Forensiker untersuchen im August 2017 im Hafen von Kopenhagen das U-Boots Madsens. | Bildquelle: AP

Prozess im Fall Kim Wall Ein Verbrechen wie aus einem Thriller

Stand: 08.03.2018 09:15 Uhr

Zum Auftakt seines Mordprozesses in Kopenhagen hat der U-Boot-Tüftler Peter Madsen den Mord an Kim Wall erneut geleugnet. Er soll sie in seinem U-Boot gefoltert und getötet haben.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

"Dieser Fall hat einfach alles", sagt Kurt Kragh. "Eine völlig absurde Kriminalgeschichte mit einem sexuell motivierten Mord in einem U-Boot. Das ist wirklich spektakulär." Kragh war lange Jahre Leiter der dänischen Mordkommission, aber so etwas hat er noch nicht erlebt: ein Gewaltverbrechen wie aus einem Nordic-Noir-Thriller.

Peter Madsen, ein Tüftler, Raketen- und U-Boot-Bauer, ist wegen Mordes, Folter und Leichenschändung angeklagt. Er soll die schwedische Journalistin Kim Wall bestialisch getötet und ihre Leiche sexuell missbraucht haben. Weitere Einzelheiten nannte Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen bei der Anklageerhebung im Januar nicht. Nur so viel: Es handle sich um einen äußerst seltenen und extrem schweren Fall, sagte er und bat um Verständnis dafür, "dass wir die weiteren Beweise nicht den Medien, sondern dem Gericht vorlegen werden".

Madsen bestreitet Mord

Jetzt ist es soweit: "Peter Madsen wurde in der rechtspsychiatrischen Klinik in Kopenhagen untersucht und man ist zu dem Schluss gekommen, dass er schuldfähig ist und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden kann", verkündet Buch-Jepsen. "Das Gutachten kommt weiter zum Schluss, dass Madsen auch zu einer anschließenden Sicherungsverwahrung verurteilt werden kann."

Mitte August vergangenen Jahres war Madsen mit Wall an Bord zu einer Fahrt im selbst gebauten U-Boot "Nautilus" aufgebrochen. Das Boot sank, Madsen wurde gerettet, die 30-Jährige blieb zunächst vermisst. Dann wurde ihr durch Messerstiche verletzter Torso an einem Küstenstreifen bei Kopenhagen gefunden. Taucher fanden später Kleidung, Beine, Arme und den Kopf der Toten, der keine Verletzungsspuren zeigte.

Damit schien Madsens Behauptung widerlegt, nach der die Frau vom auf sie fallenden Turmluk erschlagen worden sei. Der 47-Jährige bestreitet nach wie vor den Mordvorwurf, hat aber zugegeben, die Leiche zerstückelt und ins Meer geworfen zu haben. Die Anklage dagegen geht von Mord aus sexuellen Motiven aus.

Peter Madsen | Bildquelle: REUTERS
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Peter Madsen bei seiner Ankunft im Hafen von Kopenhagen am 11. August 2017

Schwere Tage für die Angehörigen

Ex-Mordkommissionschef Kargh sieht die Sache so: "Er kann diese Fantasien über Jahre gehabt und ihre Umsetzung geplant haben, auch ohne ein konkretes Opfer zu kennen. Bei den meisten Psychopathen bleiben solche Gewaltgelüste nur im Kopf, sie führen sie nie wirklich aus." Doch bei Madsen habe es wohl eines Tages "klick" gemacht. "Er nahm Kontakt mit Kim Wall auf und sie wurde sein zufälliges Opfer."

Walls Eltern haben inzwischen eine Stiftung nach ihrer Tochter benannt, die junge talentierte Journalistinnen wie sie fördern soll. Ihnen stehen mit dem Prozess besonders schwere Tage bevor, aber das Mitgefühl der Dänen und Schweden sollte ihnen zumindest ein wenig helfen, meint Annie aus Kopenhagen und sagt, was heute viele meinen. "Jeder denkt daran, jeder ist berührt, das ist schon ungewöhnlich. Ich meine, dieses Schwein, er hat etwas versucht mit ihr und sie wollte nicht. Und was dann passiert ist, weiß keiner."

Das soll sich in den kommenden Wochen ändern und wird mit Sicherheit angesichts der mutmaßlichen Grausamkeit nur schwer erträglich sein. Fast 40 Zeugen werden gehört, Madsen selbst wird mehrfach befragt. Mit dem Urteil wird dann am 25. April gerechnet.

Anklage: Mord, Folter, Leichenschändung
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
08.03.2018 08:58 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 08. März 2018 NDR Info um 06:08 Uhr und tagesschau24 um 09:00 Uhr in einem Schwerpunkt.

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