Ein Graffito auf einer Mauer gegen Massentourismus | Bildquelle: AFP

Sommerferien-Ende Mallorca erholt sich von Touristen

Stand: 09.09.2017 13:44 Uhr

Die Balearen-Insel Mallorca hat ächzend die Sommerferien überstanden - und damit einen historischen Touristenansturm. Mit einer Art Obergrenze für Urlauber wappnet sich die Insel für die nächste Saison.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Den 29. Juli 2017 wird Francisco so schnell nicht vergessen. Er arbeitet bei der Gepäckabfertigung am Flughafen Palma - und musste an jenem Samstag so viele Koffer verladen wie nie. Denn zum ersten Mal überhaupt wurden an einem Tag 180.000 Passagiere abgefertigt. "Mehr Arbeit geht einfach nicht, ein Desaster. An solchen Tagen ist so viel zu tun, dass uns zum Beispiel die Gepäckwagen ausgehen", sagt er.

Größere Pannen blieben aus

4000 Mann hat der Flughafen in diesem Sommer für die Gepäckabfertigung angestellt, damit war das Team doppelt so groß wie in der Nebensaison. Die Koffer-Verlader haben offenbar einen guten Job gemacht, größere Pannen gab es nicht, die Passagiere mussten nicht ungewöhnlich lange auf ihr Gepäck warten.

Ein Mitarbeiter des Flughafens auf Mallorca.
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Kofferverlader Francisco am Flughafen von Palma

Noch bis Ende September sollen am Flughafen Palma täglich rund 800 Maschinen abgefertigt werden. Für die allermeisten Urlauber geht es nach der Landung gleich an die Playa de Palma und die anderen Touristenhochburgen an der Süd- und Ostküste der Insel.

Ferienanlagen teils komplett ausgebucht

Die Hotels dort meldeten im Juli und im August eine Auslastung von über 90 Prozent, viele Ferienanlagen waren komplett ausgebucht. Tagsüber hieß das: überfüllte Strände - abends und nachts überfüllte Strandpromenaden und Partymeilen. Doch wer dort hin ging, dem gefiel es.

"Man hat es sich schlimmer vorgestellt. Wir hatten schon Angstattacken gehabt, ob wir überhaupt unser Hotelzimmer bekommen, weil es hieß, es sei überbucht", erzählt eine deutsche Urlauberin. "Aber es hat alles super geklappt. Ich finde es nicht extremer als all die anderen Jahre." Ein weiterer Tourist sagt: "Ich hab es mir viel voller vorgestellt. Aber ich finde es noch angenehm."

Obergrenze für Touristen

Für die Balearen-Regierung war die Insel in diesem Sommer aber zu voll. Sie hat ein neues Tourismusgesetz durchs Parlament gebracht - darin ist eine Art Urlauber-Obergrenze festgelegt: Hotel-Neubauten sind erst einmal verboten, Wohnungsbesitzer dürfen ein Jahr lang keinen Antrag stellen, ihre Zimmer an Touristen zu vermieten. Die Zahl der Ferienbetten auf Mallorca ist damit auf 430.000 limitiert.

Der Bürgermeister von Palma de Mallorca
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Antoni Noguera, Bürgermeister von Palma de Mallorca

Die Stadt Palma möchte außerdem stärker gegen den Sauftourismus vorgehen, vor allem am sogenannten Ballermann und in der Schinkenstraße, sagte Bürgermeister Antoni Noguera im Interview mit dem ARD-Studio Madrid: "Diese Zone ist der Schandfleck der Playa de Palma, wo es fast nur darum geht, die Urlauber mit Alkohol zu versorgen. Im Juni tauchte dort auch eine Gruppe Neonazis auf. Wir müssen die Veranstalter dazu bringen, dass sie ihr Geschäftsmodell ändern und auf Qualitätstourismus setzen", sagt Noguera.

Demos gegen Massentourismus

Immer wieder haben in diesem Sommer Mallorquiner gegen den Massentourismus demonstriert - konkret gegen die Auswirkungen für die Inselbewohner: Umweltprobleme wegen der Tausenden Mietwagen auf Mallorca, kaum bezahlbarer Wohnraum wegen der vielen Ferienvermietungen.

Für den 23. September haben Umweltverbände zu einer Großkundgebung in Palma aufgerufen - das Motto: "So weit ist es gekommen, stoppt den Massentourismus!"

Es gibt noch Fleckchen ohne Massentourismus

Aber: Mallorca war in diesem Sommer nicht überall überfüllt. Vor allem in der Bergkette Tramunatana im Norden gibt es immer noch Orte ohne Massentourismus. Wer von der Playa de Palma mal nach Bunyola oder Fornalutx fährt, glaubt, auf einer ganz anderen Insel zu sein.

Ende der Sommerferien: Mallorca schnauft etwas durch
Oliver Neuroth, ARD Madrid
09.09.2017 12:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. September 2017 um 20:00 Uhr.

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