Emanuel Macron im TV-Duell | Bildquelle: AFP

Verleumdungsklage von Macron TV-Duell mit juristischem Nachspiel

Stand: 04.05.2017 15:12 Uhr

Wenige Stunden vor dem TV-Duell in Frankreich tauchte in einem Onlineforum ein Vorwurf auf: Emmanuel Macron unterhalte ein Offshore-Konto auf den Bahamas. Weil Marine Le Pen das Gerücht vor laufender Kamera streute, reichte Macron nun Klage ein.

"Ich hoffe, dass man nicht herausfinden wird, dass Sie ein Offshore-Konto auf den Bahamas haben." Mit diesem Satz brachte Marine Le Pen im TV-Duell ihren Gegner Emmanuel Macron gegen sich auf. Denn der Vorwurf könnte sich für den französische Präsidentschaftskandidat zu einem Problem entwickeln. Deshalb reagierte er nun mit einer Anzeige wegen Verleumdung gegen Unbekannt. "Fälschung" und "Verbreitung einer Falschnachricht", wirft das Umfeld des parteilosen Ex-Wirtschaftsministers dem Urheber der Nachricht vor. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete Vorermittlungen ein.

Erst im Onlineforum, dann beim TV-Duell

Nach Angaben aus Macrons Umfeld war die "Fake News" über Macrons angebliches Offshore-Konto zunächst von einem anonymen Nutzer im Onlineforum "4chan" gepostet worden. Dann machte sie in den sozialen Netzwerken die Runde. Verbreitet wurden die Angaben demnach unter anderen von Anhängern von US-Präsident Donald Trump und von Nutzerkonten mit Verbindungen zu den russischen Medien "Sputnik" und "Russia Today". Demnach zirkulieren Dokumente mit einer gefälschten Unterschrift Macrons.

Macron warf Le Pen vor, "Lügen" und "Fake News" zu verbreiten, die von Internetseiten mit teilweise "russischen Interessen" stammten. Im französischen Sender BFMTV äußerte sich Le Pen zu den Vorwürfen. Die Frage, ob sie Macron formell beschuldige, verneinte sie deutlich. "Hätte ich dafür Beweise, hätte ich sie vorgelegt", sagte die Rechtsextreme.

Macron gilt als Favorit

Die französische Regierung hatte immer wieder vor einer russischen Einflussnahme auf die Präsidentschaftswahl in Frankreich gewarnt, unter anderem durch Hackerangriffe und die Verbreitung von Falschinformationen. Le Pen gilt als ausgesprochen russlandfreundlich. Im März empfing der russische Präsident Wladimir Putin die Front-National-Kandidatin in Moskau.

Le Pens Wahlkampfteam wiederum teilte mit, ein Hacker habe wiederholte Angriffe auf die Webseite der Rechtspolitikerin gestanden. Aus der veröffentlichten Erklärung ging nicht hervor, wie schwer diese Angriffe waren. Auch der Zeitpunkt wurde nur vage mit "diese Woche" gehalten.

Macron und Le Pen kämpfen um den Einzug in den Élyséepalast, Macron gilt als Favorit in der Stichwahl am Sonntag.

Über dieses Thema berichtete am 04. Mai 2017 die tagesschau um 12:00 Uhr und Deutschlandfunk um 16:00 Uhr.

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