Bundeswehr-Ausbilder in Koulikoro (Mali)

Friedensprozess ins Stocken geraten Viel Engagement, wenig Fortschritt in Mali

Stand: 09.10.2016 13:05 Uhr

Mali steckt noch immer in der Krise - der Friedensprozess stockt. Islamisten greifen UN-Blauhelme an, die von 570 Bundeswehrsoldaten in ihrer Arbeit unterstützt werden. Kanzlerin Merkel will wichtige Impulse für den Friedensprozess geben.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Rabat

Deutschland hat sich engagiert in Mali - und zwar erheblich. Etwa 570 Bundeswehrsoldaten sind in Gao, im Norden des Landes stationiert. Sie betreiben Aufklärung für die Friedenstruppe der Vereinten Nationen, MINUSMA. Weitere Bundeswehrsoldaten helfen dabei, die malische Armee auszubilden. Und außerdem engagiert sich Deutschland in der Entwicklungshilfe für Mali.

Dennoch: Mali kommt wirtschaftlich nicht recht voran. Und der Friedensprozess im Land, der Versuch, Milizen und Dschihadisten in den Griff zu bekommen, stockt ebenfalls. Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht also heute ein Land, das immer noch tief in der Krise steckt.

Lied als Warnung: "Passt auf, Ihr Regierenden"

Nasser Maiga sitzt in seinem winzigen Wohnzimmer auf dem Boden und singt. Sein Lied ist eine Warnung: "Passt auf, Ihr Regierenden", singt Nasser. Er ist Musiker in Gao, im Norden von Mali. Die Politiker in der 1000 km entfernten Hauptstadt Bamako sollten aufpassen, dass ihnen die Bevölkerung nicht aufs Dach steigt. Nasser Maiga singt von all den Schwierigkeiten, mit denen die Menschen in der Region Gao tagtäglich kämpfen: "Ich möchte den Regierenden sagen, dass sie den armen Leuten kein Geld bezahlen müssen. Aber was sie brauchen sind Krankenhäuser, Lebensmittel, Medikamente, Trinkwasser. Das wird gefordert. Und es kommt nicht."

Gao ist ein Verkehrsknotenpunkt. Von hier aus führen Straßen in die Nachbarländer Niger und Algerien. Von hier aus fährt man weiter nach Westen, nach Timbuktu. Aber alle diese Straßen sind gefährlich. Das bestätigt Sedou Traoré, der von der malischen Zentralregierung als Gouverneur in die Region Gao geschickt worden ist: "Die Situation ist stabil. Aber sie bleibt unberechenbar: Hier werden Sprengfallen gelegt. Raubüberfälle verübt. Autos gestohlen."

Gao hat sich auch nach seiner Befreiung von Dschihadisten-Gruppen 2013 nicht wirklich erholt. Hier sind Milizen entstanden, Bürgerwehren und kriminelle Banden.

Düstere Lage im Norden des Landes

Weiter oben im Norden Malis sieht die Lage noch düsterer aus. In Kidal kämpfen Milizen gegeneinander um die Kontrolle der Stadt. Der malische Staat ist dort nicht präsent: Weder mit einem Gouverneur, noch mit seiner Armee, schon gar nicht mit seiner Justiz.

Malis Präsident Ibrahim Boubakar Keita regiert das Land seit mehr als drei Jahren. Als im Februar Bundespräsident Joachim Gauck zu Besuch kam, ging es - natürlich - auch um die Lage im Norden, insbesondere um den Mangel an Sicherheit - um die Attentate gegen Soldaten der Friedenstruppe der Vereinten Nationen.

Malis Präsident sagte Folgendes: "Man muss eine Lösung für dieses Problem finden. Kidal kann nicht länger eine offene Wunde bleiben, ein Ort, wo jeden Tag gekämpft wird. Und an dem die Internationale Gemeinschaft und wir selbst praktisch nur zuschauen können. Nein! Das geht nicht."

Lage in Mali: Viel Engagement, wenig Fortschritte?
Jens Borchers, ARD Rabat
09.10.2016 12:59 Uhr

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Gauck: Malische Regierung muss Probleme lösen

Schon damals im Februar wurde Gauck in seiner Antwort auf den malischen Staatschef ungewöhnlich deutlich: "Frieden im Land bedeutet ja auch, dass der Staat Präsenz zeigen muss - auch im Norden. Daher sehen wir jetzt die malische Regierung in einer sehr entscheidenden Phase. Sie und nicht die ausländischen Akteure. Die malische Regierung ist der zentrale Akteur bei der Umsetzung der vereinbarten Ziele."

Aus der Diplomatensprache übersetzt heißt die Botschaft für Malis Mächtige: Ihr seid dran. Wir haben Soldaten geschickt und Entwicklungshilfe. Jetzt muss die malische Regierung selbst die entscheidenden Schritte tun, um das Land voranzubringen.

Bessere Einbindung aller Gruppen nötig

Jetzt, gut acht Monate nach dem Gauck-Besuch in Mali, kommt die Bundeskanzlerin. Und aus deutschen Regierungskreisen heißt es: Der Friedensprozess in Mali gehe nur schleppend voran, nicht alle Gruppen seien darin eingebunden. Dazu wolle Merkel den malischen Präsidenten ermuntern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 09. Oktober 2016 um 22:39 Uhr

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