Gemälde von John William Waterhouse: "Hylas und die Nymphen" | Bildquelle: imago/United Archives Internatio

Museum hängt Bild ab Ist es Kunst oder Sexismus?

Stand: 02.02.2018 14:27 Uhr

Ein Museum in Manchester nimmt ein Bild von der Wand und behauptet, so eine Debatte über die Geschlechterdarstellung auslösen zu wollen. Kritiker sprechen dagegen von Zensur.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Sinnlich ist "Hylas und die Nymphen" und mit viel nackter Haut - und jetzt hängt das Bild nicht mehr an der Wand der Manchester Art Gallery. Nur vorübergehend natürlich, verspricht Clare Gannaway. Und es gehe auch gar nicht um dieses einzelne Bild, betont die Kuratorin der Manchester Art Gallery. Ihr passe die ganze Richtung nicht, mit der ihr Museum diese Bilder ausstellt. Das sei ein hausbackener viktorianischer Bereich, in dem sich seit dem Umbau vor 16 Jahren nichts mehr geändert habe.

Die Art Gallery hat sich auf englische Künstler spezialisiert - einer davon ist John William Waterhouse. Von ihm stammt auch eines der bekanntesten Werke im Museum - "Hylas und die Nymphen", gemalt 1896.

Manchester Art Gallery | Bildquelle: dpa
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Die Manchester Art Gallery hat das Bild "Hylas und die Nymphen" von der Wand genommen.

Verbannen als Kunst

Vor diesem Bild hätte sie zusammen mit Sonia Boyce gestanden, erzählt Gannaway - einer Künstlerin, die im März hier ausstellen wird. Boyce arbeitet mit allen möglichen Medien: Malerei, Druck, Fotografie, aber auch mit Video-Installationen. "In Sonias Kunst geht es darum, Menschen zu versammeln und zu schauen, was passiert. Und wir vom Museum haben uns mit ihr getroffen und darüber geredet, wie wir die Darstellung der Geschlechter in unserem Museum finden."

Die Gruppe fand das alles zumindest fragwürdig und nahm das bekannteste Bild von der Wand. Die Aktion wurde gefilmt und soll bei der Boyce-Ausstellung später zu sehen sein. An der Stelle hängt nun eine Notiz, die den Vorgang erklärt. Drumerhum sollen Besucher auf Post-its ihre Kommentare hinterlassen, außerdem wurde ein Hashtag aufgesetzt, unter dem die Aktion im Internet diskutiert werden kann.

Kritiker sprechen von PR und Zensur

Rupert Maas, ein Galerist aus London, glaubt, dass alles nur ein PR-Gag ist. Das Bild abzunehmen und die Postkarten aus dem Museumsshop zu verbannen, sei doch kein angemessener Umgang mit Kunst, findet Maas. "Hier wird der Öffentlichkeit ein Bild verweigert, das sie gern sieht. Was würden Sie sagen, wenn Sie ins Kino gehen, und dann wird dort kein Film gezeigt? Oder einer, den Sie gar nicht sehen wollten? Ich finde es wirklich sehr arrogant, so zu handeln."

Ein Besucher befestigt ein Zettelchen mit einem Kommentar an der Stelle, an der das Gemälde ''Hylas und die Nymphen'' (1896) von John William Waterhouse in der Manchester Art Gallery ausgestellt war. | Bildquelle: dpa
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Ein Besucher befestigt ein Zettelchen mit einem Kommentar an der Stelle, an der das Gemälde "Hylas und die Nymphen" (1896) von John William Waterhouse in der Manchester Art Gallery ausgestellt war.

Natürlich gehe es in dem Bild um Sexualität und die Haltung dazu, sagt Maas. Aber darüber müsse man eben mit diesem Bild diskutieren, nicht ohne. "Wir könnten eine lange Debatte über Sexualität in der modernen Welt haben. Denken Sie an Big Brother oder andere Fernsehformate, in denen Sexualität ganz vorne steht - darüber sollten wir reden. Aber nicht in einer Art von Zensur, ein Bild von der Wand zu nehmen. Das ist der neue Faschismus. Ich finde das nicht gut", empört sich der Galerist.

Möglichkeit für Debatten und Diskussion

Auch die Kommentare auf der Internet-Seite des Museums sind ganz überwiegend kritisch. Manche wollen das Museum nicht mehr besuchen, bis das Bild wieder an der Wand hängt. Andere fragen, ob sie das Gemälde haben können, wenn das Museum es doch nicht mehr brauche. Kuratorin Gannaway sieht das alles gelassen: "Es geht hier auch nicht um mich allein als Kuratorin. Es war ein Prozess in der Gruppe, den wir durchlaufen haben, und den wir für Debatte und Diskussion öffnen wollten."

Das ist ihr gelungen. Eines Tages, verspricht Gannaway, werde das Bild auch wieder in ihrem Museum hängen - dann aber mit einem anderen Kontext, hofft die Kuratorin.

Sexismus-Debatte: Manchester Art Gallery hängt Gemälde ab
Thomas Spickhofen, ARD London
02.02.2018 13:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Februar 2018 um 14:54 Uhr.

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