettet worden. Die Organisation spricht von schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen.

Mehr Ankünfte in Spanien

Auch Marokkos Nachbarland Algerien ging zuletzt vehement gegen illegal eingereiste Migranten vor. Mitte vergangenen Monats hatten algerische Behörden nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration mehrere hundert Migranten festgenommen und in der Wüste im Süden des Landes ausgesetzt.

Das Vorgehen der marokkanischen Behörden gegen Migranten in der Region ist nicht neu. NGOs dokumentierten in der Vergangenheit ähnliche Vorfälle. Zuletzt hatten immer mehr Migranten, die versuchen über die nordafrikanischen Staaten nach Europa zu gelangen, die Route über Marokko gewählt. In diesem Jahr sind nach UN-Angaben bereits mehr als 28.000 Menschen von Marokko aus nach Spanien gelangt. Damit liegen die Ankünfte schon im August auf Niveau des gesamten Vorjahres.

Kanzlerin Angela Merkel führte am Wochenende Gespräche mit Ministerpräsident Pedro Sánchez in Spanien. Dort begrüßte sie die mit Spanien getroffene Vereinbarung zur Rücknahme bestimmter Flüchtlinge. Mit dem Abkommen könne man "mehr Ordnung in die Sekundärmigration" bringen, sagte sie.

Mit Informationen von Alexander Göbel, ARD-Studio Rabat

Marokko: Behörden schicken Hunderte Migranten nach Süden
Alexander Göbel, ARD Rabat
12.08.2018 16:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. August 2018 um 14:06 Uhr.

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