Smog in Neu-Delhi | Bildquelle: AFP

Smog in Neu-Delhi Heute besser nicht atmen

Stand: 31.10.2016 11:49 Uhr

Die alarmierenden UNICEF-Daten zur Luftverschmutzung dürften in Indien niemanden überraschen. Smog ist hier ein Dauerthema - besonders in der kälteren Jahreszeit. Ganz schlimm ist es am Tag nach dem Diwali-Fest mit seinen großen Feuerwerken.

Von Sandra Petersmann, ARD-Studio Neu-Delhi

Der Stau ist genauso chronisch wie die schlechte Luft. Wenn es die Möglichkeit gäbe, in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi heute komplett auf das Atmen zu verzichten, würden rund 22 Millionen Menschen hier aktiv ihre Gesundheit schützen. Delhi erstickt mal wieder im Smog. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Millionen von Indern haben am Sonntag mit einer Feuerwerks-Kanonade Diwali gefeiert - das Fest der Lichter, den wichtigsten hinduistischen Feiertag im Land. Waren es früher nur ein paar Kracher, knallt und qualmt es heute im Überfluss. Immer lauter, immer bunter, immer höher, immer mehr - bis sich der Rauch zu einer giftigen, teilweise gelb-milchigen Smog-Glocke konzentriert.

Feuerwerk zum Diwali-Fest in Indien | Bildquelle: AP
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Feuerwerk zum Diwali-Fest im indischen Jammu

"Nachweislich verringerte Lungenfunktionen"

"Eine chronisch hohe Luftverschmutzung führt zur Entzündung der Lunge. Und diese Entzündung weitet sich dann auf die Blutgefäße aus und erhöht das Schlaganfallrisiko", erklärt der Lungenspezialist Randeep Guleria. Die leidtragenden seien vor allem Senioren und Kinder. "Wenn das Kind in seiner Entwicklungsphase einer hohen Luftverschmutzung ausgesetzt ist, weil es draußen lebt oder draußen spielt, dann entwickelt sich die Lunge nicht richtig und wird sehr anfällig für Entzündungen", sagt Guleria. Kinder aus Delhi haben im Vergleich zu Altersgenossen aus weniger luftverschmutzten Gebieten nachweislich erheblich verringerte Lungenfunktionen, ergänzt der Mediziner.   

Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2014 liegen 13 der 20 Städte mit der schlimmsten Luftverschmutzung in Indien. An der Spitze: das Ballungsgebiet rund um die Hauptstadt. Der chronisch-giftige Luft-Cocktail in Delhi hat viele Zutaten: Die Bauern in der Region brennen um diese Jahreszeit ihre abgeernteten Felder ab, um das Land für die nächste Aussaat vorzubereiten. Nach dem extrem heißen Sommer mit Dauertemperaturen von konstant über 40 Grad wird die Luft wieder kälter. Der Winter kündigt sich an - und die armen Familien, die in Delhi zu Tausenden auf der Straße leben, verbrennen Müll, um sich zu wärmen.

Smog mit Ansage

Indien wandelt sich von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Kohlekraftwerke und Industriebetriebe in der Region schleudern ihre Schadstoffe in die Luft, Autoabgase und der Staub von Tausenden von Baustellen tun ihr übriges. Die kältere, feuchte Luft und der schwache Wind in dieser Jahreszeit hindern die dreckige Luft am Aufsteigen.

Unter dem Strich: Der gefährliche Smog wurde vorhergesagt, geknallt wurde trotzdem bis zum Exzess, das Diwali-Feuerwerk hat alles nur noch schlimmer gemacht.

Atemnot, Halsschmerzen, Kopfweh

Die Feinstaubbelastung in Neu-Delhi und anderen indischen Millionenstädten übersteigt die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation heute in der Spitze um das 14-fache. Alle Luftmessungsinstitute bewerten die Luftqualität in Delhi als "gefährlich". Die Krankenhäuser füllen sich mit Menschen, die über akute Atemnot, Hals- und Kopfschmerzen klagen. Besonders betroffen sind Senioren, Kinder und Asthmatiker. Gesundheitsexperten raten den Menschen in Neu-Delhi, ihre Häuser besser nicht zu verlassen.      

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Oktober 2016 um 11:46 Uhr

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